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Literatur Flüchtlingsromane – so nahe an unserer Realität wie nie

Jeden Tag erreichen uns Nachrichten über Flüchtlinge, die den Weg nach Europa suchen. Über 50 Millionen Menschen sollen auf der Flucht sein, so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Wir stellen vier Romane zum Thema vor – vom Mittelmeer-Krimi bis zum Kriegsbilderbuch für Kinder.

Syrische Flüchtlinge am Hafen von Piräus, Griechenland.
Legende: Wie erzählt man Kindern, was Flüchtlingskinder durchmachen? Zum Beispiel mit einem Bilderbuch. Imago/Wassillis Aswestopoulos

Romane

  • Buchcover
    Legende: Merle Kröger: Havarie. Argument Verlag

    Ein Mittelmeer-Krimi auf der Höhe der Zeit

    Merle Krögers Roman «Havarie» könnte nicht aktueller sein. Er spielt auf dem Mittelmeer, auf einem Kreuzfahrtschiff. Dort prallen Welten aufeinander. Die Passagiere sind Europäer, gut betucht. Die Angestellten auf dem Schiff sind unterbezahlt. Und die algerischen Flüchtlinge, die im Schlauchboot den Luxusliner kreuzen, kämpfen ums Überleben. Dieses Setting ist nahe an der Wirklichkeit. Elf Einzelschicksale choreografiert Merle Kröger so, wie es sie heute geben könnte: rund ums Mittelmeer, in den aktuellen Krisenregionen dieser Welt. Was ihr dabei besonders gut gelingt? Sie beschreibt, was sich hinter den Nachrichtenbildern verbirgt und gibt den namenlosen Flüchtlingen ein Gesicht. Merle Kröger, «Havarie», Argument Verlag, 2015.

  • Buchcover: Eine Junge schaut aus dem Fenster, links und rechts ein Vorhang.
    Legende: Vielleicht dürfen wir bleiben. Carlsen Verlag

    Junger Bosnier kämpft in Norwegen gegen die Abschiebung

    Er ist so blond. Das irritiert die beiden Mädchen. Muslime sähen doch anders aus. Und Flüchtlinge auch. Doch der elfjährige Albin ist aus Bosnien geflüchtet. Mit seiner Mutter und den jüngeren Zwillingsschwestern. Fünf Jahre lebt er bereits in Norwegen. Nun droht die Abschiebung. Um dies zu verhindert, flüchtet Albin erneut. Diesmal allein. Da trifft er auf die Mädchen. Geschickt verknüpft Autorin Ingeborg Kringeland Hald Albins erneute Flucht mit der ersten in Rückblenden. Die drastischen Erlebnisse in Bosnien deutet sie an, ohne zu explizit zu sein. Albins Schicksal kontrastiert sie mit der idyllischen Kindheit der norwegischen Mädchen. Aus der Kinderperspektive macht sie klar, dass mit einer geglückten Flucht das Trauma keineswegs ausgestanden ist. Ingeborg Kringeland Hald, «Vielleicht dürfen wir bleiben», Carlsen Verlag, 2015.

  • Buchcover mit schwarzem Protagonisten mit Berret, guckt nach links.
    Legende: Delphine Coulin: Samba für Frankreich. Aufbau Verlag

    Französischer Einwandererroman mit viel Herz

    Delphine Coulin erzählt in ihrem Roman die Geschichte von Samba Cissé. Als sogenannter Sans-Papier lebt und arbeitet der junge Malier schon über zehn Jahre in Paris. Jeden Tag muss er mit einer Abschiebung rechnen. Bei seiner Ankunft in Paris sagte er sich: «Wenn ich bis hierhergekommen bin, werde ich endlich erfahren, warum ich auf der Welt bin.» Nur weiss er da noch nicht, dass die gefährliche Flucht weniger hart war als alles, was er in den folgenden Jahren im vermeintlichen Paradies erleben sollte. Coulin schildert in «Samba für Frankreich» das Problem der Sans-Papiers, welches nicht nur in Frankreich immer grösser wird. Und sie gibt einem Flüchtling ein Gesicht. Der Roman diente als Vorlage für den gleichnamigen französischen Film mit Omar Sy. Delphine Coulin, «Samba für Frankreich», Aufbau Verlag, 2014.

