Ein Handwerker der guten Reime: Polo Hofer wird 70

Ein Blatt vor den Mund nehmen? Nicht Polo Hofers Ding! Er begeistert mit seinen Songtexten seit jeher Generationen. Auch, weil er sie so schreibt, wie sie die Schweizer verstehen. Doch seine Texte sind nicht nur eingängig. Sie sind auch literarisch, sagt der Germanistikprofessor Walter Haas.

Polo Hofer sitzt an einem Tisch und raucht. Auf dem Tisch steht ein Glas. Das Foto ist schwarz-weiss. Das Foto stammt aus dem Jahr 1990.

Bildlegende: Auf diesem Foto war er noch blutjunge 45. Am 16. März wird Polo Hofer 70 Jahre alt. Keystone

«Blüemlisalp i re Summernacht, nachdäm i ha e Bärgtour gmacht …» Bei diesen Zeilen klingelt – oder besser – tönt es bei fast jedem Schweizer. Sie sind aus Polo Hofers Überhit «Alperose». Aber sind diese Songzeilen nicht nur bekannt, sondern auch literarisch? «Unbedingt», sagt Walter Haas, emeritierter Germanistik-Professor an der Uni Freiburg.

Der Dialektologe Haas hat sich vor zehn Jahren mit dem Sänger an einer Vorlesung der Universität Freiburg über dessen Texte unterhalten. Er hebt die sprachlichen Vorzüge der Polo-Hofer-Texte hervor.

Intellektuell wie Mani Matter sei Hofer nicht, aber er schaue den Deutschschweizern genau auf den Mund: «Polo Hofer achtet auf die Sprache. Er konzentriert sich fast altmodisch darauf, dass seine Texte gelebte Mundart widerspiegeln und nicht Strukturen vom Standarddeutschen übernehmen. Und er ist ein Handwerker, der einfach gute Reime machen will», sagt Haas.

Reime sind eingängig

Rund 360 Lieder mit mundartlichen Texten hat Polo Hofer in seiner Karriere herausgegeben. Alle hat er selbst geschrieben: «Mir ist wichtig, dass die Lieder textlich stimmen. Ich muss sie ja dann auch selbst vortragen», sagt der gebürtige Interlakener, den alle duzen. Polo will es so.

Anders als bei Gedichten setzt Polo in seinen Liedertexten oft auf Reime: «Diese sind für die Leute eingängiger.» Englische Lieder schreibe er schon seit über 45 Jahren nicht mehr. «Damit können nur Muttersprachler Erfolg haben», ist er überzeugt. Er kann nicht verstehen, dass so viele junge Schweizer Musiker auf Englisch singen.

Die Herausforderung bei Mundarttexten sei, dass alle verstehen, was gesungen werde: «Da muss der Text auch Hand und Fuss haben.» Das hat Polo Polo mit vielen Texten erreicht. Damit möglichst viele Leute die Liedertexte verstehen, braucht Hofer ein Allerwelts-Berndeutsch. Seine Oberländer Herkunft hört man kaum.

Liebe ohne Happy End

Aber nicht nur die Sprache zeichnet Polo Hofer aus. Auch die Themen sind typisch Polo. Von witzigen Alltagssituationen über aktuelle, lokale Themen bis zu weltweiten Missständen: Der Sänger nimmt bei keinem Thema ein Blatt vor den Mund. Und er ist sich für kein Thema zu schade. Ausser für schlagermässige Schönwettersongs. «Die Realität sieht anders aus. 50 Prozent der Ehen werden geschieden», sagt Polo. In seinem Texten gibt es zwar regelmässig Geschichten rund um Liebe und Paarbeziehungen. Auch der Hit «Alperose» muss ohne Happy End auskommen.

Doch Polos Texte haben sich mit der Zeit verändert: Der Polo von der Band Rumpelstilz in den 1970er-Jahren ist nicht derselbe wie der spätere Polo: «Früher waren es eher Lumpenlieder. Mit der Zeit sind die Themen dann ernster geworden.» Bei «Ds letschte Hemmli» und «Im letschte Tram» setzt er sich auch mit dem Tod auseinander.

Vorerst aber das Leben: Happy Birthday, Polo!

Sendungen zum 70. Geburtstag

«Persönlich» aus Thun mit Polo Hofer und Melanie Oesch: Am 15.3.2015 um 10:03 Uhr auf Radio SRF 1.

«Treffpunkt» – Begegnungen mit dem Erfinder des Mundartrock: Am 16.3.2015 um 10:03 Uhr auf Radio SRF 1.

«Schnabelweid» – Polo Hofer als Texter und Dichter: Am 12.3.2015 um 21:03 Uhr auf SRF 1.

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