Der Vater des Synthesizers bastelt an neuen Klängen

In der Elektro-Szene gilt er als «Godfather of Techno». Dabei versteht sich der Amerikaner Morton Subotnick eigentlich als Komponist avantgardistischer Konzertmusik. Seine Kompositionen reichen von Kammermusik bis zu symphonischen Werken. Jetzt wird der 80-jährige Synthesizer-Pionier neu entdeckt.

Morton Subotnick auf der Bühne

Bildlegende: Ein Pionier bei der Arbeit: Morton Subotnick zeigt seinen Synthesizer (2011). Flickr/Sascha Pohflepp

Es sind vor allem zwei Werke, die Subotnicks Ruhm begründen: Seine Alben «Silver Apples of the Moon» und «The Wild Bull» bahnten in den 60er-Jahre der elektronischen Musikrevolution den Weg. Diese beiden Klangkompositionen gelten als Schlüsselwerke elektronischer Musik und werden heute von jungen DJs neu entdeckt. Subotnick gibt sich bescheiden: «Ich glaube nicht, dass ich die moderne Elektronik-Szene wirklich beeinflusst habe. Sie machen ihr eigenes Ding, doch wenn sie zurückschauen, entdecken sich mich als Neandertaler ihrer Musik.»

Demokratisierung der Musik

Die Vision einer elektronischen Musik für alle, die Subotnick im «San Francisco Tape Music Centre» Mitte in den 60ern entwickelte, hat sich schneller verwirklicht, als er damals dachte. Heute, im Zeitalter von Touchscreens, Tablets und Laptops kann jeder elektronische Musik arrangieren, was Subotnick als Demokratisierung einer einst elitären Kunst begrüsst.

«Dieser Umbruch musste einfach passieren», erklärt der Komponist. «Für mich war es wie der Urknall. Ich hatte das Gefühl, alles wird sich verändern. Und 40 Jahre später erlebte ich den Moment einer gigantischen Zeitenwende: Die Möglichkeit für jedermann, Musik daheim im Wohnzimmer zu machen!»

Neue Ideen, neue Kompositionen

 Klangvisionär Morton Subotnick in seinem Studio.

Bildlegende: «Godfather of Techno»: Klangvisionär Morton Subotnick. Manuel Wagner

Morton Subotnick lebt heute noch in Greenwich Village in Manhattan, nur einen Steinwurf von dem Ort entfernt, wo einst sein Studio lag und die beiden bahnbrechenden Alben entstanden. Das Wohnzimmer seines Appartments hat er zum Heimstudio umgebaut, das dem Cockpit eines Raumschiffs gleicht: Es ist übersät von elektronischen Apparaten und Gerätschaften.

Noch täglich tüftelt der Veteran stundenlang an neuen Ideen, brütet über Software-Programmen und arbeitet an neuen Kompositionen. Die Reproduktion von Bekanntem überlässt er anderen. Standardisierung hält er für einen Feind der Kreativität. Subotnick folgt weiterhin dem Traum von Klängen, wie sie bisher nicht möglich gewesen sind.

Den Nachwuchs animieren

Daneben entwirft er interaktive Computerprogramme für Kinder, die unter dem Titel «Making Music» oder «World of Music» den Nachwuchs auf spielerische Weise zum kreativen Musikmachen animieren sollen. Auch die iPad-App «Pitch Painter» hat Subotnick in pädagogischer Absicht entwickelt.

Nur manchmal verlässt Morton Subotnick seine Wohnung. Dann reist er zu einem Techno-Festival nach Japan oder Europa, wo er von jungen Clubbern frenetisch gefeiert wird. Subotnick geniesst die Aufmerksamkeit, obwohl er leise in sich hineinlächelt und das alles für ein grosses Missverständnis hält.

Klangvisionen

In Amerika und in der Sowjetunion entstanden in den 60er-Jahren zeitgleich, aber unabhängig voneinander, aufregende neue «Musikmaschinen». Beide Synthesizer werden in «Musik unserer Zeit» vorgestellt: am 12. Februar der Klangvisionär Morton Subotnick und seine «Buchla Box», am 19. Februar der Synthesizer ANS aus Moskau.