Klassik entstauben – mit «Meetingpoint Mozart»

Mozart ist uncool. Kaum ein Teenager interessiert sich heute noch für klassische Musik. Neue Vermittlungsangebote müssen her: wie zum Beispiel das Mitmach-Projekt «Meetingpoint Mozart». 15 Gymnasien und 2000 Schülerinnen und Schüler aus acht Kantonen sind daran beteiligt.

Ölgemälde: Mozart im Duett am Flügel, ein weiterer Mann stützt sich auf den Flügel, ein Bild einer Frau an der Wand dahinter.

Bildlegende: Mit 14 Jahren wenden sich Jugendliche oft ab von der Klassik: Das soll durch «Meetingpoint Mozart» anders werden. Johann Nepomuk dela Croce / Stiftung Mozarteum Salzburg

Die Klassik-Szene hat Nachwuchsprobleme. Im Publikum sieht es grau aus – im wahrsten Sinne des Wortes. Viele Veranstalter versuchen, mit Baby-, Kinder- und Familienkonzerten ihr eigenes Nachwuchspublikum heranzuziehen. Meist mit Erfolg – bis die Kinder in die Pubertät kommen. Dann ist kein Klassiker mehr cool – selbst Mozart nicht.

Mozart, eine gute Identifikationsfigur für Junge

«Wir verlieren sie alle mit 14 Jahren», sagt Walter Rambousek. Der Ökonom ist leidenschaftlicher Mozart-Experte und Mitglied des Beirats der Stiftung Mozarteum Salzburg. «Es braucht neue Vermittlungsangebote, speziell für diese Altersgruppe», sagt er. Und er glaubt, dass die Person Wolfgang Amadeus Mozarts sich besonders gut eignet, um «die junge Generation wieder etwas offener und empfänglicher für die klassische Musik zu machen» – nicht nur wegen seiner Musik, sondern auch wegen seiner Lebensgeschichte.

«Mozart war ein Freigeist, ein Querdenker, er hatte ein unheimlich spannendes Leben», weiss Rambousek. «Eine gute Identifikationsfigur für junge Leute», ist er überzeugt.

2000 Schülerinnen sind aktiv dabei

Und wie begeistert Rambousek die Jugend für seinen Mozart? Mit einem Projekt zum Mitmachen. «Meetingpoint Mozart» heisst es. Rambousek und seine Mitstreiter haben ein Jubiläum zum Ausgangspunkt genommen: Vor 250 Jahren reiste die Familie Mozart durch die Schweiz. In acht Kantonen machten sie Halt. Der damals zehnjährige Wolfgang und seine Schwester Nannerl gaben von Schaffhausen bis Genf bei den Adligen Konzerte.

Entlang dieser Reiseroute soll es nun wieder Konzerte geben – allesamt von und mit Jugendlichen. 15 Gymnasien und über 2000 Schülerinnen und Schüler sind aktiv dabei. Sie führen Opern von Mozart auf, singen seine Chorwerke, spielen Theater, kuratieren Ausstellungen. Platzkonzerte in SBB-Bahnhöfen sind ebenso geplant wie ein Dada-Aktionstag in Winterthur und ein Abschlussfest in der Zürcher Altstadt im Januar 2017.

Mozart hat bereits neue Fans gefunden

Die erste Produktion ist nach einjähriger Probenphase gerade erfolgreich gestartet: «Mozart al Dente» am Gymnasium Hofwil in Münchenbuchsee bei Bern. Schüler Manuel (19) hat Mozarts Musik dabei tatsächlich neu entdeckt: «Man sagt ja oft: Mozart gehört zum einfachen, zur schön hörbaren klassischen Musik. Aber wenn man sich tiefer damit befasst, hat es doch so eine Kraft. Man findet viele Sachen, die man beim einmaligen Hinhören nicht finden würde.»

Und selbst Schülerin Annelis (18), die durch Gesangsunterricht schon lange Kontakt zur klassischen Musik hat, empfindet ihr Mitwirken als grossen Gewinn: «Ich finde es besonders spannend, dass man hier Gesang, Schauspiel und Musik kombiniert. Es ist völlig etwas anderes, wenn man ein einziges klassisches Stück an einem Konzert singt.»

Sie alle werden später die Produktionen ihrer Kollegen in den anderen Kantonen besuchen und sind gemeinsam zu neuen Vermittlungsangeboten eingeladen: etwa an eine moderierte Generalprobe mit live gespielter Filmmusik zum berühmten Mozart-Film «Amadeus» – im KKL. So sollen Hemmschwellen abgebaut werden: Wer einmal einen Fuss in den funkelnden Klassik-Tempel am Vierwaldstädter Sees gesetzt hat, der wird es auch wieder tun, so die Hoffnung des Initiators Walter Rambousek. Auf das der graue Teppich im Publikum wieder bunter wird.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 1.3.2016, 7:20 Uhr.