Schwitter & Co.: die Gewinner des Schweizer Literaturpreises 2016

Die Schweizer Literaturpreise 2016 gehen an sieben Autorinnen und Autoren aus allen Sprachregionen der Schweiz. Das gab das Bundesamt für Kultur bekannt. Ruth Schweikert, Monique Schwitter und Leta Semadeni sind die deutschsprachigen beziehungsweise rätoromanischsprachigen Gewinnerinnen.

Ein Porträt von Monique Schwitter.

Bildlegende: Monique Schwitter: Preisträgerin des Schweizer Buchpreises 2015 und des Schweizer Literaturpreises 2016. SRF

Sieben Autorinnen und Autoren – drei deutschsprachige beziehungsweise rätoromanischsprachige, zwei französisch- und zwei italienischsprachige – Autorinnen und Autoren erhalten den Schweizer Literaturpreis 2016.


Jurypräsident Dominik Müller im Gespräch

5:56 min, aus Kultur kompakt vom 28.12.2015

Unter den Preisträgern sind Ruth Schweikert («Wie wir älter werden»), Monique Schwitter («Eins im Andern»), Leta Semadeni («Tamangur»), Yves Laplace («Plaine des héros»), Antoinette Rychner («Le Prix»), Giovanni Fontana («Breve pazienza di ritrovarti») und Massimo Gezzi («Il numero dei vivi»).

Sie alle erhalten je 25'000 Franken. Mit Förderungsmassnahmen sollen sie ausserdem auf nationaler, also die Sprachgrenze überschreitender Ebene bekannt gemacht werden, so das Bundesamt für Kultur (BAK). Bundesrat Alain Berset verleiht die Preise am 18. Februar in der Nationalbibliothek in Bern.

Porträt von Ruth Schweikert.

Bildlegende: Es sei dieser Mikrokosmos, der sie am Thema «Familie» interessiert, sagt Ruth Schweikert. SRF

Vielschichtige Familiensaga von Schweikert

Ruth Schweikert erzählt in ihrem Roman «Wie wir älter werden» von den Familien Brunold und Seitz, die durch eine alte Liebe verlinkt sind: Jacques Brunold und Helena Seitz waren früher einmal ein Paar und kommen ein Leben lang nicht voneinander los.

Dieses Dilemma, das krampfhaft verheimlicht wird, beeinflusst nicht nur beide Ehen, sondern hat auch Konsequenzen für die nächste Generationen. Raffiniert wechselt Ruth Schweikert Perspektiven und Zeitebenen und legt, Schicht um Schicht, Geheimnisse und Tabus frei. Gleichzeitig dokumentiert sie, wie sich gesellschaftliche Entwicklungen im Mikrokosmos Familie spiegeln.

Ein Hauch Theaterluft bei Schwitter

Die ehemalige Theaterregisseurin und Schauspielerin Monique Schwitter gewann mit «Eins im Andern» bereits den Schweizer Buchpreis 2015, nun den Schweizer Literaturpreis 2016. In ihrem zweiten Roman schreibt sie überzeugend von der Liebe.

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«Eins im Andern»: Der erste Satz

1:27 min, vom 26.10.2015

Ausgehend vom ersten Freund forscht die Erzählerin nach den Spuren der Beziehungen in ihrem Leben. Die Männer, zwölf sollen es sein, zwölf wie die Zahl der Apostel, treten in einer Art Liebesreigen noch einmal auf. Es ist kunstvoll, wie Schwitter dies macht: Biblische Motive durchziehen den Text, die Verflossenen werden zu Aposteln der Liebe, nach Petrus kommt Andreas, dann Jakob, und so weiter.

Man spürt, dass Schwitter aus der Theaterwelt stammt – sie beherrscht das Spiel von Spannung, Aufbau und Inszenierung. So entsteht das Buch vor den Augen des Lesers, einer nach dem anderen wandelt durch die Geschichte.

Semadeni: Reduziert bis aufs Minimum

Ebenfalls unter den Preisträgern ist die 70-jährige Engadiner Leta Semadeni. Mit ihren deutschen und romanischen Gedichten schon einige Auszeichnungen gewonnen. 2011 erhielt sie den Literaturpreis des Kantons Graubünden und den Preis der Schweizerischen Schillerstiftung. Nun gewinnt sie mit ihrem ersten Roman «Tamangur» den Schweizer Literaturpreis.

Ein Porträt von Leta Semadeni.

Bildlegende: Leta Semadenis «Tamangur» überzeugt durch die Sprache und die Gestaltung. Keystone

Das Buch lebt von prägnanten Sätzen und stilistisch ausgefeilten Kurzszenen. Und von den skurrilen Figuren, die im fiktiven Bündner Bergdorf leben. Da ist die Nachbarin, die es nie so meint, wie es ankommt. Der Kaminfeger, der sich nicht für Frauen interessiert oder der alte Kasimir, der oft zu tief ins Glas schaut.

Zum ersten Mal einen Roman zu schreiben, sei eine Herausforderung gewesen, sagt Semadeni – aber eigentlich nichts Neues. Jedes ihrer Gedichte sei aus einer Erzählung entstanden. Dann habe sie die Geschichten aufs absolute Minimum komprimiert. Mal weniger zu streichen, das sei befreiend gewesen, sagt sie. So hat «Tamangur» zwar weit mehr Zeilen als ein Gedicht, poetisch ist der Roman trotzdem.

Sendung: Radio SRF 3, Nachrichten, 28.12.15, 13 Uhr

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