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Wie der Klang ins Bild kommt – Musikerfotografie heute
Aus Passage vom 21.02.2020.
abspielen. Laufzeit 01:00:22 Minuten.
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Musiker vor der Kamera «Ein gutes Foto ist wie Musik – mit Rhythmus und Balance»

Bilder bestimmen heute die Welt – auch die Welt der Musik. Aber wie setzt man Musikerinnen und Musiker am besten in Szene?

Marco Borggreve ist einer der erfolgreichsten Fotografen in der Klassik-Szene. Kaum ein Star, der sich nicht von ihm porträtieren lässt. Was ist für ihn ein gutes Bild?

«Für mich ist es dann ein gutes Foto, wenn Musik darin ist», sagt Marco Borggreve. «Man muss die Regeln der Musik erkennen – Struktur, Linien, Phrasen, Rhythmus und Balance.»

Alte Instrumente vor Industriechic

Wie er all das in ein einziges Foto packt, lässt sich bei einem Fotoshooting mit dem Oliver Schnyder Trio in der Tonhalle Maag in Zürich beobachten. Der alte Industriechic gefällt dem Fotografen. Die offenen Betonflächen, die harten Stahlbalken und die grossen Fenster bringen klare Linien aufs Foto.

Sie stehen im Kontrast zu den fein geschwungenen alten Instrumenten der Musiker. Kontraste sind Marco Borggreves Markenzeichen.

Mit gezieltem Lichteinsatz – und einer guten Nachbearbeitung mit Photoshop – macht Marco Borggreve aus seinen Fotos inszenierte Kunstwerke. Und bringt damit Musik in die Bilder.

«Das Klare, Analytische seiner Bilder, auch die Transparenz – das sind Dinge, die uns auch in der musikalischen Arbeit im Trio wichtig sind», sagt Musiker Oliver Schnyder.

Beethovens grimmiger Blick

Inszeniert haben Musiker ihre Porträts seit jeher. Zum Beispiel Ludwig van Beethoven in seinem berühmten Gemälde von Joseph Karl Stieler. «Der Wald im Hintergrund, der grimmige Blick, das wilde Haar – eine solche Darstellung eines Musikers war damals absolut neu», sagt die Kunsthistorikerin Martina Papiro.

Damals hatte alles geordnet auszusehen – schon eine Locke, die quer steht, war ein symbolisches Zeichen des Widerstandes. Dass diese Widerständigkeit Beethovens musikalisches Credo ist, hat er ebenfalls im Bild festhalten lassen: mit dem Notenblatt in der Hand, dass das «Credo» aus seiner Missa Solemnis zeigt.

Den richtigen Moment erwischen

Auch ohne Inszenierung entstehen Bilder voller Klang – in der Konzertfotografie. Dort hat der Fotograf keinerlei Einfluss auf die Personen auf der Bühne, keinen Einfluss aufs Licht. Doch wer im richtigen Moment abdrückt, bekommt Bilder mit Gesten, die verraten, wie emotional Musik sein kann.

Wie zum Beispiel in einem Foto vom Konzert mit Joshua Redman und seiner Band Still Dreaming beim Jazz Festival Willisau. Die dunkle Bühne ist mit farbigen Scheinwerfern beleuchtet, die Bandmitglieder stehen dicht beieinander. Sie schauen einander nicht an – doch man spürt die magische Verbindung der Musik, ihre Konzentration, ihren Groove.

Eine Momentaufnahme während eines Jazzkonzerts. Die dunkle Bühne ist mit einzelnen, farbigen Scheinwerfern beleuchtet. Die Mitglieder der Band «Still Dreaming» mit Kontrabass, Schlagzeug, Trompete und Saxophon stehen dicht beieinander und spielen ihre Instrumente. Sie schauen einander nicht an, und bilden doch eine Einheit.
Legende: Magische Verbindung ganz ohne Blickkontakt: Die Band Still Dreaming am Jazz Festival Willisau. Marcel Meier

Austausch unter Fans

Diese und ähnliche Fotografien aus dem Publikum kursieren nach dem Konzert auf Instagram und Facebook. In speziellen Foren tauschen sich Fans über das Konzert und den besten Ausschnitt der Fotos aus.

Das zeigt: Musikfotografie ist nicht nur für Profis. Sie ist für alle – genauso wie die Emotionen, die Musik auslösen kann.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Passage, 21.02.2020, 20 Uhr

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