«Gehacke, Poltern und Stolpern» – C. Ph. Bach schreibt über Musik

Wie ein Tasteninstrument schön klingt, wusste er. Und wie es nicht tönen sollte, ebenfalls. In seinem «Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen» gab Carl Philipp Emanuel Bachs musikpädagogische Anleitungen. Und schrieb ein bedeutendes Lehrwerk für Tasten-Instrumentalisten.

Gemälde, dass ein Konzert in einem pompösen Saal zeigt.

Bildlegende: Carl Philipp Emanuel Bach am Cembalo auf Adolph Menzels Gemälde «Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci» (e... Wikimedia

Der zweitälteste von J. S. Bachs Musikersöhnen will der Welt eine «Anleitung zum Clavierspielen» übergeben. Selbstbewusst und voller Ambition schreibt Carl Philipp Emanuel Bach 1753 in seiner «Vorrede»: «Ich bin hier willens die wahre Art zu zeigen, Handsachen mit Beifall vernünftiger Kenner zu spielen.»

Er möchte also zeigen, wie man von Sachverständigen Applaus erntet. Mit scharfen Worten beschreibt C. Ph. Bach in seiner Einleitung, was für ihn die schlechte Art des «Clavierspiels» ist:

«Man hat mehrenteils Clavier-Spieler gehöret, welche nach einer abscheulichen Mühe endlich gelernt haben, verständigen Zuhörern das Clavier durch ihr Spielen ekelhaft zu machen. Man hat in ihrem Spielen das Runde, Deutliche und Natürliche vermisst, hingegen an statt dessen lauter Gehacke, Poltern und Stolpern angetroffen. Indem alle anderen Instrumente haben singen gelernt, so ist bloß das Clavier ist hierinnen zurücke geblieben.»

Die wahre Art des «Clavierspiels»

Mit «Clavier» meint C. Ph. Bach alle Tasteninstrumente – von der Orgel bis zum Clavichord. Für C. Ph. Bach besteht die wahre Art des «Clavierspiels» aus drei Komponenten,

«welche so genau mit einander verbunden sind, dass eines ohne das andere weder sein kann noch darf: nämlich die rechte Finger-Setzung, die guten Manieren, und der gute Vortrag.»

Was es mit den «Manieren» auf sich hat, erklärt er später. In jedem Fall hat das Wort nicht die gleiche Bedeutung wie heute. Das erste Kapitel über die Fingersätze ist vor allem für aktive Tastenspielende interessant. C. Ph. Bach gibt darin Anweisungen zur Spieltechnik und zur Spielhaltung. Vieles hat heute noch seine Gültigkeit, einiges wirkt antiquiert.

Töne geschmeidig verbinden

Schon das zweite Kapitel kann auch für andere Instrumentalisten lehrreich sein. Es behandelt die Manieren: die Verzierungen in der Musik wie etwa Triller oder Schleifer und deren Ausführung.

«Es hat wohl niemand an der Notwendigkeit der Manieren gezweifelt. Man kann es daher merken, dass man sie überall in reichlicher Menge antrifft. […] Sie hängen die Noten zusammen, sie beleben sie, sie geben ihnen wenn es nötig ist einen besonderen Nachdruck und Gewicht. Sie machen sie gefällig und erwecken folglich eine besondere Aufmerksamkeit, sie helfen ihren Inhalt erklären. Es mag dieser traurig oder fröhlich oder sonst beschaffen sein wie er will, so tragen sie allezeit das ihrige dazu bei. Sie geben einen ansehnlichen Teil der Gelegenheit und Materie zum wahren Vortrage.»

Die schnellen Noten der Verzierungen sollen dabei helfen, die einzelnen «Clavier»-Töne möglichst geschmeidig zu verbinden. Gemäss C. Ph. Bach ermöglichen sie es, in die folgende Note „hinein zu schleifen“.

Am wichtigsten sind die Emotionen in der Musik

Im dritten Kapitel hält er fest, dass auch die perfekteste Technik noch kein Garant für einen guten Musiker oder berührende Musik ist. Viel wichtiger sei das Erkennen, Nachempfinden und Vermitteln des emotionalen Gehalts der Musik.

«Indem der Musikus nicht anders rühren kann, er sei dann selbst gerührt, so muss er notwendig sich selbst in alle Affekte setzen können, welche er bei seinen Zuhörern erregen will. Er gibt ihnen seine Empfindungen zu verstehen und bewegt sie solchergestalt am besten zur Mit-Empfindung. Bei matten und traurigen Stellen wird er matt und traurig. Man sieht und hört es ihm an.»

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 3.10.14, 12:10 Uhr.

C. Ph. Bachs «Versuch»

«Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen» ist umfassender als andere Clavierschulen der Zeit. Das musikpädagogische Werk gehört heute zusammen mit den fast zeitgleich erschienenen Lehrwerken von J. J. Quantz und L. Mozart zu den wichtigsten Quellen für die historische Aufführungspraxis.