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Musik Joe Lovano – der neue Saxophone Colossus

Joe Lovanos Spiel ist die Synthese dessen, was auf dem Tenorsaxophon in den vergangenen 70 Jahren entwickelt wurde. Mit unvergleichlichem Ton, höchster Virtuosität und kaum endendem Ideenfluss zeigt er, was Jazz heute ist und sein kann.

Der Tenorsaxophonist Joe Lovano auf der Bühne, begleitet von einem unbekannten Pianisten.
Legende: Bandleader und gefragter Gast bei den Grossen im Jazz: Joe Lovano. Keystone

In den frühen 1980er-Jahren, als Joe Lovano die Jazz-Szene betritt, gibt ein Saxophonist den Ton an auf dem Tenor: Michael Brecker. Mit unfassbarer Virtuosität und schneidend scharfem Ton fräst er durch die Fusion-Tracks von Steps Ahead. Zusammen mit seinem Bruder Randy an der Trompete bildet er die gefährlichste Frontline des damals aktuellen Jazz.

Der Italiener

Joe Lovano funktioniert ganz anders. Auch er ist mit allen Wassern instrumentalen Handwerks gewaschen, aber seine Kunst ist nicht ganz so dominant. Vielleicht liegt es an seinem Hintergrund: 1952 als Sohn einer sizilianisch-stämmigen Familie geboren, ist er von Haus aus ein melodienseliger Mensch. Mit späteren Alben wird er anderen Melomanen mit italienischen Wurzeln Tribut zollen: Dem Wundertenor Enrico Caruso oder dem swingenden Italo-Amerikaner Frank Sinatra.

Berklee School und Woody Herman

Lovanos Vater ist selbst Saxophonist, Tony «Big T» Lovano ist eine lokale Grösse in Cleveland, und er weckt bei Joe das Interesse für den Jazz. Die eigentliche Ausbildung bekommt Joe Lovano an der berühmten Berklee School of Music in Boston.

Seine Gesellenjahre verbringt er in der Big Band von Woody Herman, wo schon viele seiner Vorgänger den rauen Wind des Musikerlebens kennen gelernt haben. Die erste Platte unter eigenem Namen realisiert Lovano mit 33, da verfügt er bereits souverän über alle Ausdrucksmittel, die ihn auszeichnen und kenntlich machen.

Das Jazzinstrument schlechthin

Der Saxophonist Joe Lovano wartet in der Station «
Legende: Joe Lovano in einer Station der New Yorker U-Bahn. joelovano.com / Jimmy Katz

Joe Lovano fasst die Geschichte des Tenorsaxophons in seinem Spiel zusammen. Irgendwann vor dem 2. Weltkrieg übernahm das Tenor von der Trompete die Führungsrolle und wurde zum wichtigsten Jazzinstrument. Der Gründervater Coleman Hawkins beerbte Louis Armstrong.

Seither wird die Geschichte des Jazz auf diesem Instrument geschrieben - es ist eine ehrfurchtgebietende Geschichte: Lester Young, Ben Webster, Dexter Gordon, Sonny Rollins, John Coltrane sind Monumente, jeder für sich ein «Saxophon Colossus», wie eine Platte Sonny Rollins‘ heisst. Dieser Tradition gilt es etwas Eigenes entgegenzusetzen.

Primus inter Pares

Joe Lovano fasst das Beste zusammen, was auf dem Tenorsaxophon gespielt wurde: Die magistrale Gebärde Coleman Hawkins‘, die Eleganz Lester Youngs, die Klangerotik Ben Websters, die raumgreifende Kraft Sonny Rollins und das harmonische Raffinement von John Coltrane.

Eigentlich gab es vor ihm nur einen Saxophonisten, der all dies auch in seinem Spiel zusammenfassen konnte, Joe Henderson, und der ist wohl auch der Haupt-Bezugspunkt für Joe Lovano.

Seit 30 Jahren ist Joe Lovano so etwas wie der Primus inter Pares des Tenorsaxophons. Unzählige Alben hat er veröffentlicht, nicht alle sind gleich gelungen, aber auf allen ist, bei aller Unterschiedlichkeit, vom ersten Ton an klar, wer da seine Geschichten erzählt.

Besseres lässt sich über einen Jazzmusiker nicht sagen.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Strohm, Zürich
    Liebes SRF2-Team, bitte nehmt die Neugestaltung als Chance das sinkende Schiff "DRS" unter neuen Segeln wieder flott zu kriegen. Ähnlich den "Classic and Jazz"-Hybriden im Internetradio, wäre neben den gewohnt qualitativ hochwertigen Sprachbeiträgen, ein weitaus interessanteres Spektrum an Musik möglich. Auch die dezenten Töne am frühen Morgen könnten mit ECM Jazz und ruhigem Vocals oder Solos bestens ergänzt werden, ohne gleich das Bad mit dem Kind auszuschütten und Stammhörer zu verl...
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  • Kommentar von Helene Kern, Korneliusstrasse 2, 8008 Zürich
    Liebes SRF 2 ich war eine Woche verreist und jetzt ist zu Hause nichts mehr wie es war ! Wo bleibt meine liebste Sendung "Apéro" ????? Kein Jazz mehr auf SRF2 ? z.B. die Sendung von Beat Blaser auf der Seite Musik wird nicht erwähnt auf welchem Sender Jazz gesendet wird. Ich bin eine fleissige Hörerin von DRS 2 - äxgüsi - SRF 2 und die allabendliche Jazz-Sendung war einfach "Feierabend". Bin sehrsehr unglücklich...... trotzdem allem Frohe Weihnachten und ein erfolgreiches Neues Jahr Helen...
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    1. Antwort von SRF Kultur, Basel
      Liebe Helen, der Jazz wird definitiv nicht abgeschafft auf Radio SRF 2 Kultur. Was verschwindet, ist die Marke «Apéro». Zwischen 16.00 und 18.30 Uhr senden wir neu ein Programm mit Beiträgen aus Kultur und Gesellschaft und Musik, die etwas über das bisherige Apéro-Profil hinausgeht. Swingender Jazz kommt da immer noch vor, aber auch Blues, Singer/Songwriter und World Music. Wir hoffen, Sie können uns neu entdecken und wünschen Ihnen ein glückliches neues Jahr.
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