Gelesen, getroffen, gewürdigt: 6 Begegnungen mit Imre Kertész

Imre Kertész war einer der letzten Schriftsteller, der sich literarisch mit seinen Erfahrungen als Holocaust-Überlebender auseinandersetzte. SRF hatte Kertész über die Jahre wiederholt getroffen und sein Schaffen kritisch gewürdigt: Die wichtigsten Sendungen dazu im Überblick.

    • 1.
      Eine intensive Begegnung

      2004 in Berlin gab Imre Kertész in einem langen, intensiven Gespräch den SRF-Literaturredaktoren Felix Schneider und Hans Ulrich Probst über sein Denken und Schreiben Auskunft. Er sprach auch über seine tragische Kindheit: Kertész wurde als 15-Jähriger nach Auschwitz deportiert und später befreit. Diese Erfahrung – ebenso wie jene von 40 Jahre Eingesperrtsein im sozialistischen Ungarn – hat er immer wieder literarisch gestaltet.

    • 2.
      Das Leben nach dem Überleben
      Video «Imre Kertész: Das Wissen vom Menschen (Sternstunde Philosophie vom 28.9.2003)» abspielen

      Imre Kertész: Das Wissen vom Menschen (Sternstunde Philosophie...

      55 min, vom 28.9.2003

      Seit Kertész zu schreiben begann, kreisten seine Bücher um ein einziges Thema: um Auschwitz als persönliche Erfahrung und als Trauma der gesamten Menschheit. Die Frage, ob und wie ein Leben nach dem Überleben möglich sei, steht bis heute im Mittelpunkt seines literarischen Schaffens. Klara Obermüller im Gespräch mit dem Literaturnobelpreisträger.

    • 3.
      Auf dem Olymp: der Nobelpreis
      Video «Literatur-Nobelpreis für Imre Kertesz» abspielen

      Literatur-Nobelpreis für Imre Kertesz

      2:21 min, aus Tagesschau vom 10.10.2002

      2002 erhielt Imre Kertész den Literatur-Nobelpreis. Für ihn war die Auszeichnung eine, wie er es nannte, «Glückskatastrophe»: Einerseits freute er sich darüber, gleichzeitig aber befürchtete er, dass der Preis ihn "ersticken liess an der falschen Ehrfurcht, der Liebe, dem Hass und der ihm nun zugedachten öffentlichen Rolle», wie es seinen Tagebüchern «Letzte Einkehr» zu entnehmen ist.

    • 4.
      Der eigene Verfall

      Die Kritikerin Bernadette Conrad und der Basler Autor Alain Claude Sulzer diskutieren mit SRF-Redaktor Heini Vogler über die Tagebücher 2001-2009. Diese waren ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Sie umfassen die Jahre der Loslösung von Ungarn und die Niederlassung in der Wahlheimat Berlin. Leitmotiv ist das Schreiben, das Ringen um die in dieser Zeit entstehenden Prosawerke «Liquidation» sowie «Dossier K.». Mit dem Aufkommen von Krankheiten macht sich Kertész kühn zum Chronisten des eigenen Verfalls im Vorzimmer des Todes.

    • 5.
      Die Autobiographie

      Die SRF-Redaktoren Sandra Leis und Hans Ulrich Probst stellen 2006 das Buch «Dossier K. Eine Ermittlung» vor: Imre Kertész selbst bezeichnete dieses Werk als Autobiographie und als Roman. Es ist eine Selbstbefragung, ein platonischer Dialog, den der Autor mit sich selbst führt.

    • 6.
      Auf dem Silbertablett des Kulturbetriebs

      Im Buch «Ich – ein anderer» setzt Kertész seinen Rapport über die Nachkriegszeit fort: Beim Übersetzen von Ludwig Wittgenstein gerät der Mann ins Sinnieren – über sein Judentum, sein Überleben nach Auschwitz hinter dem eisernen Vorhang, seine schriftstellerische Tätigkeit, den späten Erfolg, den ihm das Fallen besagten Vorhangs bescherte, sein plötzliches Herumgereichtwerden auf den Silbertabletts des westlichen Kulturbetriebs, seine Depressionen trotz allem. SRF-Redaktorin Franziska Hirsbrunner hat mit Imre Kertész darüber gesprochen.

Sendung zu diesem Artikel

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Autor Kertész ist tot

    Aus Tagesschau vom 31.3.2016

    Der ungarische Schriftsteller Imre Kertész ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Der Literatur-Nobelpreisträger gilt als einer der bedeutendsten Autoren der europäischen Nachkriegsliteratur.

  • «Auch wenn ich von etwas ganz anderem spreche, spreche ich von Auschwitz. Ich bin ein Medium des Geistes von Auschwitz, Auschwitz spricht aus mir», notierte Imre Kertesz in seinem «Galeerentagebuch».

    Imre Kertesz - die Shoah-Erinnerung liess ihn nie los

    Aus Rendez-vous vom 31.3.2016

    Der ungarische Literatur-Nobelpreisträger Imre Kertesz ist 86-jährig gestorben. Als Jugendlicher wurde er 1944 von Budapest in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert, später nach Buchenwald, wo er bei Kriegsende befreit wurde.

    Sein «Roman eines Schicksalslosen» gilt als eines der bedeutendsten Erzählwerke über den Holocaust. Eine Würdigung.

    Franziska Hirsbrunner