Art Blakey war weit mehr als ein lebendiges Metronom

Art Blakey trug in den 1940er-Jahren dazu bei, dass sich der Jazzschlagzeuger vom hinter der Band sitzenden «Timekeeper» zum eigenständigen Musiker entwickelte. Er war es, der seine Kollegen lenkte. Bis heute ist sein peitschendes Schlagzeugspiel legendär.

Art Blakey in weissem Hemd hinter dem Schalgzeug, lachend.

Bildlegende: Ein viriles, aber auch sehr verspieltes Spiel: Art Blakey in Amsterdam, Oktober 1986. Getty Images

Die meisten Fotos, die man von Art Blakey kennt, zeigen einen Mann mit sehr dunkler Hautfarbe und weissen Zähnen in einem offenen Mund. Und er lacht! Man spürt, dass da einer sitzt, der mit seiner Energie das musikalische Geschehen lenken will. Einer, dessen schiere «Power» den Solisten am Bühnenrand anstachelt, ihn zu improvisatorischen Höchstleistungen treibt und der Musik überhaupt Schub gibt.

Eine Testosteron-Bombe, aber nie brachial

Art Blakeys Jazz wurde oft als ein wenig zu sehr testosteron-gesteuert empfunden, als virile Musik, die einen gewissen musikalischen Machismo nicht verleugnen kann. Das ist sicher nicht falsch. Schon um der Kraft und Lautstärke des Chefs hinter den Trommeln etwas entgegenzusetzen, sind ganze Kerle gefragt. Trotzdem aber war Art Blakeys Hardbop nie brachial. Dazu ist er zu raffiniert, zu vielschichtig, zu verspielt.

Viele Grosse haben bei ihm ihre Sporen abverdient

Video «Art Blakey und die «New Jazz Messengers» im Kursaal Bern, 1989.» abspielen

Art Blakey und die «New Jazz Messengers» im Kursaal Bern, 1989.

69 min, vom 17.10.2014

Art Blakey gründete seine «Jazz Messengers», seine Jazz-Botschafter, Anfang der 1950er-Jahre. Eigentlich war es zu Beginn gar nicht seine Band, die diesen Namen trug. Er war als Schlagzeuger vom Pianisten Horace Silver engagiert worden und konnte nach der Auflösung des Trios den Namen erben.

Die «Jazz Messengers» wurden sehr schnell zu einer der wichtigsten Bands, in der junge Musiker ihre Sporen abverdienen konnten. «Payin‘ the dues» heisst das im Jazz. Damals war Blakey einer, bei dem man in den Beruf des Musikers hineinwachsen konnte. Und tatsächlich sind es eine ganze Reihe von Spitzenmusikern, die bei den Jazz Messengers zwar nicht gerade die Lehre, aber doch die Gesellenjahre absolvierten: Die Trompeter Lee Morgan, Freddie Hubbard, Randy Brecker und Wynton Marsalis, die Saxophonisten Wayne Shorter, Billy Harper und Bobby Watson, der Pianist Keith Jarrett – sie alle waren in ihren jungen Jahren Teil von Art Blakeys Jazz Messengers.

Einstieg als Musiker erst im zweiten Anlauf

Art Blakey selber war kein Frühzünder wie die meisten dieser Musiker. Er hatte zwar immer Lust, Musik zu machen. Er wusste aber nicht so recht, welches Instrument er wählen sollte. Ein erster Versuch mit dem Klavier scheiterte ziemlich kläglich. Um das Geld für seine Familie zu verdienen (er heiratete schon als Teenager), soll er in Fabriken und Bergwerken geschuftet haben. Nebenbei begann er wie ein Verrückter Schlagzeug zu üben. Im zweiten Anlauf schaffte er den Einstieg ins Musikerleben. Und ja, etwas vom Bergwerksarbeiter blieb durchaus hängen.

Bald wurde er engagiert, erst von mittelmässigen Amateurbands, zunehmend aber von besseren Musikern. Im Alter von 25 sass er in der Big Band des Sängers Billy Eckstine. Diese Band war ein Durchlauferhitzer für neue Talente, schon Charlie Parker und Miles Davis hatten dort gespielt.

Eine Marke, die zum Begriff wurde

Runde 30 Jahre lang leitete Art Blakey seine Band. Er spielte zwar «nur» Schlagzeug, weder komponierte noch arrangierte er. Trotzdem schaffte er es mit den Jazz Messengers eine Marke zu schaffen, die zum Begriff wurde weit über die Jazzwelt hinaus. Und auch heute, 24 Jahre nach seinem Tod, packen einen seine Aufnahmen – und hier vor allem auch sein peitschendes Schlagzeugspiel – immer noch wie früher.

Sendung zu diesem Artikel