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Faber – der Sänger über seinen eigenen Erfolg
Aus Kulturplatz vom 20.11.2019.
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Faber im Interview «Man müsste es ja nicht machen, das Ganze»

Faber, dieser Vollgasmusiker mit dem Faible fürs Fluchen: Er geht an Grenzen, scheint stets bereit zu scheitern.

Erreicht man so die Dinge, von denen andere Musikerinnen und Musiker kaum zu träumen wagen? Der junge Zürcher im Gespräch über Ehrgeiz und Erfolg, das Älterwerden und Outdoor-Jacken.

Faber

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Der 26-jährige Zürcher Musiker Julian Pollina alias Faber tingelt gerade von Show zu Show durch Deutschland, Österreich und die Schweiz und stellt seinen Fans in kleinen Clubs sein neues Album vor: «I Fucking Love My Life». Der Songwriter wird für seine ungefilterten Texte geliebt und gehasst.

SRF: Faber, Sie sind in den letzten drei Jahren wie eine Rakete abgegangen. Wie lebt man auf der Überholspur?

Faber: Man bekommt nicht so viel mit. Es rauscht vieles an einem vorbei. Man erlebt zwar viele gute Sachen, aber es hinterlässt auch Spuren.

Man muss schon ein bisschen auf sich aufpassen. Wenn man sowieso schon ein Typ ist, der sehr selbstzentriert ist, ist Musiker nicht unbedingt der richtige Beruf.

Weshalb?

Es verstärkt diese Selbstzentriertheit noch mehr. Man kriegt so viel Aufmerksamkeit von überall. Dieselbe Aufmerksamkeit erwartet man dann auch im Privaten, und das ist natürlich ein Fehler.

Eigentlich würde ich am liebsten nicht als öffentliche Person wahrgenommen werden. Ich glaube, das ist ein Scheiss.

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Faber: «Polarisieren ist nicht geil»
Aus 10vor10 vom 31.10.2019.
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Aber Sie sind doch auch gut schweizerisch und bescheiden?

Das täuscht! (lacht) Ich überlege mir natürlich sehr oft, was diese Aufmerksamkeit mit mir macht.

Gerade vorgestern wurde ich gefragt, ob ich mich eigentlich nicht mehr vorstellen würde, zum Beispiel in einer Gruppe. Da habe ich gemerkt: Ich habe mich ja den ganzen Abend noch kein einziges Mal vorgestellt.

Nächsten Sommer sieht man mich dann mit der Outdoor-Jacke nach Norwegen wandern gehen.

Man hat also Angst, dass man irgendwann ein bisschen ein Arsch wird?

Ich glaube schon.

Du bist gerade aus Deutschland in die Schweiz zurückgekommen. Ist das nicht auch eine Art gesunde Therapie? Hier zu sein, mit Leuten, die man kennt?

Doch klar, deshalb wohne ich auch in Zürich, wo ich aufgewachsen bin. Es sind immer die gleichen Leute in meinem Umfeld, die zum Teil überhaupt nichts mit Musik zu tun haben oder meine Musik auch recht langweilig finden. Das ist schon gut so.

Ich bin am Donnerstagabend nach Hause gekommen und war nach einer Stunde so fest wieder hier in Zürich, dass ich alles andere sofort vergessen habe. Aber die ständigen Wechsel sind hart. Man hat keine Zeit, um eine Übergangsphase zu finden.

Sie sagen, Sie wollen bald erwachsen werden.

Ja, nächstes Jahr. 2020.

Sind Sie sozusagen unter medialer Superaufmerksamkeit am Erwachsenwerden?

Ja, voll. Das ist mein neues Thema, und das teile ich mit allen. (lacht) Aber es kommt gut, glaube ich. Nächsten Sommer sieht man mich dann mit der Outdoor-Jacke nach Norwegen wandern gehen.

Es ist schwierig, eine gute Balance zu finden.

Sie erzählen in Interviews gerne wilde Geschichten. Zum Beispiel haben Sie einmal gesagt, Sie wären verheiratet.

Ja, das stimmt nicht. Aber wahrscheinlich entsprach das für mich der Wahrheit, da ich mich damals so gefühlt habe. Wahrscheinlich war ich so verliebt, dass ich dachte, wir wären tatsächlich verheiratet.

Wie sieht der Aggregatszustand in Sachen Liebe jetzt aus?

Flüssig, würde ich sagen. Es ist so eine Übergangsphase, in der ich mir mega viel überlegen muss, wie ich was in Zukunft machen möchte. Ich stecke sicher in einer Phase der starken Veränderung.

Eingangs haben Sie gesagt, dass die öffentliche Aufmerksamkeit etwas mit Ihnen macht. Was kann man denn dagegen tun?

Man müsste es ja nicht machen, das Ganze. Das ist bei allen Musikerinnen und Musikern so. Alle wollen, dass es gut läuft – gleichzeitig will man nicht zu viel Trubel um die eigene Person. Es ist schwierig, eine gute Balance zu finden.

Es gibt nur einen einzigen Song von Ihnen auf Schweizerdeutsch: «Es ist Heiligabend, und ich bin besoffen».

Ja, das stimmt.

Warum ist das der Einzige? Das Lied kommt einem ungeheuer nahe, wenn man das Video auf YouTube, Link öffnet in einem neuen Fenster schaut.

Das könnte am Thema «Heiligabend» liegen. Und daran, dass der Song sehr direkt ist. Aber vielleicht liegt es auch an der Sprache. Im Hochdeutschen ist eine kleine emotionale Abgrenzung da. Auf Schweizerdeutsch ist diese Abgrenzung viel schwächer.

Ich fluche viel weniger als meine Freunde in Palermo.

Könnten Sie sich denn vorstellen ein Album auf Schweizerdeutsch aufzunehmen, um diese zusätzliche Nähe zu schaffen?

Ich glaube nicht. Es stellt sich dann auch die Frage, ob man das möchte. Noch mehr Nähe schaffen? Und alle Dinge teilen?

Ein Album auf Schweizerdeutsch ist jetzt nicht das, worauf ich mega Lust hätte. Da hätte ich mehr Lust was auf Italienisch oder Französisch zu machen als auf Schweizerdeutsch.

Sie sind ja mit dem Italienischen aufgewachsen, haben zu Hause italienisch gesprochen. Da ist es nicht weit hergeholt, auch Songs auf Italienisch zu schreiben.

Ja. Nur ist es so, wenn ich zum Beispiel mit meinen Freunden in Palermo bin, merke ich schon, dass ich irgendwie ein altes Italienisch spreche. So wie meine Eltern halt. Ich fluche viel weniger als meine Freunde in Palermo. Ich bin viel höflicher. (lacht)

Das Gespräch führte Eva Wannenmacher.

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