Bass is beautiful – zwei neue Blasinstrumente machen Karriere

Spielt es in den tiefsten Tiefen, dann tönt es wie ein Helikopter: das neue Kontrafagott namens Kontraforte. Es kann aber auch zart und leise sein – und ist wie sein Geschwister, das Lupophon, eine Augen- und Ohrenweide.

Ausschnitt aus einer Abbildung eines Kontrafortes: Das Instrument ist aus dunklem Holz gefertigt.

Bildlegende: Ein mächtiger Bass: Das Kontraforte. ZVG, Benedikt Eppelsheim

Die Holzbläsergruppe in einem Sinfonieorchester? Das sind Flöten und Klarinetten, Oboen und Fagotte. Da der Komponist hier und da auch tiefe Töne vorsieht, gibt es zudem Bassflöten und Bassklarinetten, Bariton-,  bzw. Bassoboen und Kontrafagotte. Und wenn die Komponistin oder der Komponist noch tiefer hinab will, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Musiker oktavieren die tiefsten Töne, spielen also eine Oktave höher, oder sie haben Glück und treffen auf Klangtüftler wie Guntram Wolf oder Benedikt Eppelsheim.

Kein Schnarren oder Quäken mehr

Abbildung eines Lupophons

Bildlegende: Das Lupophon ist mit dreieinhalb Oktaven vom grossen F zum zweigestrichenen h die tiefste Bassoboe auf dem Markt. ZVG, Guntram Wolf

Die beiden Instrumentenbauer waren unzufrieden mit den klanglichen Möglichkeiten der herkömmlichen Bassoboen oder Kontrafagotte. Denn entweder kommen diese nicht tief genug hinunter oder sie klingen dürftig: schnarren, quäken, sind unzuverlässig in der Intonation oder verwackelt im Ansatz. Da musste was geschehen. Und es geschah. Nach vielen Versuchen, Optimierungen und Fehlschlägen, dank grosser Beharrlichkeit und festem Blick auf das Ziel liegen sie seit ein paar Jahren vor, die neuen Instrumente: das Kontraforte, das neue Kontrafagott, und das Lupophon, die neue Bassoboe, in dessen Namen sich der Erbauer Guntram Wolf verewigt hat: Lupus bedeutet auf Latein Wolf.

Neue Kompositionen für die neuen Blasinstrumente

Die Instrumente scheinen sich in der Praxis so gut zu bewähren, dass nicht nur Orchestermusiker zunehmend an ihnen interessiert sind, sondern vor allem die Ensembles für Neue Musik: Komponistinnen und Komponisten fangen an, die Neulinge in ihre Stücke einzubauen: das imposante, schwarz glänzende Kontraforte mit dem mächtigen Bass, das auch in der Höhe nicht dürr klingt, und das edle Lupophon mit seinem kugeligen Schalltrichter und dem androgynen Klangcharakter – es kann mal nach Oboe klingen, mal nach Klarinette und sogar nach Saxofon.

Veranstaltung mit Lupofon und Kontraforte


Musik für neue Instrumente

3:04 min, aus Kultur kompakt vom 28.01.2013

Wer die beiden Instrumente sehen und ihre Klangpotential erleben möchte: Gelegenheit dazu ist am Montag, den 28. Januar in Bern (Dampfzentrale) und am Donnerstag, den 31. Januar in Basel (Gare du Nord). Das Ensemble Proton präsentiert in vier Uraufführungen Werke junger Komponisten, die jeweils beide Instrumente in ihre Stücke eingebaut haben. Gespielt werden das Lupophon und das Kontraforte von Martin Bliggenstorfer und Lucas Rössner. Zwei Musiker, die glaubhaft versichern, nach den aufregenden Erfahrungen mit ihren neuen Lieblingsinstrumenten auf keinen Fall wieder zu «normalen» Bassoboen und Kontrafagotten zurückzukehren.