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Birth of the Cool: Netflix-Doku über Miles Davis
Aus Musikabend vom 27.04.2020.
abspielen. Laufzeit 17:13 Minuten.
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Netflix-Doku über Miles Davis Der Mann, der den Jazz cool machte

Ein Film-Tipp für Fans und solche, die es werden wollen: «Birth of the Cool» erzählt, wie Miles Davis zur Legende wurde.

Schöne Musik, exklusive Bilder, illustre Gäste und die krächzende Erzählstimme des Schauspielers Carl Lumbly in der Rolle des Miles Davis: Das sind die Mittel, mit denen der Film «Birth of the Cool» die Karriere des einflussreichsten Jazzmusikers aller Zeiten erzählt – von seiner Geburt bis zum Tod (1926 – 1991).

Online im Stream

Ansehen kann man sich den Film «Miles Davis: Birth of the Cool», Link öffnet in einem neuen Fenster auf Netflix (mit Abo).

Oft geht der Film im Schnellzugstempo voran. Doch er macht auch immer wieder an wichtigen Wendepunkten Halt und illustriert, welche Impulse Miles Davis aufnahm, um sich selbst künstlerisch in eine neue Richtung zu bewegen.

Aus dem Scheitern gelernt

In den 1940ern landet der junge Miles Davis zum Beispiel in New York und steigt mit Charlie Parker und Dizzy Gillespie auf die Bühne. Mit zwei Musikern, die den Bebop erfunden haben – einen Stil, der sich durch hohe Tempi und komplexe Harmoniefolgen auszeichnet.

Zwei schwarze Musiker mit Blasinstrumenten.
Legende: Da konnte er kaum mithalten: Miles Davis (r.) 1945 bei einem Auftritt mit Charlie Parker. imago images / Mary Evans

Miles Davis ist musikalisch und technisch noch völlig überfordert. Und er erhält auch keine Rückendeckung. Charlie Parker lässt Davis oft allein auf der Bühne zurück und lässt ihn scheitern.

Die Geburt des Cool Jazz

Miles beginnt dadurch zu verstehen, dass er stattdessen auf seinen lyrischen Trompetensound und seine sinnliche Phrasierung setzen muss. Er beginnt, mit Arrangeur Gil Evans zu arbeiten. Gemeinsam mit einem neunköpfigen Ensemble entsteht Ende der 1940er-Jahre die Musik zum Album «Birth of the Cool».

Dieses strahlt eine umwerfende Ruhe aus und ist ein klanglicher Hörgenuss. Miles Davis löst mit «Birth of the Cool» eine neue Ära aus: den Cool Jazz.

Frauen prägten seine Musik

Der sehr eigenwillige Miles Davis lässt sich von niemandem etwas sagen, weder von Plattenbossen noch von anderen Musikern. Doch von seinen Ehefrauen lässt er sich künstlerisch immer wieder beeinflussen.

Sei es durch Frances Taylor Davis, seine erste Ehefrau, die ihn trotz seines Widerwillens an eine Flamenco-Aufführung schleppt. Davis ist begeistert und nimmt 1959 die Grossproduktion «Sketches of Spain» in Angriff.

Ein Mann spricht in die Kamera.
Legende: Im Film kommen zahlreiche Musiker zu Wort, die mit Miles Davis spielten, etwa Herbie Hancock. Imago Images / Everett Collection

Seine spätere Ehefrau Betty Davis führt Miles Davis dagegen Ende der 1960er-Jahre in den Funk und den Rock ein und hat auch modemässig einen grossen Einfluss ihn. Diese Entwicklung mündet im bahnbrechenden Jazzrock-Album «Bitches Brew» von 1970.

Für zukünftige Fans

Von diesen Entwicklungen erzählt der Dokumentarfilm von Stanley Nelson. Eingefleischte Miles-Davis-Fans werden darin nicht viel Neues erfahren. Auch Zuschauer, die in die Musik von Miles Davis eintauchen wollen, werden wegen der sehr kurzen Musiksequenzen und viel Wortanteil während des Films nicht auf ihre Kosten kommen.

Aber der Film hat das Potenzial, Menschen zu erreichen, die erst dabei sind, Miles Davis und seine Musik zu entdecken. Die Doku befindet sich insofern ebenfalls an einer Schnittstelle: zwischen Miles-Davis-Fans und solchen, die es erst noch werden.

Radio SRF 2 Kultur, Musik Vorabend, 27.4.20, 16:03 Uhr

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Roger Stahn  (jazz)
    3) ... Tauziehen-Motiven fasziniert war, die mit dem zugrunde liegenden Pulsieren einer Jazz-Rhythmus-Sektion spielen konnten. Wenn nun der Film - Netflix-Doku über Miles Davis - das Potenzial hat, Menschen zu erreichen, die erst dabei sind, Miles Davis und seine Musik zu entdecken, dann ist dies natürlich sehr zu begrüssen. :-)
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  • Kommentar von Roger Stahn  (jazz)
    2) ...nicht bewusst versuchten, etwas gezieltes zu gebären. Der grösste Teil der Gruppe stammte aus der Claude Thornhill Band und wurde hauptsächlich einberufen, um einige neue Arrangements von Gil Evans und Gerry Mulligan zu testen. Lee Konitz, der mit den Bands von Davis, Tristano, Thornhill und Kenton spielte, ist eine zentrale Figur in dem sich zu dieser Zeit entwickelnden transformierenden Sound. Thelonious Monk war ein weiterer Jazzmusiker, der von den rhythmischen melodischen...
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  • Kommentar von Roger Stahn  (jazz)
    1)Eigentlich sind es ja mehrere Musiker, die alle zum «Cool Jazz» beitrugen. Stan Getz, Lennie Tristano und Miles Davis waren die drei Musiker, die am meisten dazu beitrugen, einen Sound zu kreieren, der in den frühen 1950er Jahren schnell als »cool« bezeichnet wurde. Als die Aufnahmesitzung vom Miles Davis Orchestra (21. 01. 1949/Capitol-LP-Album) neu veröffentlicht wurde, suggeriert der Titel, dies sei «die Geburt des Cool Jazz». Rückblickend scheint es jedoch, dass die Musiker zu dieser Zeit
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