Kunstform: Playlist Aus dem Nähkästchen des Profis: Die perfekte Playlist

Hinter jeder Playlist stecken viel Arbeit und die Fragen: Was passt? In welcher Reihenfolge? Wo fange ich an?

Eine Frau hält eine LP in der Hand und hat den Mund zum Zubeissen geöffnet.

Bildlegende: Musik zum Anbeissen: So stellt der Fachmann eine Playlist zusammen. stocksy/Thais Ramos Varela

Musik ist Geschmackssache und über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Darum wird einem die eigene Playlist wahrscheinlich immer am besten gefallen.

Damit eine Playlist aber auch andere Menschen anspricht, sind Abwechslung, Dramaturgie und eine optimale Mischung aus vertrauten Songs und Neuentdeckungen wichtig.

Musikredaktor Roman Hosek hat eine Playlist zusammengestellt und beschreibt, was seine Überlegungen waren, diese Musik in dieser Reihenfolge zu platzieren.

1. Ein Ohrenöffner mit eingängiger Melodie und flottem Takt

Das erste Stück einer Playlist, auch Opener genannt, muss dem Hörer die Ohren öffnen und ihn hineinziehen. Dabei helfen ein rhythmischer Drive und eine eingängige Melodie. Gleichzeitig darf das erste Stück aber nicht zu heftig sein, damit man nicht gleich erdrückt wird.

Der Opener darf durchaus ein Klassiker oder sonst ein bekannter Hit sein – muss aber nicht. Die Ohren sind ja noch frisch für Neues.

2. Der Wechsel: neue Stimme und Klänge

Als nächstes dürfte es eine Frauenstimme sein, denn ein Wechsel zwischen Männer und Frauenstimme macht sich gut. Zudem sollen neue Instrumente her.

Nach der dominanten Gitarre im letzten Stück, klingen Blasinstrumente erfrischend. Nach dem beschwingten Groove darf der Beat ruhig etwas schwerer werden. Das Tüpfelchen auf dem i ist, wenn die Tonhöhe der beiden Stück gleich ist, wie bei diesem Übergang.

Viele Leute kennen dieses Stück, aber nicht alle. Die einzigartige Stimme von Amy Winehouse holt ziemlich sicher jede und jeden ins Boot.

3. Bekanntes neu entdecken

Hits und bekannte Künstler sind ein Muss in einer guten Playlist. Aber es müssen nicht immer gleich die offensichtlichsten Stücke sein.

Gerade bei einem Künstler wie Bob Marley, der so viele gute Stücke geschrieben hat, ist die Auswahl gross.

Ein Reggae-Rhythmus ist zwar ein gängiger Viervierteltakt, aber die Betonungen sind im Reggae derart anders, dass sich der Rhythmus neu anfühlt.

4. Etwas mehr Tempo – Mitsingen erlaubt

Über die letzten drei Stücke ist das Tempo ständig gesunken. Zeit also für ein schnelleres Stück.

Wir sind vom US-Blues und Soul musikalisch in der Karibik gelandet. Jetzt könnte man geografisch weiter nach Süden gehen und ein südamerikanisches Stück suchen.

Zudem kam in dieser Playlist bis jetzt noch kein Stück vor, bei dem man so richtig mitsingen konnte. Sergio Mendes ist zwar nicht allen ein Begriff, trotzdem haben die meisten Leute diese Melodie schon mal gehört.

5. Weniger ist mehr: dieses Kontrastprogramm entspannt

Nach viel musikalischer Abwechslung und Stücken mit einer klaren Struktur (Strophen und Refrains), darf es zum Schluss ruhig etwas Monotoneres und Repetitives sein. Das wirkt entspannend.

Zudem kommen im Stück von Ali Farka Touré kein Gesang und allgemein weniger Instrumente vor. Dadurch wirkt die Musik weniger dicht. Das rundet die Playlist wunderbar ab.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 16. März, 8.20 Uhr