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20. Todestag von Falco Der Popnarziss mit der nachdenklichen Seite

Vor 20 Jahren starb Hansi Hölzel alias Falco.Der Wiener Popnarziss stand für den Sound der 1980er-Jahre: hedonistisch, manieriert, exaltiert. Er hatte aber auch eine verletzliche Seite.

Legende: Video Falco: zum 20. Todestag abspielen. Laufzeit 1:43 Minuten.
Vom 06.02.2018.

«In Wien musst du erst sterben, dass sie dich hochleben lassen. Aber dann lebst’ lang.» Falco hat die Sache mit dem Nachruhm realistisch eingeschätzt. Wien präsentiert sich heute nicht nur mit einer «Falcogasse», sondern auch mit einer «Falcostiege», deren Strassenschild übrigens das mit Abstand meist gestohlene der österreichischen Hauptstadt ist.

Andererseits: Dass Falco in seiner Vaterstadt zu Lebzeiten nicht angemessen gewürdigt worden wäre, kann man auch nicht behaupten. Schliesslich war der Pop-Narziss mit dem penibel gegelten Haar der einzige Rockmusiker des deutschen Sprachraums, der es je an die Spitze der US-amerikanischen Charts geschafft hat. So einer wird anerkannt – auch zu Lebzeiten.

Zum 20. Todestag von Falco

Porträt Falco
Legende:Reuters

Von Hansi Hölzel zu Falco

Was prädestinierte Falco zum Weltstar? Auf gut Wienerisch gesagt: Chuzpe, Charme und Schmäh haben sicher einiges dazu beigetragen, dass es der Kleinbürgerspross aus dem Stadtteil Margareten ganz nach oben schaffte. Johann «Hansi» Hölzel, wie der Pop-Gott aus der Vorstadt mit bürgerlichem Namen hiess, wählte sein Pseudonym als Hommage an den DDR-Skiflugweltrekordhalter Falko Weisspflog.

Musikalisch schuf Falco – im Gegensatz zu Weisspflog schrieb sich der Wiener mit «c» – den paradigmatischen Sound der 1980er-Jahre: hedonistisch, kunstvoll manieriert, voll exaltierter Grandezza. Falco, das war – zumindest im deutschen Sprachraum – der Sound der Yuppie-Ära.

Adrett und schnieke

Von den zottelhaarigen Protestrockern der Vorgänger-Generation hob sich Falco früh ab – durch einen adretten Kurzhaarschnitt und das Tragen schnieker Designeranzüge. Künstlerisch setzte Falco auf eine kühne Synthese aus Hip-Hop, Funk, New Wave und frühem Dancefloor-Sound. 1982 landete er seinen ersten Welthit: «Der Kommissar». Eine biografische Herausforderung.

«Mit 25 steht ein junger Musiker, wie Falco es war, unter enormem Druck, wenn er einen Erfolg dieser Grössenordnung feiert», meint der österreichische Filmemacher Thomas Roth, der Falcos Leben 2007 in einer aufwändigen Filmbiografie verfilmt hat:

«Plötzlich bist du Dollarmillionär, du hast Geld wie Heu, du wirst überall erkannt, die Frauen reissen sich um dich, aber das alles hilft dir nichts: Am Ende des Tages bleibt ein weisses Blatt Papier. Und auf dieses Blatt sollst du den nächsten Welthit schreiben. Und wenn du das nicht schaffst, bist du ein One-Hit-Wonder und sonst nichts.»

Falco im Schwarz-Weiss-Porträt.
Legende: Falco war bekannt für Charme und Schmäh – er hatte aber auch eine nachdenkliche Seite. Keystone

Ein komplexbeladener Kleinbürger

Falcos Leben vollzog sich auf einer abschüssigen Bahn. Am Ende dieses Lebens – mit 41 – war er ausgepowert, leer, am Ende. Davon ist auch die Wiener Society-Journalistin Angelika Hager überzeugt: «Hinter der Fassade des grossspurigen Geniedarstellers steckte nicht nur ein suchtkranker und hochgradig verletzlicher Mensch», resümiert Angelika Hager, «sondern auch ein durch seine Herkunft komplexbeladener Kleinbürger, der zeitlebens verzweifelt um die Anerkennung der Intellektuellen, Literaten und bildenden Künstler rang.»

Zu seinen Glanzzeiten durfte Falco mit dieser Anerkennung rechnen. Später, als es mit seiner Karriere bergab ging, nicht mehr so ganz. Vor 20 Jahren starb Falco bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik.

Vermarktungs-Maschinerie auf Hochtouren

Heute ist Falcos Nachruhm ungebrochen. Viele Falco-Songs sind Klassiker, Sony brachte zu seinem 60. Geburtstag 2017 ein Album mit dem Titel «Falco 60» heraus. Und natürlich gibt es auch ein Falco-Musical – eine bunt gemischte Gedächtnistruppe geht damit auf Tournee. Die übliche Mythenvermarktungs-Maschinerie.

Sonst aber kann man nicht behaupten, dass Falco die popkulturelle Gegenwart in nennenswerter Weise prägt. Der unverwechselbare Falco-Sound: Er bleibt den schwülen, grellen, hysterisierten Achtzigern verpflichtet. Ein Jahrzehnt, dem der Wiener musikalisch seinen Stempel aufgedrückt hat wie wenige andere.

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