Er klang wie ein heiserer Kater: Jazzer Gato Barbieri ist tot

Der argentinische Tenorsaxophonist Leandro Barbieri ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Sein Kosenamen hat sein Schaffen bestens charakterisiert: El Gato, der Kater, liess sein heiseres Liebeswerben immer mit grosser Intensität erklingen, und verband dabei Free Jazz und südamerikanische Klänge.

Leandro Gato Barbieri beim Saxophonspielen.

Bildlegende: Berühmt wurde der Saxofonist Gato Barbieri durch seine Filmmusik für «Der letzte Tango in Paris» aus dem Jahr 1972. Reuters

«Das Jazzgefühl ist ein Teil meiner Musik. Der andere Teil ist Südamerika.» So zitiert der deutsche Jazzbassist und Musikjournalist Martin Kunzler Leandro «Gato» Barbieri in seinem Jazz-Lexikon. Klarer kann man es wirklich nicht sagen.

Leandro «Gato» Barbieri verband in seiner Musik zwei Welten, die sich von jeher und in vielen Varianten nahe waren und immer noch sind. Und nicht zufällig taucht er mit seinem Tenorsaxophon immer dort in der Musikgeschichte auf, wo Intensität Programm ist: im Free Jazz der 1960er-Jahre, als Lieferant der Filmmusik zu Bernardo Bertoluccis «Last Tango in Paris», aber auch als Ko-Solist in Carlos Santanas Hymne «Europa».

Auf den Spuren von musikalischen Heroen

Gato Barbieri begann in den 1950er-Jahren, Jazz zu spielen, nachdem er Musik von Charlie Parker gehört hatte, und tauchte bald in der Band eines anderen grossen argentinischen Musikers auf, Lalo Schiffrin.

Ende der 1960er-Jahre waren seine musikalischen Heroen dann aber die grossen Free-Jazz-Tenoristen von John Coltrane über Albert Ayler bis zu Pharoah Sanders. Und in der Kombination ihrer mächtigen und intensiven Klänge und seinen südamerikanischen Wurzeln hatte Barbieri seine Stimme gefunden.

Diese Stimme, dieses heisere Röhren des Katers, war sehr gefragt. Carla Bley wollte ihn in bei ihrem Opus Magnum «Escalator Over The Hill» dabei haben, aber auch in Charlie Hadens Liberation Music Orchestra war er nicht zu überhören.

Er blies wie El Pampero

Eine Sternstunde hatte Gato Barbieri 1971 am Jazz Festival von Montreux. Die Live-Platte eines Mitschnitts, der unter schwierigsten Umständen morgens um vier zustande kam, ist eines seiner Meisterwerke.

Er blies so mächtig wie der Pampero, der kalte und starke Südwind, der in Argentinien über die Pampa fegt. Eine Ad-Hoc-Band begleitet ihn durch Klassiker wie «Mi Buenos Aries querido» oder «Brasil».

Mitte der 1970er-Jahre duettierte Barbieri dann mit dem Gitarristen Carlos Santana in dessen Hymne «Europa», und leitete damit ein musikalisches Kapitel ein, dem seine alten Fans nicht mehr bedingunglos folgen mochten.

Barbieris Musik wurde seichter, ohne jedoch wirklich den Mainstream zu erreichen.Und so erinnert man sich seiner bis heute vor allem durch seine Produktionen aus den frühen 1970er-Jahren wie dem berühmten «Last Tango in Paris» oder eben «El Pampero».

Sendung: SRF 4 News, Nachrichten, 03.04.2016, 09:00 Uhr.