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Literatur Literaturkritiker Hellmuth Karasek ist tot

Die ZDF-Sendung «Literarisches Quartett» hatte Literaturkritiker Hellmuth Karasek einst berühmt gemacht. Nun ist er im Alter von 81 Jahren in Hamburg gestorben. Seine pointiert-sarkastischen Aussagen – als Kritiker wie als Autor – bleiben unvergessen.

Jahrelang diskutierte Hellmuth Karasek mit Marcel Reich-Ranicki und weiteren Kritikern in der ZDF-Sendung «Das literarische Quartett» über neue Bücher. Mit seinen wortgewandten Auftritten wurde er einer breiten Öffentlichkeit bekannt – auch wenn er manchmal mit Literaturnobelpreisträger Günter Grass verwechselt wurde, wie er berichtete. Die Neuauflage des Fernsehklassikers kann er nicht mehr miterleben: Sie startet das diese Woche, fast 14 Jahre nach der letzten Sendung.

Karasek war Autor, Kritiker, Moderator und Journalist – und er liebte das Publikum. Selbst nachdem das «Quartett» 2001 eingestellt wurde, tauchte der umtriebige Kulturkritiker immer wieder auf dem Bildschirm auf, was ihm bisweilen Kritik einbrachte.

Das Schreiben war für ihn harte Arbeit

Als Journalist schrieb Karasek für diverse Zeitungen. Er war Theaterkritiker bei der Wochenzeitung «Die Zeit» und Kulturressortchef beim «Spiegel». Ausserdem veröffentlichte er zahlreiche Bücher und verfasste unter dem Pseudonym Daniel Doppler Theaterstücke. Dabei war das Schreiben für ihn harte Arbeit, wie er zu seinem 75. Geburtstag sagte.

Sein Romandebüt gab er 1998 mit «Das Magazin» – es handelt vom intriganten Innenleben eines Hamburger Nachrichtenmagazins. Das Buch wurde weitgehend verrissen, vereinzelt jedoch auch trotz Übertreibungen als wahre Schilderung anerkannt.

Geprägt durch die Kindheit im Dritten Reich

Geboren wurde Karasek 1934 als eines von fünf Kindern im tschechischen Brünn. Ende des Zweiten Weltkrieges floh die Familie vor der Roten Armee nach Sachsen-Anhalt. Nach dem Abitur übersiedelte Karasek 1952 aus der damaligen DDR in die Bundesrepublik und studierte in Tübingen Germanistik, Geschichte und Anglistik. «Ich habe in zwei Diktaturen gelebt. Die erste habe ich gemocht und erst später gemerkt, dass das ein Schweineregime war. Die zweite habe ich von Anfang an gehasst.»

Seine Kindheit im Dritten Reich habe ihn am meisten geprägt, sagt er. «Durch den Krieg hat man gelernt, dass kein Stein auf dem anderen steht, nichts Bestand hat und man immer misstrauisch bleibt.» Der Schliff und Drill, der ihm als Junge in der Hitlerjugend und in einer Nazi-Eliteschule vermittelt worden sei, habe bei ihm weniger nachhaltig gewirkt.

Kinder mit kreativer Ader

Seine künstlerischen Gene gab Karasek, vierfacher Vater und in zweiter Ehe mit der Kulturredakteurin Armgard Seegers verheiratet, an seine Kinder weiter: Sohn Daniel ist Intendant am Theater in Kiel, Tochter Laura hat ihren ersten Roman («Verspielte Jahre») veröffentlicht. «Sie wollte einen künstlerischen Beruf ergreifen, aber ich habe zu ihr gesagt: Lerne was Anständiges und da hat sie Jura studiert.» Als sie ihm die ersten 100 Seiten ihres Romans vorgelegt habe, war er jedoch überzeugt: »Du musst unbedingt weitermachen!»

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 30.9.2015, 07:20 Uhr.

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