Späte Ehre für Guntram Vesper an der Leipziger Buchmesse

Der 75-jährige Guntram Vesper wird für sein «opus magnum» mit dem «Preis der Leipziger Buchmesse» ausgezeichnet. Die Jury lobt das Gesamtwerk genauso wie die Ebene der Details: Lange, lebendige Sätze, ganz nah an der Mündlichkeit.

Mann mit grüner Jacke.

Bildlegende: Preisträger des Leipziger Buchpreises ist Guntram Vesper mit «Frohburg». Getty Images

Seit dem 17. März sind sie offen, die Tore der Leipziger Buchmesse. Nun ist dort einer der renommiertesten Buchpreise des deutschsprachigen Raums verliehen worden – der mit 15'000 Euro dotierte «Preis der Leipziger Buchmesse». Preisträger dieses Jahr ist Guntram Vesper mit seinem Roman «Frohburg».

Die Wahl Vespers ist überraschend, ebenso wie sein Erscheinen auf der Shortlist. Unter den fünf Nominierten waren in diesem Jahr keine grossen Namen, sondern eher «Geheimtipp-Autoren» – kein Abbas Khider, keine Thea Dorn, keine Juli Zeh und keine Karen Duve.

Auch kein Schweizer, obwohl die Schweizer gerade in diesem Frühling auffallend stark vertreten sind: zum Beispiel Charles Lewinsky, Catalin Dorian Florescu oder Peter Stamm. Typisch für den Leipziger Buchpreis: Der Fokus liegt auf neue Entdeckungen für die potentielle Leserschaft. Beworben für den Preis hatten sich insgesamt 113 Verlage mit über 400 Werken.

Späte Anerkennung

Für Vesper bedeutet der Preis Geld, aber vor allem Prestige. Der «Preis der Leipziger Buchmesse» ist einer der bedeutendsten Preise im deutschen Sprachraum. Vesper wird mit dem Preis endlich als Romanautor in der breiten Öffentlichkeit ernst genommen und gewürdigt. Für ihn persönlich ist es vielleicht sogar eine Art später Triumph.

In der Laudatio rühmt die Jury nicht nur das «opus magnum» des 75-Jährigen, sondern fordert die Leserinnen auf, nicht nur den grossen Bau zu sehen, sondern auch die Ebene der einzelnen Sätze. Sie seien so nah dran an der Mündlichkeit, dass man ihm sofort glaube, dass die Erzählung wahr sei.

Gesellschaftsporträt der untergegangenen DDR

Guntram Vesper kommt aus Frohburg, das ist eine kleine Stadt südlich von Leipzig. In seiner Jugend floh Vesper mit seiner Familie in den Westen, über Berlin nach Hessen. Er wandte sich früh dem Schreiben zu, verfasste neben Prosatexten auch Lyrik und Hörspiele fürs Radio, nahm bei einem Treffen der berühmten «Gruppe 47» teil. Seine Texte waren schon früh autobiografisch geprägt: sein Heimatdorf, die Flucht in den Westen, die Teilung Deutschlands prägen sein Werk. Heimat und Fremde sind Motive, die seine Arbeiten auszeichnen.

Für seinen Roman hat Vesper quasi sein Leben seit seiner frühen Schulzeit gesammelt und daraus einen 1000-Seiten-Wälzer zusammengestellt, der weit über das Persönliche hinausgeht. Vesper zeichnet ein Gesellschaftsporträt der untergegangenen DDR. Dabei kommen sowohl politische, als auch literarische Stimmen zu Wort.

Zwei weitere Preise

Der Preis in der Sparte «Übersetzung» geht an Brigitte Döbert. Sie wird für ihre Übertragung des Buches «Die Tutoren» von Bora Ćosić aus dem Serbischen ausgezeichnet, wie die Jury mitteilte. Der Preis in der Sparte «Sachbuch und Essayistik» geht an Jürgen Goldstein für «Georg Forster. Zwischen Freiheit und Naturgewalt».

Sendung: 17.3.2016, SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 17:45 Uhr.

Buchhinweis

Guntram Vesper: «Frohburg», Schöffling & Co., 2015.

Zur Person

Guntram Vesper wurde 1941 in Frohburg geboren. Mit zweiundzwanzig Jahren brachte Vesper seinen ersten Gedichtband heraus. Er verfasste Gedichte, Erzählungen und Hörspiele und wurde schon vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Peter-Huchel-Preis. Vesper lebt als freier Autor in Göttingen.

Zur Leipziger Buchmesse

Die Leipziger Buchmesse findet vom 17. bis zum 20. März statt. Mehr Informationen zum Programm finden Sie hier.