Visionär Jules Verne und die moderne Filmtechnik

Im Buch «20‘000 Meilen unter den Meeren» spielt Jules Verne mit Wissenschaft und Fantasie. Ein Spiel, das nicht zuletzt die Geschichte des Films vorangebracht hat. Auch als Hörspiel eignet sich der Stoff: Da weht der Wind, da rauscht das Meer und die Seekühe singen. Zu hören auf Radio SRF 2 Kultur.

Eine aussergewöhnliche Reise ist es, zu der Jules Verne den Leser mit «20‘000 Meilen unter den Meeren» einlädt. Die Geschichte erschien 1870 in der Reihe «Voyages extraordinaires». Es ist eine Fahrt mit einem U-Boot – etwas, das man wohl nur einmal im Leben macht – mit der Nautilus und Kapitän Nemo.

Die Faszination einer U-Bootfahrt ist auch heute noch gross: Denn die Tiefen der Meere sind nach wie vor unerschlossen. Wir sind fasziniert von Photographien und Filmaufnahmen der Unterwasserlandschaften, von den bizarren, leuchtenden Kreaturen. Anstatt unsere Neugier zu befriedigen, kitzeln sie unsere Fantasie erst recht. Und genau hier setzt «20000 Meilen unter den Meeren» an.

Tief unten, auf der Höhe der Zeit

Jules Verne spielt auf zwei Klaviaturen, er dokumentiert und fantasiert. Er gibt wieder, was die Wissenschaft damals über die Meere wusste, über Haie, Seekühe und Meeresschildkröten. Auch die Technik der Nautilus war zeitgenössisch, zumindest in Ansätzen: Bereits anfang der 1860er-Jahre gab es erste U-Boote, die nicht mehr mit Muskelkraft angetrieben wurden.

Davon ausgehend erfindet Jules Verne immer fantastischere Episoden. Da werden gigantische Perlen gefunden, gross wie Strausseneier. Da gibt es Kämpfe mit Riesenkalmaren. Schliesslich entdecken Kapitän Nemo und seine Crew den Südpol.

Stoff, der die Filmwelt beflügelt

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Der Visionär Jules Verne

2:04 min, aus Tagesschau vom 24.3.2005

Das Zeigen dieser fantastischen Tiefseewelt, die dem menschlichen Auge unzugänglich bleibt, hat das Kino angespornt. Beide Seiten des Kinos wurden angesprochen: Das Dokumentarische, das die Realität einfangen will, wie schon bei den Brüdern Lumière. Und die Zauberei, die Tricks, das Darstellen des Unmöglichen.

So ist es kein Zufall, dass Lichtspielpionier George Méliès «20000 Meilen unter den Meeren» als Erster verfilmte. Mit einem aufwendig gestalteten Szenenbild, gemalten Fischen und Krabben, einem Ballet, aber auch filmischen Techniken wie der Überblendung macht er die Wasserwelt lebendig.

Riesenkalmar als Meilenstein in der Tricktechnik

Keine zehn Jahre später brachte der Brite Stuart Paton «20'000 Meilen unter den Meeren» erneut auf die Leinwand. Sein Film macht sich das Dokumentarische zu Nutze: Es wurde eigens eine Unterwasserkamera entwickelt – die Unterwasseraufnahmen zählen zu den ersten überhaupt in der Filmgeschichte.

1954 dann produzierte Disney eine Verfilmung mit Kirk Douglas als Waljäger Ned Land. Bekannt wurde sie für die Tricktechnik, besonders der Riesenkalmar gilt als Meilenstein der Animatronic-Figuren, die elektronisch oder mechanisch bewegt werden, für Vergnügungsparks und Filme. Die Kampfszene mit dem Kalmar kostete über eine Million Dollar und brachte dem Film einen Oscar für das beste Szenenbild.

Zurück in die Zukunft

«20'000 Meilen unter den Meeren» ist geprägt von einer Technikbegeisterung, vom Fortschrittsglauben des 19. Jahrhunderts. Seine Verfilmungen haben zum Fortschritt der Filmtechniken im 20. Jahrhundert beigetragen.

Es wird auch im 21. Jahrhundert neue Filme geben, mit Kapitän Nemo und seiner Nautilus. Mit Computer-Animationen, in 3D, und was da noch kommen mag. Denn eine Fahrt mit einem U-Boot macht man nur einmal im Leben. Immer – und immer wieder.

Jules Verne

Jules Verne wurde am 8. Februar 1828 in Nantes geboren, wo er auch aufwuchs. Er studierte Jura in Paris, interessierte sich aber mehr fürs Theater: In Gemeinschaftsarbeit mit Alexandre Dumas schrieb er Opern, Libretti und Dramen. 1863 begann er mit der Niederschrift seiner Abenteuer- und Zukunftsromane. Jules Verne starb am 24. März 1905 in Amiens.

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