60 Jahre Falco Mit Chuzpe, Charme und Kurzhaarschnitt

Am 19. Februar 2017 wäre der Wiener Pop-Narziss 60 Jahre alt geworden. Falco war mit seinem Achziger-Sound sehr erfolgreich – und stand unter enormem Druck.

Porträt Falco-

Bildlegende: Johann «Hansi» Hölzl alias Falco wäre am 19. Februar 2017 60 Jahre alt geworden. Imago/teutopress

  • Falco stand für den Sound der 1980er-Jahre: hedonistisch, manieriert, exaltiert.
  • Seinen ersten Hit hatte er mit 25 Jahren. Der frühe Erfolg setzte Falco unter Druck.
  • Der Musiker hatte auch eine verletzliche, komplexbeladene Seite.
  • Heute ist Falcos Nachruhm ungebrochen.

«In Wien musst du erst sterben, dass sie dich hochleben lassen. Aber dann lebst’ lang.» Falco, der am 19. Februar 2017 60 Jahre alt geworden wäre, hat die Sache mit dem Nachruhm realistisch eingeschätzt. Wien präsentiert sich heute nicht nur mit einer «Falcogasse», sondern auch mit einer «Falcostiege», deren Strassenschild übrigens das mit Abstand meist gestohlene der österreichischen Hauptstadt ist.

Andererseits: Dass Falco in seiner Vaterstadt zu Lebzeiten nicht angemessen gewürdigt worden wäre, kann man auch nicht behaupten: Schliesslich war der Pop-Narziss mit dem penibel gegelten Haar der einzige Rockmusiker des deutschen Sprachraums, der es je an die Spitze der US-amerikanischen Charts geschafft hat. So einer wird anerkannt, auch zu Lebzeiten.

Von Hansi Hölzl zu Falco

Was prädestinierte Falco zum Weltstar? Auf gut wienerisch gesagt: Chuzpe, Charme und Schmäh haben sicher einiges dazu beigetragen, dass es der Kleinbürgerspross aus dem Stadtteil Margareten ganz nach oben schaffte. Johann «Hansi» Hölzl, wie der Pop-Gott aus der Vorstadt mit bürgerlichem Namen hiess, wählte sein Pseudonym als Hommage an den DDR-Skiflugweltrekordhalter Falko Weisspflog. Musikalisch schuf Falco – im Gegensatz zu Weisspflog schrieb sich der Wiener mit «c» – den paradigmatischen Sound der 1980er-Jahre: hedonistisch, kunstvoll manieriert, voll exaltierter Grandezza. Falco, das war, zumindest im deutschen Sprachraum der Sound der Yuppie-Ära.

Von den zottelhaarigen Protestrockern der Vorgänger-Generation hob sich Falco früh ab – durch einen adretten Kurzhaarschnitt und das Tragen schnieker Designeranzüge. Künstlerisch setzte Falco auf eine kühne Synthese aus Hip-Hop, Funk, New Wave und frühem Dancefloor-Sound. 1982 landete er seinen ersten Welthit: «Der Kommissar». Eine biografische Herausforderung.

«Mit 25 steht ein junger Musiker, wie Falco es war, unter enormem Druck, wenn er einen Erfolg dieser Grössenordnung feiert», meint der österreichische Filmemacher Thomas Roth, der Falcos Leben 2007 in einer aufwändigen Filmbiografie verfilmt hat: «Plötzlich bist du Dollarmillionär, du hast Geld wie Heu, du wirst überall erkannt, die Frauen reissen sich um dich, aber das alles hilft dir nichts: Am Ende des Tages bleibt ein weisses Blatt Papier. Und auf dieses Blatt sollst du den nächsten Welthit schreiben. Und wenn du das nicht schaffst, bist du ein One-Hit-Wonder und sonst nichts.»

Ein komplexbeladener Kleinbürger

Falcos Leben vollzog sich auf einer abschüssigen Bahn. Am Ende dieses Lebens, mit 41, war er ausgepowert, leer, am Ende, davon ist auch die Wiener Society-Journalistin Angelika Hager überzeugt: «Hinter der Fassade des grossspurigen Geniedarstellers steckte nicht nur ein suchtkranker und hochgradig verletzlicher Mensch», resümiert Angelika Hager, «sondern auch ein durch seine Herkunft komplexbeladener Kleinbürger, der zeitlebens verzweifelt um die Anerkennung der Intellektuellen, Literaten und bildenden Künstler rang.»

Zu seinen Glanzzeiten durfte Falco mit dieser Anerkennung rechnen. Später, als es mit seiner Karriere bergab ging, nicht mehr so ganz. Vor 19 Jahren starb Falco bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik.

Vermarktungs-Maschinerie auf Hochtouren

Heute ist Falcos Nachruhm ungebrochen. Viele Falco-Songs sind Klassiker, Sony bringt pünktlich zum Gedenktag ein Album mit dem Titel «Falco 60» heraus, und natürlich gibt es auch ein Falco-Musical – eine bunt gemischte Gedächtnistruppe geht damit auf Tournee. Die übliche Mythenvermarktungs-Maschinerie.

Sonst aber kann man nicht behaupten, dass Falco die popkulturelle Gegenwart in nennenswerter Weise prägt. Der unverwechselbare Falco-Sound: Er bleibt den schwülen, grellen, hysterisierten Achtzigern verpflichtet. Ein Jahrzehnt, dem der Wiener musikalisch seinen Stempel aufgedrückt hat wie wenige andere.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 17.2.17, 17:20 Uhr.

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