Concha Buika: Botschafterin eines Flamencos ohne Grenzen

Die «Queen of Flamenco» vermischt in ihrer Musik Flamenco mit Jazz, Afro und Pop. Vielen Puristen ist sie damit ein Dorn im Auge. Dabei erweist Buika dem Flamenco einen Dienst: Viele Laien interessieren sich dank Buika erst für diese Musik.

Feiern und leiden: Concha Buika befreit den Flamenco von Konventionen.

Bildlegende: Feiern und leiden: Concha Buika befreit den Flamenco von Konventionen. Reuters

María Concepción Balboa Buika kommt 1972 in Palma de Mallorca zur Welt. Ihre Eltern sind aber keine Spanier, sondern aus Äquatorialguinea eingewandert. Buika wächst als afrikanisches Mädchen in einer weissen, ärmlichen Nachbarschaft auf. Heimatgefühle und Zugehörigkeit kennt sie nicht. Denn die Einheimischen finden, sie sei keine Mallorquinerin – und umgekehrt sehen ihre Verwandten in ihr keine Afrikanerin.

Ein albernes Mädchen erntet keinen Applaus?

Buika hat als kleines Mädchen mit ihrem Selbstwertgefühl zu kämpfen. Von ihren Eltern wird sie als albern bezeichnet. Als kleines, dummes Mädchen, das nichts kann und immer im Weg steht. «Geh weg da» und «das kannst du nicht», hört sie immer wieder.

Die Zweifel münden in Angst, mit der sich die kleine Buika lange Zeit herumschlägt. Doch als Teenagerin hat sie ein Schlüsselerlebnis. Sie singt vor 200 Leuten und erntet Applaus. Ein Publikum würde doch niemals für alberne Menschen klatschen, sagt sie sich. Durch diese Erkenntnis legt sie ihre Ängste Schritt für Schritt ab und entwickelt sich zu einer starken Frau.

Audruck und Energie

Buika selbst findet ihre Stimme überhaupt nicht schön. Sie klingt rau und heiser. Doch insbesondere im Flamenco ist das sekundär: Da geht es in erster Linie um den Ausdruck und um die Energie – und davon hat Buika à discrétion.

Wenn sie singt, hat man das Gefühl, dass sie wirklich leidet. Eigenartigerweise erweckt das aber kein Mitleid, sondern Begeisterung. Das Geheimnis ist, dass Buika bei ihren Performances feiert. Sie hat ihre von Selbstzweifeln geprägte Kindheit hinter sich gelassen und ist heute dankbar, dass ihr die Menschen zuhören.

Man darf sich bei allen Musikstilen bedienen

Buika lebt seit einigen Jahren in Miami. Das Touren rund um die Welt ist von da aus einfacher. Zudem findet sie in der multikulturellen Stadt neue Inspiration. Sie kommt mit kubanischen Musikern in Kontakt und aus der amerikanischen Kultur wirken Jazz und Pop auf sie ein. Auch besinnt sie sich heute wieder stärker auf ihre afrikanischen Wurzeln.

All das vermischt sie musikalisch zu etwas Eigenem. Je länger je mehr, erinnert nur noch ihr Gesang an den Flamenco. Buika kennt keine Berührungsängste. Der Song ist für sie entscheidend und die Geschichte hinter der Person, die ihn schreibt. Die Themen in ihren Songs verbinden Menschen auf der ganzen Welt: Liebe, Trauer, Geld – Musik und Songs werden universell und eine Einteilung in Musikstile wird hinfällig.

Die Botschafterin des Flamencos

Eingefleischte Flamenco-Kenner, vor allem die Puristen, halten oft nicht sehr viel von Buika. Mit ihren Tätowierungen, ihren Outfits und der Vermischung von Stilen verkörpert Buika nicht gerade den traditionellen Flamenco.

Dennoch müssten ihr die Kritiker danken: Buika trägt das Flamenco-Gefühl in die ganze Welt hinaus. Viele Hörer kommen wahrscheinlich erst durch sie überhaupt in Berührung mit dieser Musik. Hörer, für die der Flamenco bis jetzt etwas Traditionelles hatte, an dem es nichts zu rütteln gibt. Und denen deshalb oft das Verständnis fehlte.

Zur Person

María Concepción Balboa Buika wurde 1972 auf Mallorca geboren. Als Künstlerin nennt sie sich Concha Buika, oder einfach Buika. Seit dem Jahr 2000 hat die Sängerin und Komponistin sieben Alben veröffentlicht – im Frühling 2015 soll das achte folgen. Soeben erschienen ist eine Biografie in Buchform.

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