Die Rolle des Gesangskränzchens

Eine Ausstellung im Basler Museum Kleines Klingental stellt den Komponisten und Pädagogen Hans Huber vor. Der zeitgleich erschienene Band «Notenlese» vertieft die Aspekte seiner Persönlichkeit und des reichen Basler Musiklebens um 1900.

Ein Guckkasten in Form eines Flügels ist Teil der Ausstellung über Hans Huber.

Bildlegende: Das Museum Kleines Klingental widmet dem Basler Komponisten und Musikförderer Hans Huber eine grosse Ausstellung. Mark Niedermann

In den Archiven der Basler Musik-Akademie lagern Notendrucke und Dokumente, die Geschichten erzählen. Diese hat die Herausgeberin Martina Wohlthat in einem Band versammelt und damit das Augenmerk gerichtet auf eine spannende Zeit.

Wohlthat ist wissenschaftliche Mitarbeiterin für alte Drucke und Rara in der Bibliothek der Basler Musikakademie. Passend zur kürzlich eröffneten Ausstellung um den Komponisten und Gründer des Basler Konservatoriums Hans Huber erschien der Band «Notenlese». Huber und seine Vorgänger haben den Grundstein gelegt für diese Bibliothek.

Zeiten des Umbruchs

Wie das Buch zeigt, lebte Huber in einer Zeit des Auf- und Umbruchs. Davon erzählt ein Aufsatz über die Pionierin am Cembalo Wanda Landowska. Ihre Auftritte in Basel ab 1906 und der Kontakt zu Paul Sacher gaben massgebliche Impulse für die Gründung der heute renommierten Schola Cantorum Basiliensis 1933. Das noch gewöhnungsbedürftige Cembalo und Landowskas überzeugendes Spiel darauf waren ein Novum, für das sich neben der Interpretin auch publizistisch tätige Wissenschaftler stark einsetzten.

Einer anderen, romantischeren Ästhetik verpflichtet war Ferruccio Busoni. Der Pianist und Komponist Busoni wurde von Huber zu Meisterkursen nach Basel geholt – und zu Konzerten. Eine scharfe Kritik des Musikwissenschaftlers und Journalisten Karl Nef an Busonis Spiel warf hohe Wellen bis zur drohenden Kündigung und einem Schreibverbot Nefs.

Die dreizehn von Interpreten wie von Musikwissenschaftlern geschriebenen Aufsätze des Bandes zeigen auf, wie Basels aufstrebende bürgerliche Musikkultur Persönlichkeiten wie Robert und Clara Schumann oder Johannes Brahms anzog, dessen «Gesang der Parzen» 1882 im Musiksaal des Stadtcasino uraufgeführt wurde. Fotografien und Abbildungen ergänzen die lohnenswerte, wenn auch nicht immer leichte Lektüre.

Gründer des Basler Konservatoriums

Überhaupt war das Basler Musikleben eng mit demjenigen in Deutschland verbunden. Der im Solothurnischen geborene Hans Huber studierte in Leipzig, bevor er nach Basel kam. Die Familie seiner Frau Ida Huber-Petzold stammte aus Leipzig. Ida selbst liess sich am dortigen renommierten Konservatorium zur Sängerin ausbilden.

Das Leipziger Ausbildungsmodell mit seiner Konzentration auf die Kerninhalte des Musikstudiums sollte auch für das 1905 von Huber gegründete Basler Konservatorium massgeblich werden.

Erhellt werden im Band «Notenlese» auch die wichtigen Beziehungen des Bürgertums zu zentralen Gestalten des Basler Musiklebens wie Hans Huber. Und welche Rolle solche privaten «Gesangskränzchen» auf die frühe Bach- und Händel-Renaissance in Basel hatten. Von Hauskonzerten Bachscher Kantaten mit beachtlichem Niveau bis zu öffentlichen Aufführungen grösserer Vokalwerke war es nur ein logischer Schritt.

Zur Person

Zur Person

Hans Huber (1852-1921) ist zwar heute weitgehend unbekannt, doch zu seiner Zeit war der Spätromantiker populär und seine Musik wurde viel und oft gespielt. Huber hat das Basler Konservatorium gegründet und das Musikleben um 1900 stark geprägt. Mit Hermann Suter gehörte Huber zur Jahrhundertwende zu den bedeutendsten Komponisten der Deutschschweiz.

Buch-Hinweis

Martina Wohlthat (Hrsg.): «Notenlese. Musikalische Aufführungspraxis des 19. und frühen 20. Jahrhunderts in Basel». Schwabe Verlag, 2014.