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50. Todestag Janis Joplin
Aus Kultur-Aktualität vom 05.10.2020.
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50. Todestag von Janis Joplin Sie sagte Lebewohl mit einem Kichern und «that's it»

Sie war ein Rock-Idol, Legende der Hippie-Bewegung, Stilikone, feministische Leitfigur und Blues-Mama. Mit einer Stimme wie ein Orkan.

Stotternd, krächzend, stöhnend und schreiend ging Janis Joplin völlig in ihrer Musik auf. Mit ihrer leidenschaftlichen Stimme und ihren ekstatischen Bühnenauftritten revolutionierte sie die Musikszene der 1960er-Jahre, sagt die Musikhistorikerin Holly George-Warren, die sich intensiv mit der Sängerin auseinandergesetzt hat:

«Die Art und Weise wie Janis Joplin ein Lied zum Leben erweckt, wie ihre Gefühle in ihrem Gesang zum Tragen kommen und die unglaubliche Verbindung, die sie mit ihrem Publikum aufbauen konnte – das gab es vorher nicht im Rock’n’Roll.»

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Vom Blues-Fan zum ersten weiblichen Rockstar

Doch bis dahin ist es ein steiniger Weg. Janis Joplin wächst in den 1940er-Jahren im spiessigen Port Arthur, Texas, auf und fühlt sich dort von Anfang an fehl am Platz.

Joplin ist unbeliebt bei ihren SchulkameradInnen, kämpft mit ihrer pummeligen Figur, ihrer Akne und ihrem ungezähmten Haar. Aber die Musik gibt ihr Halt. Zuerst singt Joplin im Kirchenchor, dann entdeckt sie den Blues. Mit 18 beschliesst sie Sängerin zu werden – allen Widrigkeiten zum Trotz.

Ihrer Zeit voraus

«Vieles, was Janis Joplin tat, war damals ungewöhnlich für eine Frau. Sie war ihrer Zeit voraus», betont George-Warren. Während in den 1960ern keine andere Frau ihre Aufnahmen selbst produziert und Männer die Bühnen domminieren, trifft Jans Joplin im Studio alle Entscheidungen und zeigt auf der Bühne vollen Körpereinsatz.

«Janis schwitzte, ihr Haar war ein wildes Durcheinander und wenn sie dann doch mal Make-up trug, war es total verschmiert», sagt Holly George Warren. «Sie kreierte ihren eigenen Look und versuchte nicht dem Schönheitsideal der damaligen Zeit zu entsprechen.»

Ruhm und Einsamkeit

1966 schliesst sich Janis Joplin in der Hippie-Metropole San Francisco der Bluesrockband «Big Brother & The Holding Company» an. Nur ein Jahr später feiert sie am International Monterey Pop Festival ihren Durchbruch, 1969 wird sie durch ihren Auftritt am Woodstock Festival international bekannt.

Janis Joplin scheint endlich die Anerkennung zu erhalten, nach der sie sich immer gesehnt hatte: «Sie brachte das Publikum dazu, die Bühne zu stürmen und mit ihr zu tanzen, während sie sang. Sie liebte das», sagt Holly George-Warren.

Aber trotz ihres Erfolgs, bleibt Janis Joplin einsam. «Auf der Bühne mache ich mit 25'000 Leuten Liebe und dann gehe ich allein nach Hause», sagt die Sängerin einmal. Sie ist zwar eine fröhliche und lustige junge Frau, gleichzeitig leidet sie unter Ängsten, mit denen sie nur schwer umgehen kann – sie trinkt viel, konsumiert Drogen.

Ein schrecklicher Unfall

Am 4. Oktober 1970 stirbt Janis Joplin mit nur 27 Jahren an einer Überdosis Heroin. Ein schrecklicher Unfall, sagt Holly George-Warren: «Manche Menschen haben nichts zu verlieren, ausser ihre Freiheit. Und ich denke, das gilt auch für Janis. Sie hat leider einen Fehler gemacht. Sie hatte keine Angst, gefährliche Drogen auszuprobieren und das brachte sie um. Aber gleichzeitig war ihr Streben nach Freiheit unser Gewinn. Denn sie hat uns ihre unglaubliche Musik geschenkt.»

Noch am Tag vor ihrem Tod ist Janis Joplin im Studio und singt unter anderem «Mercedes Benz» ein. Im Nachhinein scheint es, als würde sie der Welt mit diesem Song auf gewisse Weise Lebewohl sagen wollen. Denn «Mercedes Benz» endet mit einem gesprochenen «That's it» und einem fröhlichen, rotzigen Kichern der Sängerin.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 5.10.2020, 17.10 Uhr

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Beni Berner  (Beni)
    ich werde wohl nie begreifen, wieso drogenabhängige, ekstatische und völlig realitätsfremde personen und gestrandete persönlichkeiten zu vorbildern und idolen hochstilisiert werden. schlimmer noch, wenn sie es kaum ins erwachsenenleben schaffen :-(
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