Dieses Konzert zeigt Amy Winehouse von ihrer besten Seite

Noch bevor Amy Winehouse mit ihrem zweiten Album «Back to Black» international durchstartete, besuchte sie das kleine irische Dorf Dingle für ein Clubkonzert in einer winzigen Kirche. Der Film über den kurzen Auftritt ist heute ein Zeitdokument mit versöhnlicher Wirkung.

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Als Amy Winehouse nach Dingle kam

43 min, vom 23.10.2016

Kalt liess dieses Album im Dezember 2006 kaum jemanden. Noch konnte man nicht ahnen, dass «Back to Black» der schlampig gekleideten Londonerin mit der pechschwarzen Mähne einen internationalen Kometenstart bescheren sollte.

Kaum wurde erkennbar, dass hier eine musikhistorische Marke gesetzt wurde. Denn «Back to black» liess sich da einfach als stimmige Retrosoul-Produktion geniessen. Und die hinreissenden, nachtschwarzen Sumpf-, Drogen- und Liebeskrampf-Lieder wirkten wie virtuose Pirouetten dieser Amy Winehouse: auf dem hohen Seil zwischen Himmel und Absturz. Eine irgendwie klassische Blues-Pose.

Toxische Lyrics

Die darauf einsetzende, unerbittliche Abwärtsspirale in der Biografie der Sängerin sorgte schon zu Lebzeiten für Irritation. Das schmollende «No no no» zum Entzug und das düstere «You know I’m no good» klangen plötzlich nach echter Gefahr. Und spätestens mit den weltweit verbreiteten Bildern des besinnungslos über die Bühne stolpernden Stars hatten diese Lieder etwas Toxisches bekommen.

Die wahre Amy

Als Amy Winehouse im Dezember 2006 ins irische Dingle kam, war sie zwar verspätet. Sie hatte den Schlagzeuger in London zurück gelassen, weil im wetterbedingt überbuchten Flugzeug kein Platz mehr für ihn gewesen war. Aber sie war – begleitet von Gitarre und Bass – konzentriert, inspiriert, und sie eroberte die 85 Leute in der Kirche im Handumdrehen. Glücklicherweise wurde dieses Ereignis in einer Filmserie über das Dingle-Festival dokumentiert.

Erweitert um Radiointerviews vom gleichen Ort, in denen Amy Winehouse über ihre tiefe Liebe zu Gospel und Jazz sprach und ihren Heldinnen Tribut zollte, ist der Film vor allem eines: Genau das richtige Mittel, um alle erbärmlichen, tragischen, voyeuristischen Szenen eines öffentlichen Niedergangs vergessen zu machen. Hier singt und spricht eine junge Frau, deren Talent für drei Karrieren gereicht hätte. Eine Frau, die es verdient, als grosse Jazz-, Blues- und Soulstimme erinnert zu werden.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Talent und Untergang – was Amy Winehouse nie gelernt hat

    Aus Kulturplatz vom 1.7.2015

    Singen musste Amy Winehouse nicht lernen. Die Natur stattete sie mit einer atemberaubenden Stimme und reichlich Talent aus. Doch die britische Sängerin hatte nie gelernt, mit den Folgen ihres Erfolgs umzugehen, sich abzugrenzen oder ihre Schwächen in den Griff zu bekommen. Das tragische Ende ist bekannt. Ausgehend vom Dokumentarfilm «Amy», der am 16. Juli in der Schweiz startet, fragt «Kulturplatz» nach den Gründen von Amy Winehouse' Scheitern.

    Anne Meinke

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