Blick Bassy – Kameruns stiller Liedermacher zeigt auch mal Zähne

In Westafrika gibt es zurzeit einen Trend zu handgemachter, akustischer Musik. Einer, der sich dieser Richtung verschrieben hat, ist der Kameruner Blick Bassy. Die Lieder auf seinem neuen Werk «Akö» sind verträumt – aber nicht nur: Sie äussern auch Kritik an Politik und Gesellschaft.

Ein dunkelhäutiger Mann hat den Mund weit geöffnet, als würde er laut singen. Er trägt Brille und Hut.

Bildlegende: Weniger ist mehr: Bei der leisen Musik von Blick Blassy steht die Stimme im Vordergrund. Denis Rouvre

«Als Afro-Optimist denke ich, dass Afrika dank der neuen Technologien grosse Chancen hat», sagt Blick Bassy und fügt an: «Die Jungen sind mit dem Internet aufgewachsen; sie konstruieren neue Dinge auf allen Sektoren – mit wenigen Mitteln, dafür mit grosser Motivation und Kreativität. Diese junge Generation hat der Welt unglaubliche Sachen anzubieten.»

Die Stimme steht im Vordergrund

Während die meisten Musiker der aktuellen urbanen Szene auf Hip-Hop, Electronica und Rock setzen, hat Bassy für sein neues Werk «Akö» den umgekehrten Weg gewählt. «Wir leben in einer Zeit, in der die Informationen in einer Endlosschleife um uns herumschwirren; jeder hat Internet, ist gebunden an die Timeline auf Facebook und Twitter», sagt Blick Bassy. Darum entschied er, ein Album mit sehr wenig Information zu machen – «ein Album, bei dem meine Stimme und ihre Emotionen im Vordergrund stehen, die Geschichten, die ich erzähle.»

Auf «Akö» benötigt er nur ein kleines Ensemble, das um seine Vokalspuren herum mit Cello, Posaune und Harmonika agiert. Während seine vorherigen Alben geprägt waren von der traditionellen Musik Kameruns und Einflüssen aus Brasilien, kommt die Grundfärbung nun aus einem ganz anderen Kontext. Bassys Sound atmet die Melancholie des Blues. Der kam ganz zufällig zu ihm, als er eines Winterabends am Kamin in seinem Heimstudio sass und sein Blick auf einem Foto des US-Musikers Skip James fiel. James wurde zum Paten von «Akö».

Von Melancholie durchzogen

«Für all seine Aufnahmen in den Dreissigern erhielt Skip James gerade mal dreissig Dollar. Heute konsumieren die Leute Musik über iPod, iPad und übers Handy, das macht es für die Musiker immer schwieriger, Geld zu verdienen. In dieser Hinsicht lassen sich viele Parallelen zwischen dem Leben von Skip James und jenem von heute ziehen», sagt Bassy über den tragischen Helden des US-Blues, der 1969 an Krebs verstarb.

Die Melancholie seiner verkratzten und verrauschten Miniaturen durchzieht «Akö»: im Seufzen der Posaunen, das wie ein alter Dampfzug tönt, in den sparsamen Linien der Mundharmonika, den sanften Rhythmen des Cellos – und vor allem in den nachsinnenden Melodien.

Fein und zart, im Hier und Jetzt

Dazu passen auch Blick Bassys Texte – meist in seiner Muttersprache Bassa –, die eindringliche Ratschläge für die afrikanischen Gesellschaften parat halten: «Früher kümmerte sich der Papa um den Schutz der Kinder, die Mama um die Erziehung, und der Grossvater hatte ein Auge drauf, ob dieses Zusammenspiel funktionierte oder nicht. Heute versuchen viele Afrikaner, das westliche Modell zu imitieren, obwohl das nicht unbedingt mit unserem Umfeld, unserer Perspektive harmoniert.»

Neben dem familiären Umfeld nähert sich Bassy auch grossen politischen Zusammenhängen an. Dabei nimmt er seine neue Wahlheimat Frankreich in die Pflicht: «Was ich hier sehe, sind Politiker, die an ihre eigene Karriere und Zukunft denken. Jede Karte, die wir auf den Tisch legen, kann verheerende Konsequenzen nach sich ziehen, kann junge Leute dem Terrorismus in die Arme treiben und unumkehrbare Dinge verursachen.» So zart und empfindsam die Chansons dieses stillen Liedermachers sein mögen, sie siedeln mitten im Hier und Jetzt.

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