Marcus Miller: Massgeschneiderte Musik für Miles & Co.

Wenn der Jazz-Musiker Marcus Miller produziert, entsteht nicht einfach ein Album. Es entsteht Musik-Design: ein massgeschneidertes Ambiente, in dem Musiker so gut zur Geltung kommen wie selten zuvor. Davon profitierte selbst ein Jazz-Star wie Miles Davis.

Mann an Bassgitarre.

Bildlegende: Marcus Miller in Aktion am Jazz Festival Montreux im Juli 2013. Reuters

Der athletische Mann mit dem kreisrunden, schwarzen Hut blickt meistens sehr konzentriert in die Kamera. Ein Blick, der signalisiert, dass hier jemand zu allem bereit ist. Und das trifft auf den 55-jährigen New Yorker auch tatsächlich zu.

Marcus Miller hat als Mann für alle Fälle Jazz- und Popgeschichte geschrieben. Die wichtigsten Vertreter dieser Musik holten ihn sich ins Studio und liessen sich von ihm ganze Alben designen. Der Trompeter Miles Davis zum Beispiel und nach ihm der Saxophonist Wayne Shorter oder der Pianist Herbie Hancock. Und der Sänger Luther Vandross.

Bereut hat es keiner. Grammys und andere Preise stellten sich dabei ebenso ein wie gute Verkaufszahlen. Auf rund 500 Alben soll Marcus Miller seine Spuren hinterlassen haben, wird gemutmasst. Gut möglich, dass es einige mehr sind.

Miles Davis als Meisterprüfung

Aber was heisst das, ein Album designen? Wer Marcus Miller freie Hand lässt, dem schreibt er die Stücke auf den Leib. Als Produzent sucht er die Mitmusiker sorgfältig aus oder spielt gleich selbst die wichtigsten Instrumente ein. Am Mischpult kreiert er daraus dann seinen unverwechselbaren Sound. Er schafft damit dem Hauptsolisten ein massgeschneidertes Ambiente, in dem er so gut zur Geltung kommt wie vielleicht noch nie zuvor.

Das schönste Beispiel – und in gewissem Sinne Millers Meisterprüfung – ist Miles Davis' 1986er-Album «Tutu». Mit Drumcomputern, Keyboards, Bassklarinette, Saxophon und handverlesenen Begleitmusikern zauberte Miller eine Klanglandschaft für Miles, die damals, Mitte der 1980er-Jahre, wirklich «state of the art» war. Der Trompeter fühlte sich darin wie in einer Kollektion von Haute-Couture-Kleidern und setzte dem Ganzen mit seinen wenigen Tönen die Krone auf.

Ein Sound als Markenzeichen

Was beim Wiederhören dieses legendären Albums ohrenfällig wird, ist vor allem die Vielfalt der tiefen Stimme. Natürlich bleibt die prägnante Linie als erstes auf dem Fender-Jazzbass haften. Nicht zuletzt, weil er den Groove antreibt. Darüber, darunter und dazwischen sind aber diverse Spuren in derselben Lage, die mit der Zeit den Eindruck eines ganzen Bassorchesters erwecken. Da wuseln eine bundlose Bassgitarre, eine Bassklarinette und diverse Synthesizer durcheinander – und ergänzen sich perfekt.

Dieses Prinzip hat Marcus Miller auf diversen weiteren Produktionen rezykliert und variiert – nicht zuletzt auf jenen unter eigenem Namen. Und hat sich damit zu einem Markenzeichen gemacht. Der Miller-Sound steht für ihn, den hochbegabten und vielseitigen Musiker. Und auch wenn sein Sound einfach zu beschreiben ist, leicht kopieren lässt er sich nicht.

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