Camerata Bern: Mit Affen und Löwen am Nacken

Die Camerata Bern erhält zum 50. Jubiläum ein ungewöhnliches Geschenk: 14 neue Barock-Streichinstrumente, hergestellt in der Geigenbauschule in Brienz. Sie zu spielen, will jedoch gelernt sein.

Eine junge Frau bemalt den Instrumentenboden eines Cellos mit einem Zunftwappen, das einen Affen zeigt.

Bildlegende: Viel Handarbeit: Die Geigenbauschule in Brienz verziert die Instrumentenböden mit Zunftwappen. zvg

Kurz vor Weihnachten probierte die Camerata Bern die neuen barocken Streichinstrumente zum ersten Mal aus. Das Geschenk, das die Berner Zünfte und Gesellschaften der Camerata Bern zu ihrem 50-Jahr-Jubiläum überreichten, hat es in sich: kürzere Griffbretter, Darm- statt Stahlsaiten, ohne Kinnstützen bei den Geigen, ohne Stachel bei Celli und Bass.

Amandine Beyer, Solistin beim ersten Konzert der Camerata Bern mit den neuen alten Instrumenten, freute sich über das Klangresultat. «Die Erwartung war riesig: Die Musiker, aber auch die Geigenbauer waren sehr gespannt.» Die Musiker der Camerata Bern zeigten sich flexibel und wissbegierig.

Barocker roter Faden

Die barocken Wurzeln der Camerata Bern reichen bis in ihre Anfangszeit zurück. Der Berner Oboist und Dirigent Heinz Holliger bespielte zusammen mit dem Berner  Ensemble mehrere CDs mit Musik des 18. Jahrhunderts. Die Kunst des historisch informierten Musizierens lernte die Camerata Bern besonders durch Erich Höbarth schätzen, der das Streichorchester während einiger Jahre leitete.

Höbarth wirkte als Konzertmeister beim Concentus musicus Wien unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt. Seine und die Erfahrungen einiger jüngerer Camerata-Mitglieder, die während ihres Studiums barocke Spieltechniken erlernten, bilden den Nährboden für die barocke Zukunft des Ensembles. Ergänzt wird dieser durch die geplante enge Zusammenarbeit mit der Barockgeigerin Amandine Beyer.

Schweizer Geigen nach italienischem Vorbild

Ein junger Mann hobelt an einer Werkbank.

Bildlegende: Späne fliegen in der Gegenbauschule in Brienz. zvg

Trotz der Erfahrungen mit älterer Musik: Mit historischen Instrumenten lässt sich der typisch federnde Barockklang besser erzeugen. Ein Jahr lang hat die Geigenbauschule in Brienz deshalb an den 14 Instrumenten gezimmert und gefeilt und zuletzt die Nacken der Instrumentenböden mit dem Zunftwappen verziert.

Bei diesem Grossprojekt war nicht nur der Lehrmeister gefordert. Die ganze Schule beschäftige sich während dieser Zeit mit der vielfältigen italienischen Geigenbautradition, sagt der Leiter Hansruedi Hösli.

«Es ist ein exemplarisches Beispiel des Lernens: Man taucht ein in eine Epoche und studiert die Zeit, die Musik, die Architektur, die Bilder. Das ist wunderbar - und gleichzeitig unser Kerngeschäft.»

Neben den herkömmlichen Instrumenten besitzen die Camerata-Mitglieder nun auch solche mit Affen und Löwen am Nacken des Instrumentenbodens.

Überschäumendes Temperament

Die Camerata Bern verändert sich nun aber nicht zum Spezialistenensemble. Wichtige künstlerische Impulse hat das Berner Traditionsorchester in den letzten Jahren auch durch die derzeitige künstlerische Leiterin Antje Weithaas erhalten. Sie zielen allerdings in eine ganz andere Richtung: Unter Weithaas temperamentvoller Führung erhielt das klassisch-romantische Konzertrepertoire des Orchesters einen entschlackten und zugleich vitalen Anstrich.

Das Ensemble feiert damit nicht nur in der Heimatstadt, sondern weltweit Erfolge. Auch die Fachpresse reagiert begeistert auf die jüngste CD-Aufnahme des Ensembles mit Antje Weithaas.

Unkonventionelle Zugaben

Auch neueste Musik hat im breiten Repertoire der Camerata Bern ihren selbstverständlichen Platz. Zu seinem Geburtstag erhielt das kleine aber feine Orchester nicht nur 14 neue Barockinstrumente, sondern auch 16 neue Kompositionen mit vorwiegend Schweizer Provenienz. Es sind keine ausufernden Werke, sondern Miniaturen von wenigen Minuten, die in jedem Konzert der laufenden Jubiläumssaison als Zugabe uraufgeführt werden. Vielfalt in der Einheit oder Einheit in der Vielfalt: Was als Motto über barocke Geigenbaukunst stehen könnte, gilt auch für das Wirken der Camerata Bern.

Schenkung an die Camerata Bern

Die Burgergemeinde Bern mit ihren Gesellschaften und Zünften sowie die Hans und Verena Krebs Stiftung schenken der Camerata Bern zum 50. Geburtstag 8 Geigen, 3 Bratschen, 2 Celli und einen Kontrabass, erbaut in der Geigenbauschule Brienz nach barockem Vorbild. Sie verankern damit das weltweit erfolgreiche Kammerorchester in der Berner Gesellschaft.

Camerata Bern: Neue CD

Beethoven: Streichquartett Nr. 11 f-Moll bearbeitet für Streichorchester, Violinsonate A-Dur op. 47, bearbeitet für Violine und Streichorchester. Avi-Music 8553226.

Sendung zu diesem Artikel