Finnland lesen

«Finnland. Cool» ist das Motto – und cool zeigt sich das Gastland an der Frankfurter Buchmesse: mit über 130 Büchern, die diesen Herbst auf Deutsch erscheinen. Bisher sind nur wenige Autoren wie Tove Jansson oder Sofi Oksanen im Ausland bekannt. Dabei bietet das Land viel mehr.

Eine Frau liegt auf einer Wiese und liest.

Bildlegende: In Gedanken nach Finnland reisen: Fünf Buchtipps. Reuters

5 Lesetipps aus dem hohen Norden

    • Johan Bargum: «Septembernovelle»

      Johan Bargum: «Septembernovelle»

      Zwei Männer, die beide mit derselben Frau verheiratet waren, treffen sich zu einer herbstlichen Segeltour. Nur einer kehrt zurück. Dieser erzählt der Polizei seine Version des Vorfalls. Dann wechselt die Perspektive. Der andere (verschwundene) Mann schreibt in einem Brief, was passiert ist. Bis zu dem Punkt, an dem die Geschichte plötzlich abbricht. «Septembernovelle» könnte auch ein Krimi sein, über zwei Männer, die beide ein Motiv hätten, den andern fertig zu machen. Die Geschichte ist grandios komponiert und Bargum ein so exzellenter Erzähler, dass man sich kaum von der spannenden Geschichte lösen kann. Eine echte Entdeckung. Sehr lesenswert.

      1:01 min, aus BuchZeichen vom 05.10.2014

    • M.A. Numminen: «Tango ist meine Leidenschaft»

      M.A. Numminen: «Tango ist meine Leidenschaft»

      Der Tango macht die Finnen glücklich, weil er so traurig ist. Numminen erzählt in seinem witzigen Roman die Geschichte Virtanens. Der junge Finne liebt den Tango über alles. Und er will bis zum 36. Lebensjahr keusch bleiben. Das lässt sich nur schwer vereinbaren und bringt ihn natürlich in Schwierigkeiten. Wer Numminens Buch liest, lernt viel über den finnischen Tango. Dass er eine Kreuzung zwischen russischer Romanze und deutscher Marschmusik ist, und im Krieg erfunden wurde. Mulittalent Numminen ist eine der schrägsten Figuren in der finnischen Kulturszene und sein Roman ist nicht nur komisch, er ist auch eine Liebeserklärung an den Finntango.

      1:12 min, aus BuchZeichen vom 05.10.2014

    • Philip Teir: «Winterkrieg»

      Philip Teir: «Winterkrieg»

      Der erste Satz ist umwerfend: «Den Hamster der Enkelkinder einzufrieren war der erste Fehler gewesen, den Max und Katrina in diesem Winter begangen». Die Handlung ist allerdings nicht so lustig. «Winterkrieg» erzählt von einer abgekühlten Ehe, die nicht mehr zu retten ist und nach einem kalten, dunklen Winter endet. Philip Teir zeigt in diesem psychologisch höchst interessanten und gelungenen Debut-Roman über eine finnische Mittelschicht-Familie, wie grundsätzlich verschieden die Vorstellungen von Glück sind. Die Geschichte könnte auch in der Schweiz spielen, die Kulisse ist aber typisch finnisch.

      aus BuchZeichen vom 05.10.2014

    • Arto Paasilinna: «Der Mann mit den schönen Füssen»

      Arto Paasilinna: «Der Mann mit den schönen Füssen»

      Reeder Aulis Rävänder ist glücklich: Er hat einen guten Schlepper und eine gute Frau. Mehr braucht er nicht. Dabei merkt er nicht, dass seine Frau alles andere als zufrieden ist, und dass sie sich schon einen Liebhaber zugelegt hat. Nach einem von ihr provozierten Ehestreit nimmt sie ein Taxi und weg ist sie. Rävänder ist am Boden zerstört. Total betrunken meldet er sich beim Sorgentelefon und merkt nicht, dass er sich verwählt hat. Paasilinna ist ein Meister der Komik, man amüsiert sich köstlich über seine Lust an der Übertreibung und seinen trockenen, manchmal schwarzen Humor. Über frauenfeindliche Tendenzen kann man hinwegsehen, weil die Männer sich so tollpatschig benehmen und die Frauen es dafür faustdick hinter den Ohren haben.

      1:37 min, aus BuchZeichen vom 05.10.2014

    • Johanna Holmström: «Asphaltengel»

      Johanna Holmström: «Asphaltengel»

      Johanna Holmström gehört zu den jüngeren Shootingstars der finnischen Literatur. Ihr Roman «Asphaltengel» beschäftigt sich mit einer muslimischen Familie: Vater, Mutter, zwei Töchter. Der Vater ist aus Tunesien eingewandert. Die finnische Mutter ist zum Islam konvertiert und wird immer fanatischer. Ein Drama für die Töchter. Verboten sind Fernsehen, Partys und modische Kleider. Holmström schockiert mit ihrem Roman, erzählt vom Fremdenhass und von der Brutalität unter Jugendlichen. Aber auch, wie junge Menschen den Anforderungen einer muslimischen Familie und denen einer modernen europäischen Welt genügen müssen. Dabei wirbt sie ohne Mahnfinger für mehr Toleranz und Verständnis.

      1:08 min, aus BuchZeichen vom 05.10.2014

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