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Literatur Eine letzte Zugabe von Dieter Hildebrandt

Der Doyen des deutschen Polit-Kabaretts Dieter Hildebrandt war hellwach und scharfzüngig – bis zum Schluss. In seinem posthum veröffentlichten Buch «Letzte Zugabe» finden sich Texte von gewohnter Präzision. Und wie immer sind sie unterfüttert mit Wissen und Witz.

Dieter Hildebrandt im Porträt.
Legende: Ironisch aber feinfühlig bis zum Schluss: Kabarettist Dieter Hildebrandt. Getty Images

«Kommen Sie zum Schluss, Hildebrandt!»: So wollte er sein letztes Buch nennen. Doch Dieter Hildebrandt starb im letzten November, bevor er das Manuskript hatte fertigstellen können. Bis in den Herbst hinein schrieb er fleissig. Sogar einen Text für den ersten Auftritt nach seiner Genesung, den er für den Dezember 2013 in der Münchner Lach- und Schiessgesellschaft geplant hatte, findet sich in «Letzte Zugabe».

Er zeigt, dass Hildebrandt selbst den eigenen Krankenhausaufenthalten noch eine komische Seite abzutrotzen vermochte, wenn er schreibt: «Eines ist mir klar: Am Schluss wird man nicht von Blumen erdrückt, sondern von den Rechnungen der Radiologen erstickt werden.»

Er machte es den Jungen vor

Die meisten der versammelten Texte, die mit Zeichnungen seines alten Weggefährten Dieter Hanitzsch ergänzt werden, stammen aus dem Jahr 2013. Viele davon hat Hildebrandt für den «störsender.tv» geschrieben. Mit «störsender.tv» hat er es den Jungen mit 86 noch einmal gezeigt. Ausgerechnet der dienstälteste Politkabarettist Deutschlands brachte es zusammen mit dem jungen Journalisten Stefan Hanitzsch (dem Sohn seines alten Freundes Dieter Hanitzsch) fertig, ein innovatives neues Satire-Magazin im Internet zu lancieren.

Legende: Video Dieter Hildebrandt abspielen. Laufzeit 11:37 Minuten.
Aus Giacobbo / Müller vom 06.11.2011.

Ziel war eine Mischung aus investigativem Journalismus und scharfer Satire. Es gelang ihm, hochkarätige Mitstreiter dafür zu gewinnen. Georg Schramm, Urban Priol. oder H.G. Butzko waren ebenso mit von der Partie wie Konstantin Wecker. Und um vollkommen unabhängig sein zu können, wurde «störsender.tv» mittels Crowdfounding finanziert.

Ironisch, aber ernst

Nebst Hildebrandts eigenen Texten findet sich im Buch auch ein berührendes Nachwort des Publizisten Roger Willemsen. Er trat die letzten sieben Jahre gemeinsam mit Dieter Hildebrandt auf, und er hielt auch dessen Grabrede. Willemsen beschreibt Hildebrandt als einen, dem es – bei aller Ironie in seinen Texten – ernst war; als einen, der sein Publikum daran erinnert hat, was wichtig und was unwichtig ist. Hildebrandt sei, so Willemsen, auch einer gewesen, für den Genauigkeit herzustellen ein Lebenselement war.

Ein unermüdlicher Kampfgeist

Die Lektüre von «Letzte Zugabe» lohnt sich schon allein, weil es noch einmal alle Qualitäten von Dieter Hildebrandts Wirken vereint. Durch die Gedankensplitter kann man ihm quasi beim Bearbeiten des Alltags über die Schulter blicken. In seinen Texten für «störsender.tv» zeigt er sich mit seinem unermüdlichen Kampfgeist. Drei Grabreden lassen erahnen, was für ein Freund er seinen Freunden gewesen sein muss.

Ein besonderes Juwel ist aber auch Hildebrandts Rede anlässlich der Verleihung des Erich Kästner Preises vom September 2013. Darin beschreibt er seine Anfänge, die Ermutigung durch Erich Kästner und warum es für ihn damals keine Alternative zum Kabarett gegeben hat – und später erst recht nicht mehr.

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