Rudolf C. Bettschart lebte für Diogenes

Bettschart besass 49 Prozent des Diogenes-Verlags und war über 60 Jahre lang Geschäftsführer. Zusammen mit dem Verlagsgründer Daniel Keel – der vor vier Jahren gestorben ist – prägte er das Unternehmen über Jahrzehnte. Bettschart ist im Alter von 84 Jahren gestorben.

Rudolf C. Bettschart

Bildlegende: Rudolf C. Bettschart: neben Daniel Keel der Mann, der Diogenes prägte. Keystone

Es gibt oft Streit zwischen Bettschart und Keel, zwischen den beiden grossen Figuren im Diogenes-Verlag. Das sagt Rudolf Bettschart selber einmal in einem Interview. Aber das gehöre halt dazu und sei auch schnell vorbei. Das sei so in einer Familie. Und es gehe ja schliesslich immer um die Sache.

Die Sache ist der Diogenes-Verlag. Daniel Keel gründet ihn 1952. Zwei Jahre später kommt Bettschart dazu. Als Geschäftspartner, dann als kaufmännischer Direktor, ab 1966 auch als Mitinhaber.

Ideales Unternehmer-Duo

Nahaufnahme Daniel Keel und Rudolf Bettschart.

Bildlegende: Verleger Daniel Keel (links) und Geschäftsführer Rudolf Bettschart (r.) anlässlich des 50. Jubiläums von Diogenes. Keystone

Die beiden ergänzen sich gut. Sind ein ideales Unternehmer-Duo. Während Keel der Kreativkopf der beiden ist, hält ihm Bettschart den Rücken frei. Kümmert sich um den Alltag: dass Papier da ist, dass die Heizung läuft. Ums Personal. Darum, dass das Klima stimmt.

Ein guter Patron sei er gewesen, sagen Angestellte heute. Er habe gefordert und gefördert. Sei grosszügig gewesen und habe seine Leute unterstützt bis ins Private.

Freunde, ein Leben lang

Dass es gerade Bettschart ist, der ein Leben lang mit Keel zusammenarbeitet, hat auch biografische Gründe. Die beiden sind Freunde. Schon immer. Sie stammen beide aus Einsiedeln, sind Schul- und Pfadikameraden und sind sogar am selben Tag geboren: am 10. Oktober 1930.

Und trotzdem: Reine Harmonie ist die Freundschaft nicht. Im Gegenteil. Einer der vielen Streite führt fast zum Zerwürfnis: die Solschenizyn-Geschichte. Als der für sein «Archipel GULAG» einen deutschsprachigen Verlag sucht, will Bettschart das Buch unbedingt bringen. Aus finanziellen Gründen spricht nichts dagegen. Aus inhaltlichen auch nicht. Aber Keel bringt es nicht. Er bleibt dem Credo seines Verlags treu, Autoren zu bringen und keine Einzelbücher. Ein ganzes Jahr reden sie nicht mehr miteinander. Dann geht’s weiter wie zuvor.

Jetzt ist Rudolf Betschart gestorben. An einer langen und schweren Krankheit. Er hinterlässt einen gesunden Verlag. Die Nachfolge ist längst verlagsintern geregelt. Rudolf Bettschart folgt nun seinem Freund, der ihm vor drei Jahren vorausgegangen ist.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 1.4.2015, 17:10 Uhr