«Germany 2064» – Krimi-Reise in unsere Zukunft

Der schottische Autor Martin Walker wurde mit seinen Kriminalgeschichten aus dem Périgord berühmt. Auch sein neuer Roman ist ein Krimi, allerdings spielt «Germany 2064» in Deutschland – und in der Zukunft. Ein Thriller, der voller Fakten steckt, die zum Nachdenken anregen.

Ein Roboterarm hält einen Schädel in der Hand.

Bildlegende: Die Fortschritte in der Robotik werfen im Roman und in der Realität neue Fragen auf. Colourbox

Die Vorstellung Walkers von der Welt in 50 Jahren entspringt nicht einem Hirngespinst, sondern fundierten Diskussionen mit renommierten Experten. Der Autor arbeitet auch als Berater für einen Think Tank in Washington. In dieser Funktion hat er an einem Projekt mit der deutschen Regierung teilgenommen.

Neue Strukturen und Ideen

Während zweier Jahre haben sich führende Politiker, Wissenschaftler und Unternehmer regelmässig getroffen, um die Welt von morgen zu diskutieren. Ausgangslage war die Erkenntnis, dass wir immer noch mit der Infrastruktur der Nachkriegszeit leben. Und dass es an der Zeit ist, zu überlegen, welche Kommunikationssysteme, welche Lebensbedingungen und welche Infrastruktur in Zukunft angestrebt werden sollen.

Daraus hat sich für die Experten eine ganze Palette von gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Fragen ergeben. Mögliche Szenarien oder Antworten hat Martin Walker in seinen Roman einfliessen lassen.

Sind Roboter die neuen Menschen?

Der rote Faden der Geschichte ist ein Kriminalfall: Eine Sängerin wird entführt. Aber der Fall entpuppt sich als viel komplexer: Dem zuständigen Kommissar Bernd wird bald klar, dass er zwischen die Fronten eines Wirtschaftskriegs geraten ist. Zwei weltweit führende Unternehmen werfen sich gegenseitig Industriespionage bei der Entwicklung einer neuen Robotergeneration vor.

Robotik ist denn auch ein zentrales Thema in «Germany 2064». Martin Walker verdeutlicht, wie viele Fragen mit der Entwicklung von Robotern einhergehen. Was geschieht, wenn sie die Arbeit der Menschen verrichten? Werden die Menschen dann arbeitslos? Und was, wenn Roboter fähig sind, unabhängige Entscheidungen zu treffen? Werden sie zu eigenständigen Wesen? Und wenn ja, haben sie dann auch Rechte?

So könnte unsere Zukunft aussehen

Nebst solchen ethischen Fragen beschreibt Martin Walker auch ganz konkret, wie unser Leben im Jahr 2064 aussehen könnte: Dank Verjüngungskuren leben 100-Jährige wie 60-Jährige, alle sind dank implantiertem Gesundheitschip kerngesund.

Autos, sogar ganze Lastwagenkonvois, sind vollautomatisch unterwegs, und jeder Mensch hat einen sogenannten Holoscreen, eine 3D-Projektion, die sich vor einem aufbaut, wenn man nach einer Information sucht.

Realistisch, aber nicht mutig genug

Ist ein solches Szenario realistisch? Andreas M. Walker, Co-Präsident von swissfuture.ch und führender Zukunftsexperte der Schweiz, hat «Germany 2064» als unabhängiger Experte gelesen. Ja, solche Szenarien seien realistisch, sagt er. Allerdings erkläre Martin Walker nicht, wie es dazu gekommen sei. Und das wäre eigentlich das Interessanteste. Nichtsdestotrotz attestiert Andreas M. Walker dem Roman den Verdienst, die Zukunft aus Sicht eines zukünftigen Menschen zu beleuchten.

Und weil Martin Walker eben nicht die Adlerperspektive wählt, ist «Germany 2064» lohnenswerte Lektüre für Eltern und Grosseltern von heute – und bietet Stoff für Diskussionen mit den Grosseltern von 2064.

Buchinweis

Buchinweis

Martin Walker: «Germany 2064». Diogenes. 2013.

Zum Autor

Martin Walker ist Historiker, politischer Journalist und Schriftsteller. Als Journalist beobachtete er Maggie Thatchers Karriere kritisch und arbeite 25 Jahre beim «Guardian». Bekannt ist er vor allem für seine «Bruno-Krimis» mit dem südfranzösischen Dorfpolizisten Bruno Courrèges.

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