Schweizer Erfolg: Nora Gomringer gewinnt den Bachmann-Preis

Der Wettbewerb um den renommierten Bachmann-Preis ist entschieden: Die schweizerisch-deutsche Doppelbürgerin Nora Gomringer setzte sich beim Wettlesen in Klagenfurt durch. Sie überzeugte Publikum und Jury gleichermassen mit ihrem Text «Recherche». Und ein weiterer Preis ging an eine Schweizerin.

Die gewiefte Slam-Poetin ist keine Überraschungssiegerin, Nora Gomringer galt als Favoritin.

Bildlegende: Die gewiefte Slam-Poetin ist keine Überraschungssiegerin, Nora Gomringer galt als Favoritin. ORF/Johannes Puch

Fünf von vierzehn Beiträgen am diesjährigen Wettlesen hatten einen Bezug zur Schweiz – und gleich zwei Schweizer Vertreterinnen waren erfolgreich. Den Hauptpreis hat die 35-jährige Nora Gomringer gewonnen, eine schweizerisch-deutsche Doppelbürgerin.

Die Jury im österreichischen Klagenfurt zeichnete die Autorin am Sonntag für ihren Text «Recherche» aus. Darin versucht eine Autorin in einem Mietshaus das Rätsel um den Tod eines 13-Jährigen zu lösen. Der Bachmann-Preis ist mit 25'000 Euro dotiert.

«Ein Hörspiel, das den Raum füllt»

Gomringers Sieg ist keine Überraschung: Juror Klaus Kastberger hatte ihr nach der Lesung am Donnerstag gleichsam den Sieg vorausgesagt. Die Mitbegründerin der Poetry-Slam-Szene weiss, wie man Zuhörer einnimmt. Sie unterstrich das Gelesene mit Mimik und Gestik und sprach Dialoge wie ein Stimmenimitator. «Ein Hörspiel, das den ganzen Raum füllt», urteilte Jury-Obmann Hubert Winkels.


Bachmann-Preis für Nora Gomringer

4:25 min, aus Echo der Zeit vom 05.07.2015

Nora Gomringer ist Tochter einer Germanistin und eines Schweizer Dichters und lebt in Bamberg. Seit rund 15 Jahren ist sie als Lyrikerin bekannt und hat mehr als ein Dutzend Preise eingeheimst.

3sat-Preis für eine Schweizerin

Eine weitere Auszeichnung geht an eine Schweizerin: Dana Grigorcea gewinnt den 3sat-Preis, dieser ist mit 7500 Euro dotiert. Grigorcea war mit einem Auszug aus ihrem demnächst erscheinenden Roman «Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit» angetreten, eine bitterböse Satire über die Geschichte Rumäniens seit Ceausescu.

Der Kelag-Preis in Höhe von 7500 Euro und der mit 7000 Euro dotierte Publikumspreis gehen beide an die österreichische Autorin Valerie Fritsch. Sie gewann die Gunst von Jury und Publikum mit dem Text «Das Bein» über einen jungen Heimkehrer, der sich seinem Vater, einem beinamputierten, zunehmend verzweifelnden Tänzer, anzunähern versucht.

An den 39. Tagen der deutschsprachigen Literatur hatten insgesamt 14 Autoren teilgenommen. Die Schweizer Beteiligung in Klagenfurt war so hoch wie seit 2002 nicht mehr. Neben Gomringer traten Monique Schwitter, Dana Grigorcea, Jürg Halter und Tim Krohn aus der Schweiz an.

Schweizer Literatur im Hoch

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Ingeborg-Bachmann-Preis

0:50 min, aus Tagesschau vom 5.7.2015

Und die Schweizer hatten wahrhaftig einen Lauf: Monique Schwitter und Jürg Halter schafften es ebenfalls unter die sieben Finalisten. Der Berner Halter profitierte von der uneingeschränkten Unterstützung des Schweizer Jurors Juri Steiner, der als einziger Halter in jeder Abstimmungsrunde neu ins Gespräch brachte.

Bei der Preisverleihung am Sonntag passierte ein Malheur, das die Organisatoren explizit zu verhindern versucht hatten: Die Österreicherin Teresa Präauer, die sich mit der Siegerin Gomringer ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert hatte, ging am Ende leer aus.

Damit das nicht vorkommt, hatten die Veranstalter die neue Regel eingeführt, dass der/die Zweitplatzierte in einer Runde automatisch für die nächste gesetzt ist. Dass jemand, wie Präauer, in jeder Runde Zweite machen könnte, daran wurde nicht gedacht.

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