Kein Widerspruch: Thomas Gansch vereint Jazz und Volksmusik

Jazz und alpenländische Blasmusik? Geht bestens zusammen! Nicht wenige Blechbläser lernen in der Blaskapelle ihr Handwerk. Thomas Gansch ist einer von ihnen. Das Resultat ist Musik, die keine Grenzen kennt: Egal, ob Jazz oder Volksmusik – er mischt die Stile ohne Schere im Kopf.

Mann mit weissem Sacko spielt Trompete.

Bildlegende: Seine beiden stilistischen Welten Jazz und Volksmusik vereinigt Thomas Gansch in seiner eigenen Band «Gansch and Roses». Daniela Matejschek

Es gibt viele Dinge, die ein junger Blechbläser in einer guten Blaskapelle lernen kann: Technik, denn die Ländler, Polkas und Märsche sind zuweilen ganz schön tricky.

Zusammenspiel, denn spielerische Disziplin ist das A und O einer guten Kapelle. Und nicht zuletzt Kondition, denn auf einem Bierfest zum Tanz aufzuspielen, das kann ziemlich lange dauern.

Blaskappellen sind gute Schulen

Und so gibt es auch in Österreich nicht wenige Blechbläser, deren Weg von der dörflichen Blasmusik übers Konservatorium direkt in die klassischen Orchester und die Jazz Big Bands führt.

Mann vor Schaufensterpuppen mit Trompete.

Bildlegende: Seine Gruppe «Mnozil Brass» ist eine Kamikaze-Truppe, der nichts ist heilig ist, ausser: Die musikalische Qualität! Daniela Matejschek

Der gut 40-jährige Thomas Gansch ist so einer. Sein Vater leitete in St. Pölten als Kapellmeister die Blasmusik. Die Brüder Hans und Thomas Gansch lernen unter seinen strengen Augen das Trompeten-Handwerk.

Beide gehen später ins Konservatorium, Hans wird Professor am Salzburger Mozarteum, Thomas Jazztrompeter. Nicht nur allerdings.

Menschen glücklich machen beflügelt

Denn so eine Blasmusik-Jugend wirkt nach, und die Erfahrung, mit gut gespielter Volksmusik eine ganze Festhütte bei Laune halten zu können, ist ein Aphrodisiakum für die Musikerseele.

Das lernt Thomas Gansch gleich gegenüber dem Wiener Konservatorium kennen – in Josef Mnozils Gastwirtschaft.

Ein musikalische Kamikaze-Truppe

Dort nämlich pflegen die Musikstudenten zwar auch ihr Bier zu trinken, vor allem aber zu musizieren. Erst in einer Ecke, später auf einer kleinen Bühne hoch über den Tischen sitzen die Musikanten und spielen.

Die Leute wollen Stücke hören, die sie kennen, und die bekommen sie, auf höchstem blechbläserischen Niveau gespielt. Es sind immer wieder die gleichen Burschen, die ihre Trompeten, Posaunen und Tuben auspacken, und irgendwann bekommen sie Lust, über dem Hag zu grasen.

Das Resultat dieser Auftritte ist eine der berühmtesten und berüchtigtsten Blaskapellen Europas, die «Mnozil Brass». Ein Kamikaze-Truppe, der nichts ist heilig ist, ausser: Die musikalische und bläserische Qualität.

Lust auf mehr, Lust auf Jazz

Thomas Ganschs Interesse geht aber von Anfang an in Richtung Jazz. Er lernt die Jazzstandards, beginnt zu improvisieren und schon bald findet er sich wieder in einer der besten Big Bands des Kontinents, dem «Vienna Art Orchestra».

Seine beiden stilistischen Welten Jazz und Volksmusik vereinigt Thomas Gansch in seiner eigenen Band mit dem augenzwinkernden Namen «Gansch and Roses» und im Duo mit einem gleichgesinnten Urvieh, dem Wiener Bassvirtuosen Georg Breinschmid.

Österreich und die Volkmusik

Jazz und Volksmusik gehen in Österreich übrigens nicht nur bei den Blechbläsern überraschende Verbindungen ein: Zwei der international erfolgreichsten österreichischen Jazzmusiker, der Gitarrist Wolfgang Muthspiel und sein Bruder, der Komponist, Pianist und Posaunist Christian, wuchsen ebenfalls in einem solchen Umfeld auf.

Er habe erst mit 14 gemerkt, sagte Christian Muthspiel später, dass es nicht in allen Familien üblich sei, nach der Wanderung auf dem Berggipfel vierstimmige Jodler zu singen. So sind sie, die Österreicher. Zumindest die Musiker.

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