«Blick in die Feuilletons»: Opernhaus Zürich und Stüssihof

Im «Tages-Anzeiger» spricht Regisseur Herbert Fritsch über seine Inszenierung der «Drei Schwestern» am Zürcher Opernhaus. Ein Umbruch erfährt der Stüssihof: Die «NZZ» berichtet vom Wandel des Zürcher Sexkinos zum Kulturzentrum mit Schwerpunkt Schweizer Film.

Drei Opernsängerinnen in bunten Kostümen halten einander.

Bildlegende: Herbert Fritschs neuste Inszenierung: Die «Drei Schwestern» von Peter Eötvös im Zürcher Opernhaus. Hans Jörg Michel

Im «Tages-Anzeiger» bekommt der humorvolle Berserker Herbert Fritsch eine Bühne. Nachdem er die deutschen Schauspielbühnen mit grossem Erfolg durchgeschüttelt hat, wird dieses Wochenende Fritschs Operninszenierung der «Drei Schwestern» von Peter Eötvös am Zürcher Opernhaus Premiere feiern.

Im Gespräch mit Susanne Kübler berichtet Fritsch im «Tages-Anzeiger» heute, was das Publikum zu erwarten hat. Gleich zu Beginn gesteht er, er bräuchte ein neues Rollenfach: den «Kratzbürstentenor». Herbert Fritsch hat sich als Schauspieler an der Berliner Volksbühne und seit einigen Jahren auch als Regisseur einen Namen gemacht, seine Inszenierungen sind ebenso derb und humorvoll wie fulminant.

Fussball auf der Opernbühne

Im Interview beschreibt Fritsch seine Arbeit: «Was ich mit den Schauspielern und Sängern mache, sind eigentlich räumliche Arrangements, das ist erweiterte Bühnenbildnerei. Es ist wie beim Fussball, da muss man auch auf Räume aufpassen: wer spielt wem zu, damit der ein Tor schiessen kann?» Herbert Fritsch behauptet weiter, er habe schon immer auch auf der Schauspielbühne Oper gemacht: mit grossen Gesten, grossem Trara, möglichst unecht. «Mich interessiert die Künstlichkeit, Spielbein Standbein, das finde ich klasse.»

Fritsch berichtet auch von der Probenarbeit. Da hätten etwa die Sänger nach der Figurenentwicklung gefragt. Fritschs Antwort: «Was macht ihr euch für Sorgen, ihr sollt singen! Das ist doch das Tolle an der Oper, dass man vieles nicht erklären muss.» Das Interview im «Tages-Anzeiger» lässt hoffen: es könnte spannend werden am Wochenende mit Herbert Fritsch als Opernregisseur.

Stüssihof: Schweizer Film statt Sex

In der «Neuen Zürcher Zeitung» berichtet Brigitte Hürlimann über die Verwandlung des Zürcher Kinos Stüssihof. Das altehrwürdige Sexkino im Niederdorf wird zum Kulturzentrum. «Ein eigentliches Biotop soll entstehen, wachsen und wuchern - ein Ort für Film, Theater, Musik, Literatur und Debatten». Der Betreiber Edi Stöckli will im Stüssihof insbesondere den Schweizer Film

fördern. Im Kinosaal sollen Schweizer Filme gezeigt werden, die es sonst nicht in die Kinos schaffen. Daneben werden die Säle auch für Kulturveranstaltungen vermietet. «Mit dem neuen Kinoprojekt in der Altstadt knüpft Edi Stöckli an seine cineastische Vergangenheit an. In den späten 1960er Jahren hatte er im damaligen Kino Rex an der Bahnhofstrasse Underground-Filme gezeigt, während der Jugendunruhen der 1980er «Züri brännt» im Kino Walche».

Seine übrigen Sexkinos betreibt Stöckli weiterhin, auch wenn der Stüssihof für neue Zwecke geöffnet wird. Heute Abend wird mit einer Plattentaufe und Konzert mit anschliessender Party eröffnet. Der Bericht über den neuen Stüssihof findet sich heute in der «Neuen Zürcher Zeitung».