  • Zwei Kinder rennen davon, im HIntergrund explodiert ein Haus.
    Legende: Akim rennt. Moritz Verlag

    Kindern den Krieg erklären – mit einem Bilderbuch

    Die belgische Autorin und Illustratorin Claude R. Dubois erzählt diese berührende Geschichte aus kindlicher Perspektive – derjenigen des etwa vierjährigen Akim. Sein Dorf liegt in Trümmern. Weil alle Menschen davonrennen, verliert der Bub im Chaos seine Mama. Der Text ist sachlich und nüchtern, nur das Nötigste wird erklärt und kommentiert. Die feinen, schlichten Schwarz-Weiss-Zeichnungen haben eine grosse Intensität und führen die Geschichte weiter. Sie zeigen, wie hilflos und verletzlich der kleine Bub ist. Am Schluss kann Akim seine Mama wieder in die Arme schliessen – ein versöhnliches Ende, auch wenn vieles noch nicht gut ist. Dennoch ist «Akim rennt» keine schöne Gutenachtgeschichte, es geht um Krieg und Flucht. Aber das Büchlein hilft, die Welt zu erklären. Am besten zusammen mit den Kindern (ab 6 Jahren) anschauen und darüber sprechen. Claude K. Dubois, «Akim rennt», Moritz Verlag, 2014.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Kari Warmbrodt, Thun
    Wo nehmen die Einwanderer nur ihre Handys her? Sie funktionieren anscheinend durch die Wüste, bis vor die Lybische Küste von wo sie abgeholt werden und das alles ohne Akkuanschluss!! Ein Wunder! Ich kann es Ihnen die Einwanderung nicht verübeln. Auch unsere Regierung hilft kräftig mit an diesem Geschäft für ein paar Kreise und das ist das eigentliche Übel! Das Wort Asylant sollte nicht mehr in der Presse verwendet werden, denn es ist irreführend.
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  • Kommentar von Lucy von Sprecher, Zürich
    Unsere "Gutmenschen", insbesondere deren Politik, scharren schon mit den Hufen und nähen bunte und lustige Willkommens-Fahnen. Sie sind bereits so nah an ihrem Ziel: nach Türken und Balkan dürfen sie jetzt auch noch die Roma in ihr Integrationsdauerprojekt aufnehmen.
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  • Kommentar von urs schilling, luzern
    "... Und wie erklärt man Erwachsene das Bild von Fluchtling die super vernetzt sind mit Mobiltelefon am Ohr...."??????????
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    1. Antwort von Konnie Baumgartner, Bremgarten
      Mobilfunk ist in Afrika viel bedeutender als bei uns, weil die Infrastruktur für Internet nicht so gut ist. Deshalb ist es absolut nicht aussergewöhnlich und auch keine Zeichen von "Reichtum", wenn Flüchtlinge ein Handy haben.
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    2. Antwort von Kri Warmbrodt, Thun
      Lieber Herr Baumgartner, aber doch nicht ohne Anschlüsse für die Handys. Und auf Holzbooten, Gummibooten etc. hat es definitiv keine Anschlüsse. Ich war mehrere Jahre in Wüstengebieten tätig. Anschlüsse gleich 0 bis auf die herrschende Klasse. Aber glauben sie nur alles.
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    3. Antwort von Manuela Meier, Conakry
      Hier in der Nachbarschaft hat jeder ein Mobiltelephon. Wer einen Stromanschluss hat bietet zentralsierte Ladestellen an. so einfach. Wenn man sieht, unter welchen Bedingungen die Menschen leben, kann man den Wunsch nach Auswanderung nicht übel nehmen. Niemand will so leben.
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