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Literatur Sauters bittersüsse Stücke sollte man mit einem Grappa geniessen

Fühlen Sie sich machtlos? Schreiben Sie eine Geschichte, dann handeln die Menschen, wie Sie möchten. Das mag Fritz Sauter: Der Schaffhauser Autor lässt seine Figuren kläglich scheitern, um uns die menschlichen Abgründe vorzuführen. Und das immer mit Witz – auch in seinem neuesten Hörspiel.

Eine Grafik zeigt eine grosse Fiege vor landschaftlichem Hintergrund, daneben eine schwarz-weiss dargestellte Frau mit Schleier.
Legende: «Der Fliegenforscher möchte Madame Celestine kennenlernen»: Das Hörspiel stammt von Fritz Sauter, diese Grafik ebenso. Fritz Sauter

In Sauters kurzen Texten geht es fast immer ums Scheitern. Menschen gehen ihren Wünschen nach, stolpern, werden von Autos überfahren oder stürzen von den Klippen, wenn sie mal das Fliegen ausprobieren möchten. Sie vergessen die Wörter und den eigenen Namen oder lösen sich rätselhaft auf, wie zum Beispiel der Mann, der sich selber verlor.

Das Scheitern der Helden

Das Porträt eines Mannes, dessen Gesicht neben einer Kerze in Form eines Zwerges zu sehen ist.
Legende: Der Schriftsteller und Grafiker Fritz Sauter. Fritz Sauter

Es ist immer ein dunkles, böses Scheitern, das Sauter uns vorführt. Je tiefer die Menschen in den Abgrund stürzen, umso mehr Spass scheint er beim Schreiben zu haben. Oft spendet er dem Gescheiterten zum Schluss noch einen lakonischen Trost – und macht damit die Texte noch sarkastischer. Es ist die augenzwinkernde Boshaftigkeit des fantasievollen Sprach-Spielers und Schlitzohrs, der mit den Abgründen spielt und uns über unsere eigene Boshaftigkeit lachen lässt. Sauter scheint instinktiv zu wissen, dass es nichts Interessanteres gibt, als das Scheitern des Helden zu beobachten. Die dunklen Kräfte sind der Motor in Sauters Texten, die politisch nie korrekt sind und bei denen moralische Fragen nie eine Rolle spielen. Es gibt in ihnen keine Sicherheit, nicht mal der Tod ist sicher. Alles ist möglich, Sauters Fantasie ist schrankenlos.

Vom Träumen der kleinen Leute

Aber auch die Sehnsucht taucht bei Sauter immer wieder auf. Seine Figuren träumen und hoffen auf bessere Zeiten. Zum Beispiel wohnen kleine Leutchen in kleinen Häuschen und stossen mit kleinen Gäbelchen in der Luft herum und haben nachts auf kleinen Kissen kleine Träume von grossen Leuten. Nicht einen Millimeter Erfüllung gönnt der Autor seinen Figuren. Das ist auch gut so, denn wir wollen uns ja schliesslich auf Kosten anderer amüsieren.

Der Sinn zwischen den Zeilen

Sarkasmus und schwarzer Humor alleine sind noch keine Qualität. Es braucht dazu auch ein Formbewusstsein, eine sorgfältige, genaue Sprache. Unterhaltung mit Witz und Biss, die auch menschliche Tiefen berühren will, bedarf einer Sprache, die zwischen den Zeilen, sowie mit Form und Rhythmus einen zusätzlichen Ausdruck vermittelt. Sauters Texte sind köstliche Sprach-Miniaturen, süssbittere Gebäckstücke, nach sauterschem Hausrezept gemacht – die man sich am besten mit einem Grappa gönnt.

Der Text stammt vom verstorbenen Hörspiel-Regisseur Fritz Zaugg und ist ein Auszug aus dem Vorwort zu Fritz Sauters Publikation «Ein Mann träumte, er falle» (Verlag Martin Wallimann).

Buchhinweis

Fritz Sauter: «Ein Mann träumte, er falle», Verlag Martin Wallimann, 2007.

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