Zum Inhalt springen

Roman von 1935 Vor 80 Jahren erfand ein Schriftsteller bereits einen Trump

«Das ist bei uns nicht möglich» von Sinclair Lewis ist weniger eine literarische, als eine politische Lektüre.

Runder Ausschnitt eines Negativ-Bildes: Donald Trump steht vor einem Mikrofon.
Legende: Blick durch die Kamera auf Trump 2011: Da wurde noch gewerweisst, ob er überhaupt für die Republikaner kandidieren wird. Reuters

«Er reiste unermüdlich herum und erwies sich bald als ein ungestümer Redner mit sicherem Instinkt, für das, was der einfache Mann aus dem Volk zu hören liebte. Er war ein herzhafter Händeschüttler. Er war überzeugt davon, dass eines Tages Amerika in enge Wirtschaftsbeziehungen mit Russland treten würde.»

Wenn man diese Zeilen liest, kann man nur erstaunt den Kopf schütteln. So beschreibt Sinclair Lewis in seinem Roman von 1935 «Das ist bei uns nicht möglich» den amerikanischen Präsidenten Buzz Windrip. Er könnte aber genauso gut Donald Trump heissen.

Wie die Demokratie zerstört wird

Lewis erzählt in «Das ist bei uns nicht möglich» vom Journalisten Jessup. Der arbeitet bei einer kleinen, ländlichen Zeitung und beobachtet den Aufstieg Windrips vom Senator zum amerikanischen Präsidenten.

Er beobachtet, wie Windrip im Präsidentschaftswahlkampf den Favoriten Roosevelt schlägt und völlig überraschend gewählt wird. Er beobachtet, wie Windrip, kaum im Weissen Haus, eigenmächtig regiert.

Als erstes entmachtet der neue Präsident den Kongress. Jessup muss hilflos zusehen, wie die Demokratie von Windrips Machenschaften beeinträchtigt und schliesslich zerstört wird.

Er liebt das Bad in der Menge

Die Parallelen zu der heutigen Situation in den USA liegen weniger in der Handlung als in der Ähnlichkeit zum Präsidenten. Nicht nur, wie oben beschrieben, in den äusseren Eigenschaften, sondern auch im Verhalten.

Windrip will seinen Anhängern – vorwiegend Weisse – zu Wohlstand und Ansehen verhelfen. Auch Windrip badet gern in der Menge und sagt, die Presse verbreite vor allem Lügen.

Er regiert, ohne sich gross darum zu scheren, was um ihn herum geschieht. Nach seinen Reden weiss er oft selbst nicht, ob er nun für oder gegen etwas ist.

Anlass war Hitler

Man fragt sich, wie Lewis so weit vorausblicken konnte. Natürlich war der Anlass für seinen Roman ein ganz anderer. 1935 war Hitler an der Macht, und Lewis befürchtete, dass so etwas auch in den USA geschehen könnte.

Der Titel «Das ist bei uns nicht möglich» bezieht sich also auf den Faschismus. Ganz am Anfang des Romans sagt das jemand – und wird dann eines Besseren belehrt.

Scharf beobachtet

Trotz seiner erstaunlichen Aktualität kann man «Das ist bei uns nicht möglich» nur bedingt zur Lektüre empfehlen. Die literarische Qualität ist nicht überragend, die Sprache antiquiert und stellenweise sehr schwülstig.

Was diesen Roman auszeichnet, sind die Figurenporträts – zum Teil sehr witzig oder gar zynisch – und die scharfe Beobachtung der politischen und gesellschaftlichen Ereignisse.

Keine literarische, aber politische Lektüre

In seinem Nachwort zum Roman bringt es der Schriftsteller Jan Brandt auf den Punkt. Er sagt: «Das Thema des Buches ist weniger Machtmissbrauch als vielmehr die Krise des Liberalismus, die Hilflosigkeit des Bürgertums angesichts einer immer aggressiver auftretenden allgemeinen Idiotie der Massen.»

«Das ist bei uns nicht möglich» ist ein Plädyoer für fundierten, seriösen Journalismus und dafür, dass sich Bürgerinnen und Bürger informieren, statt sich von ein paar salbungsvollen Worten einlullen zu lassen. Also weniger literarische, als vielmehr politische Lektüre.

Sendung: Radio SRF 1, 21. März 2017, 8.50 Uhr

Buchhinweis

Sinclair Lewis: «Das ist bei uns nicht möglich», Aufbauverlag 2017.

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Teilen Sie Ihre Meinung... anwählen um einen Kommentar zu schreiben

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

Bitte beachten Sie unsere Netiquette verfügbar sind noch 500 Zeichen

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Diejenigen, die Trump als Killer der Demokratie verschimpfen, merken anscheinend nicht, dass sie selber die Demokratie mit Füssen treten, indem sie den vom Volk gewählten Republikaner mit aller Gewalt verhindern und ihn weghaben wollen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Roger Stahn (jazz)
    2/2 Eine solche Politik fördert den Untergang des Mittelstandes & das Zweiklassensystem, so wie es z.B. in Mittelamerika geschehen ist, wo ganze Mittelschichten verschwunden sind und das nicht erst unter Präsident Trump. Die "allgemeine Idiotie der Massen" ist die Sicht der Machthaber und nicht die Sicht vom Rest des Mittelstandes. Man könnte also genauso sagen, die allgemeine Idiotie der Eliten, führten zum Widerstand der Mittelschicht, die nun Donald Trump gewählt hat, um Gegensteuer zu geben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Thomas Mann (Freidenkerin)
      Der sog. Mittelstand in der Schweiz schwindet aber nicht, sondern wächst. Trotz oder wegen all den unfähigen PolitikerInnen und de LügenpressInnen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Roger Stahn (jazz)
      Stimmt nicht Herr Mann. Die Schere zwischen Reich und Arm in der Schweiz ist grösser als bisher angenommen. Zu diesem Schluss kommt die Studie der Berner Fachhochschule für soziale Arbeit und der Universität Bern. «Das Ausmass der wirtschaftlichen Ungleichheit ist rund zehn Prozent höher als in der offiziellen Statistik ausgewiesen», sagt Studienautor Oliver Hümbelin. Die wachsende Differenz zwischen Arm und Reich verlangsamt nach Ansicht der OECD in vielen Ländern das Wirtschaftswachstum.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Roger Stahn (jazz)
    1/2 Es ist doch eher so, dass der gesunde Mittelstand vor Jahrzehnten sich von ein paar salbungsvollen Worten hat einlullen lassen (z.B. vor der Wahl: Mit uns wird es keine Steuererhöhung geben. Als sie gewählt waren: wir kommen um die Steuererhöhung nicht rum usf.) seither der Mittelstand stetig schwindet. Die Verantwortung dafür tragen unfähige Politiker, die sich der Ideologie Globalisierung ergeben haben und in internationalen Machtzirkeln dieselben Ziele verfolgen, die ihnen selbst dienen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten