90. Geburtstag Harry Belafonte, Superstar und sanfter Rebell

Harry Belafonte war einer der ersten schwarzen Superstars der USA – doch der Mann aus armen Verhältnissen hatte noch andere Ziele als das glitzernde Showbiz.

Porträt eines lachenden Harry Belafonte.

Bildlegende: Musiker, Weltstar, Kämpfer gegen Rassendiskriminierung: Harry Belafonte. Getty Images

  • Harry Belafontes Kindheit war geprägt von Armut und Rassismus, dennoch schaffte er in den 50er-Jahren den Durchbruch als Entertainer.
  • Mit seinem Ohrwurm «Day-O» gelang dem Musiker 1956 einen Welthit. Sein drittes Album war die erste LP, die über eine Million mal verkauft wurde.
  • Belafonte nutzte seinen Erfolg, um gegen Rassendiskriminierung zu protestieren und erhielt dabei Unterstützung von führenden Politikern.
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Harry Belafonte über sein Engagement («Karussel» vom 31.10.1979)

2:37 min, vom 1.3.2017

«Die falsche Hautfarbe»

Der junge Mann, der am 1. März 1927 in Harlem auf die Welt kam, hatte denkbar schlechte Karten: die Mutter Putzfrau, aus Jamaica eingewandert, der Vater zumeist abwesend. Ein Leben in Armut.

Die Gesellschaft rund um ihn herum war rassengetrennt. Um seine Träume verwirklichen zu können, habe er die falsche Hautfarbe, gab man ihm zu verstehen. Dagegen wollte der junge Mann rebellieren, auf seine eigene Weise.

Ein Song wird zum Welthit

Der erste Schritt in die eigene Freiheit war der Besuch der Theaterschule, es folgten Auftritte, auch als Sänger. Harry Belafonte begann, sich in letzterer Kategorie einen Namen zu machen – bis er ein riesiger Star war.

«Day-O» von 1956 wurde zum Welthit. Seine dritte Langspielplatte namens «Calypso» war das erste Album überhaupt, von dem über eine Million Exemplare verkauft wurden. Belafonte hatte es geschafft, in der einen Sparte neben dem Sport, in der man auch als Schwarzer Erfolg haben konnte.

Sanfte Rebellion

Ihm selbst ging es also gut, aber die frühen Erfahrungen als Schwarzer in den USA hatte er nicht vergessen. Seine Rebellion gegen Ungerechtigkeit und Rassenungleichheit war eine vergleichsweise sanfte.

Er war ein Star, das Publikum – vor allem auch das weisse – wollte den gut aussehenden Mann, der den Vereinigten Staaten die Musik der Karibik beigebracht hatte, singen sehen. Das gab ihm Gewicht.

Selbst Veranstalter, die eigentlich für eine strenge Rassentrennung standen, mussten sich dem Wunsch des Publikums beugen, etwa in Las Vegas oder New York City.

Sein Freund, Martin Luther King

Belafontes Einfluss reichte aber noch viel weiter, was vor allem an seinem Charakter lag: Er protestierte leise, aber bestimmt, er wirkte vermittelnd anstatt konfrontierend.

Er wurde von allen Seiten kontaktiert. Der Baptisten-Pastor und Kopf der Bürgerrechtsbewegung aus dem Süden, Martin Luther King, wurde sein Freund.

Eine ältere Frau spricht mit einem jungen Paar.

Bildlegende: Weltausstellung in Brüssel, 1958: Harry Belafonte mit seiner Ehefrau trifft Eleanor Roosevelt (links). Keystone

Kontakte bis ins Weisse Haus

Gleichzeitig kam er in Kontakt mit weissen Persönlichkeiten, die für den Kampf der schwarzen Bevölkerung der USA wichtig waren: etwa die frühere Präsidentengattin Eleanor Roosevelt oder den Präsidenten John F. Kennedy. Später unterstützte Belafonte unter anderen die Anti-Apartheid-Bewegung und wurde 1987 zum Unicef-Botschafter ernannt.

Harry Belafonte wurde als Sänger weltberühmt – ebenso wie seine musikalischen Hits aus den 50er- und 60er-Jahren wird seine humanitäre Arbeit der letzten sieben Jahrzehnte in Erinnerung bleiben.

Sendungen:
Radio SRF 2 Kultur, Vorabendprogramm, 1.3.2017, 16 Uhr
Radio SRF 2 Kultur, Jazz Collection, 7.3.2017, 21 Uhr

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