Der US-Country-Musiker Merle Haggard ist gestorben

Der US-amerikanische Country-Star Merle Haggard, der mit Hits wie «Okie From Muskogee» und «Mama Tried» bekannt wurde, ist tot. Er starb an seinem 79. Geburtstag in seinem Haus in Kalifornien. Haggard war als Sänger und Songschreiber eine der prägendsten Figuren der Country-Geschichte.

Merle Haggard posiert mit Gitarre und Hut vor einem kleinen See.

Bildlegende: Merle Haggard bei seiner Ranch im kalifornischen Palo Cedro, 2007. Keystone

Merle Haggard wuchs im kalifornischen Bakersfield auf – geprägt von Armut und der Flucht seiner Eltern aus Oklahoma in Folge der grossen Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre. Seine Biografie ist untrennbar Teil seiner Musik – so auch sein 21. Geburtstag, den er im Rahmen einer fast dreijährigen Gefängnisstrafe wegen diverser Einbruchsdelikte im Hochsicherheitsgefängnis San Quentin feierte.

Er resümierte es später in einem seiner grössten Hits, stellvertretend auch für seine noch schwerer kriminellen Zellengenossen: «I turned twenty-one in prison doing life without parole. No one could steer me right but Mama tried».

1958 erlebte Merle Haggard als Insasse eines von Johnny Cashs Gefängnis-Konzerten. Es wurde ihm Inspiration zu seiner eigenen Karriere. Ab 1963 prägte er zusammen mit Buck Owens den «Bakersfield Sound» – das rauere, kalifornische Pendant zur geschliffenen Country-Musik aus Nashville.

Country-Stilist und Sprachrohr des einfachen Mannes

Mit seiner markanten bluesig-kehligen Stimme und seinen 38 Nummer-eins-Hits – die meisten aus seiner eigenen Feder – gehört «The Hag» zu den einflussreichsten Stilisten der Country-Geschichte.

In Songs wie «Workin‘ Man Blues», «I Take a Lot of Pride in What I Am» oder «If We Make It Through December» machte er sich mit seinen eigenen Lebenserfahrungen zum Sprachrohr des einfachen Mannes – aber auch der Konservativen während der Hippie- und Vietnamkriegs-Ära. So pries er 1969 in «Okie from Muskogee» legendär die rechtschaffene Provinz gegenüber San Franciscos langhaarigen, bekifften Dienstverweigerern.

Zunehmend kritischer und liberaler

In späteren Jahren relativierte er den Song als ironischen Kommentar und seine politischen Statements verrieten zunehmend kritische und liberalere Einstellungen – auch zum (eigenen) Marihuana-Konsum.

Haggards Gesangsstil und Phrasierung wurden zum dominanten Einfluss der männlichen Country-Stimmen nach ihm – unüberhörbar etwa auch bei Stars wie Randy Travis, George Strait, Alan Jackson oder Toby Keith. Haggards eigene Gesangsvorbilder waren die frühe Country-Ikone Lefty Frizzell und der «Father of Country Music» Jimmie Rodgers.

Merle Haggard hat im Studio mit vielen namhaften Musikern zusammengearbeitet – allen voran mit Willie Nelson: Mit ihm spielte er vor seinem Tod ein Duett-Album ein, das noch in diesem Jahr erscheinen soll. Mit Bob Dylan war er wiederholt auf Tournee. Bloss ein einziges Mal jedoch trat der flugscheue Künstler in der Schweiz auf – 1988 im Hallenstadion Zürich.

Er war fünf Mal verheiratet und Vater von sechs Kindern. 2008 musste er sich nach einer Krebsdiagnose einen Teil seiner Lunge entfernen lassen. Lungenentzündungen zwangen ihn seit Ende 2015 wiederholt zu Konzertabsagen.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kulturnachrichten, 7.4.2016, 6:00 Uhr