Divenkrieg reloaded: Zwei Soprane singen sich nieder

Wer ist die Beste im ganzen Land? Die einstigen Barockstars Francesca Cuzzoni und Faustina Bordoni zogen mit ihren offenen Feindseligkeiten das Publikum in den Bann. Die Sopran-Diven Simone Kermes und Vivica Genaux liessen diesen Kampf der Rivalinnen vor einem Jahr in Gstaad wieder aufleben.

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Das Konzert der streitlustigen Diven

85 min, vom 2.8.2014

Sie glänzten als Primadonnen in den Opern von Georg Friedrich Händel und seinen Zeitgenossen, und sie waren sich spinnefeind. Die Italienerinnen Francesca Cuzzoni und Faustina Bordoni waren im frühen 18. Jahrhundert europaweit umschwärmte Sopranstars.

Wer ist hier die «Primadonna»?

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Divenkrieg – die Geschichte

4:53 min, vom 4.8.2014

Immer wieder wagte es ein Opernimpresario, die zwei Sängerinnen gemeinsam auf die Bühne zu bringen. Zwei starke Frauen im selben Stück: Das versprach doppelten Genuss, doppelte Spannung und ein volles Haus.

Doch risikofrei war das Unterfangen nicht. Denn Diven brauchen Platz – und eine Bühne für zwei Diven kann schnell eine Bühne zu wenig sein. Vor allem, wenn beide auf den Titel «Primadonna» aus sind. Und so kam es, wie es kommen musste: Am 6. Juni 1727 gerieten Francesca Cuzzoni und Faustina Bordoni mitten in einer Bononcini-Oper aneinander. Es sollte ihr letzter gemeinsamer Auftritt sein.

Noch immer ein Erfolgskonzept

Das Glamourdrama, das heute wohl unter der Bezeichnung «Zickenkrieg» die Titelseiten erobern würde, war ganz nach dem Geschmack des Publikums, das schon damals nach Drama, Liebe und Hass lechzte. Und sich von der leidenschaftlichen Musik von Händels Zeit in einen Sinnestaumel ziehen liess. Der Zauber dieser Musik ist ungebrochen und der Wettstreit um die Krone der Sängerin ein höchst modernes Medienkonzept.

Das Projekt des Musikhistorikers Giovanni Andrea Sechi aus Bologna war also naheliegend: Er liess den historischen Zwist samt musikalischer Begleitung wieder auferstehen und führte die Akteure zusammen: Sopran Simone Kermes, Mezzosopran Vivica Genaux, sowie die Cappella Gabetta unter der Leitung von Andres Gabetta. Zusammen geben sie den traumhaft schönen Opernarien von Händel, Johann Adolph Hasse oder Leonardo Vinci neue Strahlkraft.

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