Die Band ohne Namen, die durch Bob Dylan berühmt wurde

The Band war nicht irgendeine Band: The Band war die Begleitband von Bob Dylan. Er machte sie berühmt, danach erspielten sich die Musiker selbst einen Namen – wurden etwa von George Harrison als «grossen musikalischen Einfluss» bezeichnet. Doch der Erfolg löst bei der Band Unbehagen aus.

Van Morrison, Bob Dylan und Robbie Robertson.

Bildlegende: Das Abschiedskonzert von The Band. Auch Van Morrison und Bob Dylan gaben sich die Ehre (rechts: Robbie Robertson). Getty Images

Die Band wächst zwischen 1958 und 1963 zusammen. Der Rockabilly-Sänger Ronnie Hawkins braucht eine Begleitband für seine Clubtournee und wirbt überall die besten Musiker ab. So treffen sich der Bassist Rick Danko, der Schlagzeuger und Sänger Levon Helm, der Organist und Multi-Instrumentalist Garth Hudson, der Multi-Instrumentalist und Sänger Richard Manuel und der Gitarrist und Sänger Robbie Robertson. Damals heissen sie noch The Hawks.

Mit der Zeit macht sich der grosse Altersunterschied zwischen dem Leader Ronnie Hawkins und den Hawks bemerkbar. Die musikalischen Ambitionen der Hawks werden zudem immer grösser. Sie verlassen Ronnie Hawkins und versuchen es eine Weile auf eigene Faust. Sie fangen an, Songs zu schreiben und singen selber.

The Band bei einem Auftritt.

Bildlegende: The Band (v.l.n.r.: Rick Danko, Levon Helm, Richard Manuel) bei einem Auftritt in Hamburg, 1971. Wikimedia / Heinrich Klaffs

Dann kam Bob Dylan

Bob Dylan beginnt 1965 eine Backing-Band für seine «Electric Tour» zusammenzustellen. Sein Management stellt den Kontakt zu Levon Helm und Robbie Robertson her. Dylan nimmt die beiden in seine Band auf, nicht aber den Rest der Hawks.

Bereits nach zwei Konzerten verlangen Helm und Robertson von Dylan, er müsse auch den Rest der Hawks engagieren – oder sie würden nicht mehr mit ihm spielen. Dylan willigt ein und nimmt die Hawks ab 1965 mit auf Tournee. Diese Tourneen werden mit Bob Dylan and The Band angepriesen, obwohl der Name Hawks eigentlich immer noch gilt.

Pfiffe und Buhrufe

Dylan mit elektrischer Gitarre und Band – das ist für viele Fans nicht mehr Dylan. Sie wollen den Protestsänger mit seiner akustischen Gitarre zurück. Die Konzerte werden oft durch Pfiffe und Buhrufe gestört, es kommt sogar zu offener Feindseligkeit und Sabotage. Für die junge, noch etwas unerfahrene Backing-Band ist das eine schwierige Situation. Levon Helm steigt aus, weil ihm der Druck zu gross wird.

Die Platte aus dem rosaroten Haus

Trotzdem bringt die Zusammenarbeit mit Bob Dylan die Hawks vorwärts und macht sie bekannt. Als ihr Engagement mit Bob Dylan 1967 endet, zieht die ganze Band in ein rosarotes Haus und beginnt dort, an einer eigenen Platte zu arbeiten: «Music from Big Pink».

Doch als der Release näher rückt, haben sie immer noch keinen richtigen Namen. Und weil sich der Name Bob Dylan and The band etabliert hat, scheint es naheliegend, sich – ohne Bob Dylan – einfach The Band zu nennen.

Es fehlt jemand zum grossen Erfolg

Auf das erfolgreiche Debütalbum «Music from Big Pink» folgt 1969 ein weiteres Hitalbum: «The Band». Die beiden Alben werden von Eric Clapton und Ex-Beatle George Harrison als «grosse musikalische Einflüsse» bezeichnet.

Der Erfolg katapultiert The Band auf die grossen Bühnen. Doch das führt zu Unbehagen – wohl nicht zuletzt, weil sie keine richtige Frontperson haben, die ein grosses Publikum führen und ansprechen kann. Vor lauter Lampenfieber taufen sie sogar ihr nächstes Album «Stage Fright».

In dieser Zeit nehmen die Drogen überhand. Ein persönlicher Konflikt zwischen Levon Helm und Robbie Robertson trübt zudem die Stimmung. Trotzdem macht The Band weiter und veröffentlicht weiterhin Tonträger, vorwiegend mit Covers. Diese können aber nicht an die Erfolge der ersten beiden Alben anknüpfen.

Auf zum letzten Walzer

1974 kommt es nochmals zu einer Zusammenarbeit mit Bob Dylan. Plötzlich ist wieder ein Leader da und sofort nimmt The Band musikalisch wieder Fahrt auf. Nach einer grossen Tournee mit Dylan schreibt The Band wieder eigene Songs und veröffentlicht diese auf dem Album «Northern Lights – Southern Cross». Dieses ist zwar kein Kassenschlager, aber bei den Kritikern und Fans kommt es sehr gut an.

Robbie Robertson, der über die Jahre immer mehr Entscheidungen an sich reisst, wird schliesslich müde vom Touren und verlangt von der Band, dass sie sich auflöst. Er inszeniert 1976 ein riesiges Abschiedskonzert mit dem Titel «The Last Waltz». Dabei teilen sich The Band die Bühne mit Stars wie Bob Dylan, Eric Clapton, Van Morrison, Dr. John und vielen mehr. Das Konzert wird von Regisseur Martin Scorsese gefilmt und erscheint als gleichnamiger Konzertfilm.

Zwar kommt es bis 1999 immer wieder zu erneuten Auftritten und Aufnahmen, aber nie mehr in Originalbesetzung und nie mehr mit Robbie Robertson. Der Zenit von The Band war bereits überschritten.

Sendung: SRF 2 Kultur, Musikthema, 1.10.2015, 16:05 Uhr.