So fühlt sich das Paradies für einen Sans-Papier an

Delphine Coulin erzählt in ihrem Roman «Samba für Frankreich» die traurige Geschichte von Samba Cissé. Als Sans-Papier lebt und arbeitet der junge Malier schon über zehn Jahre in Paris. Jeden Tag muss er mit einer Abschiebung rechnen. Die Geschichte wurde nun auch verfilmt – mit viel Humor.

Ein schwarzer Manner steht in der U-Bahn. Er scheint verloren.

Bildlegende: Sie leben unter uns. Ihre Geschichte ist uns jedoch oft unbekannt: die Sans-Papiers (Filmszene aus «Samba»). Frenetic Films

«Wenn ich bis hierher gekommen bin, dann werde ich endlich erfahren, warum ich auf der Welt bin», sagt sich Samba Cissé bei seiner Ankunft in Paris. Aber da weiss er noch nicht, dass die gefährliche Flucht weniger hart war als alles, was er in den folgenden Jahren im vermeintlichen Paradies erleben sollte.

Die Ernüchterung

Samba Cissé flieht mit 19 Jahren aus dem vom Bürgerkrieg zerrütteten Mali, um in Europa sein Glück zu versuchen. In Paris lebt er mit seinem Onkel in einer überteuerten, feuchten Kellerwohnung. Sein Geld verdient er mit schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs. Steuern und Sozialabgaben zahlt er wie alle anderen.

Nach zehn Jahren Aufenthalt in Frankreich soll Samba endlich die Papiere erhalten, die ihn zum legalen Einwanderer machen. Aber irgendetwas läuft schief. Er wird verhaftet und landet im Gefängnis.

Leben mit verschiedenen Identitäten

Zwei Frauen vom Flüchtlingshilfswerk holen den jungen Afrikaner aus dem Gefängnis – mit der Auflage, dass er Frankreich per sofort verlassen muss. Samba bleibt. Er kann nicht aufgeben, weil er seinen Lieben zuhause versichert hat, dass es ihm gut geht und weil er für sie die Verantwortung trägt.

Samba wird definitiv zum «Illegalen», zum Sans-Papier. Aus Angst vor einer Abschiebung lebt er fortan mit falschen Papieren. Auch seinen Namen, den er immer mit Stolz getragen hat, muss er ablegen.

Fiktional und doch dokumentarisch

Delphine Coulin schildert in ihrem Roman «Samba für Frankreich» ein gesellschaftliches Problem, das nicht nur in Frankreich immer grösser wird. Hundertausende leben illegal bei uns in Europa. Und wir sind auf sie angewiesen. Sie putzen unsere Toiletten, bauen unsere Häuser oder pflegen unsere Eltern. Aber sie haben keine Rechte.

Als Sans-Papiers leben sie mitten unter uns, doch kaum jemand kennt ihre Geschichten und ihre Nöte. Delphine Coulin gibt ihnen ein Gesicht. Drei Jahre lang hat die Autorin ehrenamtlich bei einer Organisation gearbeitet, die Einwanderer berät und ihnen hilft. Der Roman sei Fiktion, aber gleichzeitig sehr dokumentarisch, sagt sie in einem Interview.

Ein bisschen Liebe und Humor für's Kino

Ein schwarze Manner hält eine Frau an den Armen. Es ist eine innige Situation.

Bildlegende: Alice (Charlotte Gainsbourg) leistet Freiwilligenarbeit. Dabei verliebt sie sich in Samba (Omar Sy). Frenetic Films

Im Kino wird Samba von «Intouchables»-Star Omar Sy gespielt. Das Buch von Delphine Coulin bildet das Fundament, aber die Filmemacher reicherten den Stoff mit einer zusätzlichen Liebesgeschichte und einigen lustigen Szenen an.

So verliebt sich eine Kaderfrau mit Burnout in den attraktiven Einwanderer. Oder man sieht Samba als Nachtwächter in einem Shoppingcenter mit einer Schaufensterpuppe tanzen.

Samba berührt im Film ebenso wie im Roman. Er erklärt, warum so viele Menschen aus Afrika zu uns kommen. Und nicht wieder zurück können. Und am Ende wissen wir vielleicht auch ein bisschen mehr über die fremden Menschen, die uns auf der Strasse oder im Tram begegnen.

Buchhinweis

Delphine Coulin: «Samba für Frankreich», Aufbau Verlag, 2014.

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