Der Hip-Hop und die käufliche Liebe

In «Love For Sale» lässt Songschreiber Cole Porter eine Prostituierte von ihrem Beruf erzählen. Damals in den 1930ern war das – wie der Jazz überhaupt – eine gewagte Sache. Für sein Cover von «Love For Sale» spannt Jamie Cullum mit einem Rapper zusammen.

Jamie Cullum

Bildlegende: Mit seinem Cover des Cole-Porter-Songs «Love For Sale» holt Jamie Cullum den Hip-Hop zum Jazz zurück. Reuters

Hip-Hop und die käufliche Liebe, das klingt nach billigen Klischees. Brisant und gewagt ist das heute nicht. Aber das weiss auch Jamie Cullum. Der Sänger und Pianist will uns ja auch etwas ganz anderes erzählen in seinem «Love For Sale». Das zeigt auch das aufwändig produzierte Video. Frauen spielen darin keine Rolle.

Blutendes Herz

Stattdessen geht da ein grimmiger Herr in die Wohnung eines jungen Mannes. Packt die Möbel in Plastik ein und ein Arsenal von grausigen Gerätschaften aus. Der junge Mann sitzt unbehaglich daneben, man ahnt: Gleich wird’s blutig.

Tatsächlich schneidet der grimmige Herr dem Jungen das Herz heraus und bringt es dahin, wo es in der heutigen Zeit fehlt an unverdorbenen Herzen: zum Londoner Financial District. Zu einem einsamen Banker. Der packt sich das frische Herz, legt ein bereits ausgesaugtes zur Seite. «Appetizing young love for sale»: in diesem Cover ist das eine grauslige Sache.

Die Version von Jamie Cullum beginnt mit einem donnernden Beat: Die Basslinie ist – das gibt er offen zu – geklaut. Usus ist ja eigentlich, dass Hip-Hopper sich in der Jazzgeschichte bedienen.

Hier klaut also ein Jazzer zurück: die Basslinie eines Hip-Hop-Künstlers. Der Londoner Rapper Roots Manuva ist übrigens auch selber zu hören in Jamie Cullums «Love For Sale».

Über die Serie

Cover-Versionen werden in der Musik oft belächelt. Aber manchmal überragt die Kopie das Original sogar. SRF Kultur präsentiert in der Serie «Covermania» einige besonders gelungene Covers.