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Musik Er veredelte Songs von Sting – dafür gabs Krach mit dem Bruder

An der Seite seines Bruders, dem Supertrompeter Wynton Marsalis, wurde Saxofonist Branford Marsalis bekannt. Dann kehrte er dem klassischen Jazz den Rücken: Er tat sich mit Sänger Sting zusammen und begann zu experimentieren. Der Bruder nahms ihm übel, Branford Marsalis hingegen blühte richtig auf.

Branford Marsalis am Saxofonspielen, angestrengtes Gesicht, Bild in Blau-Violett-Tönen.
Legende: Ein Chamäleon mit Bodenhaftung: Der Saxophonist Branford Marsalis verändert sich ständig, ohne sich je zu verlieren. Keystone

«Üb halt einfach mal!» – diesen Satz hat Branford Marsalis mehr als einmal zu hören bekommen. Nicht etwa von seinem Vater oder von einem seiner Lehrer. Nein, von seinem Bruder, der erst noch jünger war: dem Trompeten-Wunderkind Wynton Marsalis.

Der Posten des Jazz-Wunderkinds war schon besetzt

Aber Branford Marsalis wusste, was er drauf hatte. Und, noch wichtiger: Er hatte offenbar ein Einsehen und übte. Sonst wäre er nicht mit 20, zusammen mit dem jüngeren Bruder, in der Band von Art Blakey gelandet, den Jazz Messengers, einer Jazzer-Talentschmiede. Ausserdem hätte er danach nicht in der Band von Wynton Marsalis mitgespielt. Einer Band, die in den 1980er-Jahren für viele Fans und Kritiker die Rettung des Jazz war – damals, als der Jazz wieder einmal totgesagt wurde.

Es waren sehr erfolgreiche Jahre für Branford Marsalis an der Seite des jüngeren Bruders. Danach aber wurde es für ihn Zeit, den eigenen Weg zu gehen. Weil der Posten des Jazz-Wunderkinds schon besetzt war von Wynton, wandte sich Branford Marsalis ab vom Jazz und einem anderen Meister zu: Gordon Matthew Thomas Sumner, kurz Sting. Dessen Songs hatten es ihm angetan, und er stieg bei Sting gleich mit einer ganzen Begleitband ein. Mit dabei waren Omar Hakim am Schlagzeug und Kenny Kirkland am Piano.

Bruderzwist als Kampf der Generationen im Jazz

Es war eine Win-Win-Situation: Die sowieso schon guten Songs von Sting wurden auf ein nächstes Level gehoben, und für Branford Marsalis öffneten sich viele Türen. Nur eine Tür ging zu: Die zu seinem Bruder Wynton.

Wynton Marsalis konnte den Flirt von Branford mit der Welt des Pops partout nicht verstehen. Natürlich wurde der Bruderzwist in der berühmtesten Jazzfamilie der Zeit von den Medien dankbar aufgenommen. Er stand für einen Kampf der Generationen im Jazz, auch wenn nur gerade 14 Monate die beiden Streithähne trennten.

Klassik, Hip-Hop und Filmmusik für Spike Lee

Die Brüder vertragen sich in der Zwischenzeit wieder. Aber sie stehen für komplett unterschiedliche Musik. Wynton Marsalis' Auffassung von gutem Jazz wurde immer konservativer. Branford Marsalis hingegen experimentierte auch nach seiner Zeit bei Sting weiter, in alle Richtungen. Er nahm ein Album auf mit Milt Hinton auf, einem alten Swing-Bassisten. Er vermischte Jazz mit Hip-Hop in seinem Projekt Buckshot LeFonque. Für Regisseur Spike Lee machte er Filmmusik. Und er ging sogar mit klassischer Musik ins Studio.

Diese bunte Mischung ermöglicht sich Marsalis durch seine Arbeitsweise. Er hat eine «working band», eine feste Band, mit der er seine Vision von Jazz weiterentwickelt. Und nebenher experimentiert er immer wieder mit anderen Musikrichtungen. Er ist ein Hansdampf mit Tiefgang. Und er hat in genau dieser Rolle seine musikalische Bestimmung gefunden. Wo Branford Marsalis drauf steht, ist Branford Marsalis drin. Was nicht unbedingt Jazz heissen muss. Aber es ist immer Qualitätsarbeit.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Hans Peschler, Zürich
    Hier fehlt was, das vielleicht den Bruderzwist erst wirklich angefeuert hat: Branford hat eine zeitlang vor seinem Wirken in der Band um Sting nämlich bei Miles Davis gespielt (Album Deco), und damals anfangs 80er Jahre hatten sich Miles und Wynton mit Spott & Häme nur so übergossen, dass Aussenstehende den Kopf darüber schüttelten. In diesem Artikel wird aber doch klar, dass sich Branford eher am offenen Musikverständnis von Miles Davis als an jenem Elitären seines Bruders orientiert hat.
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