Daniel Schläppi: Musiker, Kulturaktivist und Historiker

Wichtig ist es ihm, etwas zu bewegen. Daniel Schläppi tut es musikalisch als Jazzbassist, der immer wieder eigene Projekte anstösst, politisch als Aktivist, der die kulturelle Landschaft verändern will und beruflich als Historiker, der seine Erkenntnisse publiziert.

Daniel Schläppi im roten Pullover und mit Kontrabass lächelt in die Kamera.

Bildlegende: Daniel Schläppi, Jahrgang 1968, ist promovierter Historiker und Jazzbassist. Christoph Schläppi

Jazzmusiker ist nun wirklich kein Beruf, mit dem man einen Haufen Geld verdienen kann. Im Gegenteil. Die Musiker müssen oft ihren Lebensunterhalt auf andere Weise finanzieren: Viele tun es, indem sie als Musiklehrer ihr Wissen weitergeben. Der Berner Bassist Daniel Schläppi hat allerdings eine andere Laufbahn eingeschlagen: Er ist Historiker.

In einem Leben befasst sich Schläppi mit aktuellem Jazz, mit Musik von heute, die ihren Weg in die Zukunft sucht. Im einem anderen beschäftigt er sich mit der Vergangenheit seiner Heimatstadt Bern. Sein Spezialgebiet als Historiker ist die frühe Neuzeit, promoviert hat er mit einer Arbeit über die Zunftgesellschaft zu Schmieden. Seine Habilitationsarbeit, an der er im Rahmen eines Nationalfondsprojekts schreibt, befasst sich mit der Ökonomie und Politik im Bern des 16. Jahrhunderts.

Welchen von den beiden Berufen Daniel Schläppi aufgeben würde, wenn er müsste, weiss er nicht: «Mein Weg hat sich so ergeben, ich bin glücklich dass ich nicht vor die Wahl gestellt werde und beides machen kann», meint er.

Ein kulturell Bewegter

Obwohl also seine wirtschaftliche Situation gesichert ist, ist Daniel Schläppi keiner, der eine allgemein unbefriedigende Situation einfach unkommentiert akzeptiert. Denn das ist die dritte Seite dieses Vielarbeiters: Schläppi bringt sich als kulturell Bewegter ein, versucht die Verhältnisse auf politischem Weg zu verbessern. So nimmt er Einsitz in Gremien, in denen über Gegenwart und Zukunft des Musikerseins bestimmt wird, und er bringt sich publizistisch in den kulturpolitischen Diskurs ein.

Die öffentliche und sichtbare Seite von Schläppi ist natürlich diejenige des Musikers: Jazz findet auf der Bühne statt, vor Publikum, und will wahrgenommen werden. Daniel Schläppi wird oft von befreundeten Musiker zum Mitspielen eingeladen: Sein grosser Sound, ebensolche Ohren und seine musikalische Fantasie machen ihn zu einem begehrten Partner. So richtig wohl aber wird es ihm erst, wenn er seine eigenen Projekte auf die Beine stellen kann. Meistens sind es intime Konstellationen, in die er sich begibt, denn der Bass ist kein lautes Instrument. In Bands mit wenigen Beteiligten kann Schläppi die Musik aus dem Hintergrund lenken.

Sein Bestreben, die Kontrolle über die Kunst zu behalten, geht allerdings noch weiter: Vor etwa zehn Jahren hat er mit dem befreundeten Gitarristen Tomas Sauter sein eigenes CD-Label «Catwalk» gegründet. Es sind mittlerweile rund ein Dutzend Produktionen, die die beiden herausgegeben haben, und dank ihrer Qualität und des Netzwerkes, das sie geknüpft haben, werden ihre Produkte wahrgenommen, von den Medien und vom Publikum.

Zusammenarbeit mit Mark Copland

Schläppis aktuellste Kooperation resultiert aus einem Studienaufenthalt in New York, wo er Bekanntschaft mit dem Pianisten Mark Copland schloss. Copland ist kein lauter Musiker, aber er ist ein eigensinniger und sensibler Kopf. Schläppi und Copland scheinen wie füreinander geschaffen, die gemeinsame CD «Essentials» klingt wie aus einem Guss und die Veranstalter buchen das Duo mit Begeisterung.

Im März 2013 steht eine längere Tournee an – und sie wird nicht die letzte sein. Denn wenn ihn das «alte Bern» freigibt, taucht Daniel Schläppi mit Begeisterung in die musikalische Neuzeit. Und dies weit über Bern hinaus.

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