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Beyoncé ersetzt das Wort «Spaz» im Songtext
Aus Kultur-Aktualität vom 04.08.2022.
abspielen. Laufzeit 3 Minuten 39 Sekunden.
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«Heated» wird neu aufgenommen Beyoncé muss über die Bücher – aber wie stellt sie das an?

Weil die Queen B ins Fettnäpfchen trat, muss sie einen Song nachträglich ändern. Ein Experte erklärt, wie das funktioniert.

Beyoncés neues Album «RENAISSANCE» ist ein Medienereignis. Schlagzeilen machte der Superstar zuletzt aber vor allem wegen eines einzigen Wortes: «Spaz». Der Begriff findet sich im Song «Heated».

«Spaz out» bedeutet so viel wie «ausflippen». Das Problematische daran: «Spaz» kommt vom Wort Spastik und wird auch abwertend gegenüber Menschen mit Behinderung benutzt. Nach der Kritik hat Beyoncé das Wort im Lied ersetzt.

Bereits zwei Monate zuvor war es der Sängerin Lizzo ähnlich ergangen. Sie hatte den Begriff in einem Songtext ebenfalls verwendet. Wegen öffentlicher Kritik hatte sie den Text später geändert.

füllige Frau in blau glänzendem Top singt in Mikrofon, die Arme gehoben.
Legende: Auch die Sängerin Lizzo benutzte das Wort «Spaz» in einem Songtext und stand deshalb in der Kritik. Keystone / AP Invision

Dass Zeilen nachträglich abgeändert und Songs neu aufgenommen werden, gehöre zum Musikgeschäft, sagt der Schweizer Musikproduzent Luk Zimmermann. Dass das allerdings erst nach der Veröffentlichung eines so grossen Albums geschieht, sei ungewöhnlich.

Denn meist stecke eine ganze Armada an Instrumentalisten, Produzent und Textern hinter der Song-Produktion. Trotzdem schien niemand davon den Fauxpas bemerkt zu haben.

Jetzt wurde das Wort rausgeschnitten und ersetzt. Aber kann man das einfach so? Erst mal brauche es einen guten Ersatz, meint Zimmermann. «Die Songwriter oder Texter müssen sich nochmals hinsetzen und das Wort, gegebenenfalls sogar die ganze Zeile, ersetzen. Danach muss das neu aufgenommen werden.»

Mehr Arbeit, mehr Kosten

Beyoncé musste sich für den Fauxpas also erneut hinters Mikrofon stellen. Aus «Spazzing on that ass, spaz on that ass» wurde«Blastin' on that ass, blast on that ass.» Damit nicht genug: «Wegen der neuen Stimmaufnahme muss der Song natürlich neu gemischt werden.»

Das Abmischen kann unterschiedlich aufwendig sein, je nach Präferenz der Produzentin. Einige mischen gern komplett digital, andere lieber mit physischen Tonreglern. Bei letzterem sei der Aufwand um einiges höher: «In der analogen Welt machen schon kleine Bewegungen an den Drehreglern viel aus. Das kann einen ganzen Tag dauern.»

Frau mit langem Haar blickt in die Kamera
Legende: Beyoncé verkündete, dass sie «abfällige Sprache» nicht unterstützen wolle und darum den Text ihres Songs ändere. Mason Poole/A.M.P.A.S. via Getty Images

Beyoncé und ihr Team haben sich mit der Song-Revision also Zusatzarbeit aufgebürdet und damit auch zusätzliche Kosten. Für Superstar Beyoncé wahrscheinlich verkraftbar.

«Auch eine Art Promo»

Dazu kommt, dass die ganze Geschichte auch einiges an medialer Aufmerksamkeit generiert. Bei solchen Kontroversen wird deshalb immer wieder die Vermutung laut, im Kern seien sie PR für die Musikerinnen und Musiker.

Das schliesst auch Zimmermann nicht aus: «Wir diskutieren jetzt darüber – das ist natürlich auch eine Art Promo.» Ob eine millionenschwere Musikerin wie Beyoncé diese Aufmerksamkeit noch nötig hat, darüber könne man streiten.

Die Geschichte biete ihr aber auch eine Plattform, sich mit ihren Anliegen als Künstlerin zu positionieren: «Sie kann damit auch sagen: ‹Ich denke anders als der Mainstream. Ich will eine Diskussion über dieses Wort, über diese Thematik in Gang setzen.›»

Ob gewollt oder nicht: Raum für ein Statement hat der Aufruhr Beyoncé auf jeden Fall eingebracht.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 04.08.2022, 17:20 Uhr;

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19 Kommentare

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  • Kommentar von SRF Kultur (SRF)
    Liebe Community,
    Wir schliessen die Kommentarsektion an dieser Stelle und freuen uns, wenn Sie beim nächsten Mal wieder dabei sind.
  • Kommentar von Jean-Pierre Schibich  (spectator)
    Eine politisch korrekte Kunst (Literatur, Film, Theater usw.) im Sinn der aktuellen Definition stelle ich mir sehr langweilig vor. Es gibt z.B. viel mehr Gemälde von der Hölle als vom Paradies. Die künstlerische Freiheit hört dort auf, wo sie Menschen, Volksgruppen usw. verächtlich oder lächerlich macht, Drohungen äussert oder zu Gewalt aufruft. Der Grat zwischen Verbot von "kultureller Aneignung" und "volksfremder" Kultur ("entartete Kunst" im Nationalsozialismus) ist dann sehr schmal.
  • Kommentar von Francis Waeber  (Francis Waeber)
    Man stelle sich nur mal das Riesengeschrei vor, wenn Songs wie God save the queen, silent scream - oder nur schon give it away, im heutigen Zeitalter der Moralapostel-Renaissance geschrieben und chartnoticed würden.....;-))