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Schriftsteller in Kuba «Es gibt keine echte Öffnung in Kuba»

Der Schriftsteller Angel Santiesteban sass in Kuba im Gefängnis. Veränderungen im Land sieht er nur an der Oberfläche.

Ein Bild einer einzelnen kubanischen Flage bei der "Wall of Flags" vor der amerikanischen Botschaft in Havanna, Kuba.
Legende: Gibt es eine Öffnung? An der «Wall of Flags» vor der amerikanischen Botschaft in Havanna weht eine kubanische Flagge. Getty Images

SRF: Wie haben Sie die Gefängniszeit überstanden?

Angel Santiesteban: Eingesperrt zu werden, weil dem System nicht passt, was ich sage, ist das Schlimmste, was mir passieren konnte. Gleichzeitig sehe ich das Ganze als eine Mission.

Ich bin vielen anderen Insassen begegnet und kann so vom Leben im kubanischen Gefängnis erzählen. Dort geschehen viele furchtbare Dinge. Ich habe einen General angezeigt, der einen jungen Gefangenen erwürgt hat und es dann wie einen Selbstmord aussehen liess. Er wurde zumindest degradiert.

Auch ich wurde schlimm behandelt. Ich habe erlebt, wie Macht missbraucht wird, wie Menschen für jede Kleinigkeit hart bestraft wurden. Deswegen ist meine Literatur eine Gegenliteratur, die das System ganz offen kritisiert. Und aus diesem Grund betrachtet mich die Regierung als Feind.

Hat die Haft Sie verändert?

Ich habe im Gefängnis viel darüber nachgedacht, ob das, was ich sehe und erlebe, meine Gefühlswelt so sehr angreift, dass es mein Schreiben verändert. Ich hatte Angst, dass dadurch meine Sensibilität als Schriftsteller beeinflusst werden könnte, dass ich abstumpfe.

Heute glaube ich, dass ich durch das Gefängnis ein besserer Mensch geworden bin, dass es mich geformt hat. Ich habe gelernt, noch empathischer zu sein. Die schrecklichen Dinge, die anderen passieren, gehen mir näher als zuvor. Ich bin dankbar, dass Gott mir diese Erfahrung ermöglicht hat.

Werden Sie überwacht?

An der Strassenecke von meinem Haus gibt es eine Kamera. Ich gehe davon aus, dass sie auch benutzt wird. Ich begegne regelmässig Polizisten, die sich in der Nähe des Hauses aufhalten. Und ich bin bereits mehrmals wieder verhaftet worden. Dreimal war ich in U-Haft, und sie haben versucht, mich für längere Zeit wieder ins Gefängnis zu bringen.

Wie bewerten Sie die Veränderungen, die es in Kuba in den letzten Jahren gegeben hat?

Welche Veränderungen? Unsere Diktatur schaut, wie sie nach aussen wirkt. Man versucht deshalb Dinge zu verschönern. Aber es ist alles nur ein Spiel, eine Maske. Ich habe nicht das Gefühl, dass wir eine echte Öffnung erleben.

Es gibt seit einiger Zeit Reisefreiheit. Aber es sollte normal sein, dass man überall hinreisen kann. Das war überfällig. Das bedeutet keine radikale Veränderung des Systems. Wenn die Kubaner das Recht haben, durch die Strassen zu laufen, zu essen, zu schlafen, dann hat das nichts mit Öffnung zu tun.

Ich möchte einfach, dass die Opposition das Recht hat, zu bestehen.

Eine wirkliche Öffnung wäre, dass die Opposition respektiert wird. Ich gehe noch nicht einmal so weit, von einem Dialog zu sprechen, sondern ich möchte einfach, dass die Opposition das Recht hat, zu bestehen.

Es gibt nach wie vor viele politische Gefangene, darunter viele Menschen, die nur im Gefängnis gelandet sind, weil sie Flugblätter verteilt haben.

Viele haben das Land verlassen. Denken Sie auch darüber nach?

Ich gehe nicht von Kuba weg. Es gibt Menschen, die mir zur Flucht verhelfen wollten. Ich habe abgelehnt. Ich bevorzuge es, hier im Gefängnis zu sitzen als ausserhalb Kubas leben zu müssen.

Das Gespräch führte Holger Heimann.

Sendung: SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 20.2.2017, 17:06 Uhr.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Samuel Wanitsch (Sämu)
    Das ist Cuba-Bashing mit den immer gleichen Clichés. "Marode Häuser": findet man auch in Berlin, New York, Chicago oder auf der Nachbarinsel Haiti. "Unzufriedenheit wächst": Wo auf der Welt wächst sie nicht? "Es gibt keine echte Öffnung in Kuba": Öffnung zu was? Zu Verhältnissen wie in Honduras, Guatemala, Haiti oder Brooklyn? Ein "Sponsor" des Herrn Santiesteban verrät die Absichten: "Reporter ohne Grenzen" erhalten Geld vom CIA; ihr Mitbegründer Ménard gab es zu. Fairplay für Cuba bitte!
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