«One Direction»-Doku: Für Menschen über 16 nicht geeignet

Die fünf Jungs sorgen dafür, dass Zehnjährige ihre Barbie-Puppen in die Ecke schmeissen und zu Monstern werden. Jetzt will die britisch-irische Band One Direction nach der Bühne auch die Kinoleinwand erobern.

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Filmszene: Gute Laune im Backstage-Bereich

0:46 min, vom 12.9.2013

Wenn die fünf Jungs von One Direction auf die Bühne treten, verwandeln sich unschuldige kleine Mädchen in Horrorfiguren. Sie kreischen, sie heulen und zucken wie wild. Andere haben Tobsuchtsanfälle, werden zu Bestien, schlagen um sich, beissen, kratzen, kneifen.

Die Gruppe sitzt mit 3D-Brillen auf Regiestühlen in einem Filmstudio.

Bildlegende: Den Sprung auf die Leinwand geschafft: One Direction. Disney

Während sich Eltern verzweifelt an den Kopf fassen, klopfen sich die Marketing-Leute hinter One Direction zufrieden auf die Schultern. Seit die Boygroup 2010 in der britischen Casting-Show «X-Factor» bekannt wurde, ist One Direction omnipräsent – von Europa über Amerika bis nach Asien. Jetzt will die Boygroup auch die Kinowelt erobern. «One Direction: This Is Us» heisst die Dokumentation, die nun auch bei uns auf die Leinwände kommt.

Optimismus zu Beginn

Wenn man das Alter von 16 Jahren überschritten hat, erwartet man bei einem Film über eine angesagte Boygroup das Schlimmste. Aber siehe da: Zu sehen sind Kinderfotos, peinliche erste Auftritte bei der Casting-Show «X-Factor» – und das ist gar nicht so schlecht. Auch die 3D-Effekte nicht.

Nach spätestens einer Viertelstunde ist aber Schluss mit lustig. Die Boys fliegen von London nach New York, nach Tokio, nach Amsterdam und dann wünscht man sich ein Flugverbot für Boygroups. Eine Handlung fehlt. Die Jungs in der leeren Konzerthalle, in der gefüllten Konzerthalle, auf der Bühne, im Hotelzimmer, im Tour-Bus.

Pappfiguren statt Söhne im Elternhaus

Die Mitglieder der Gruppe stehen singend auf einer Bühne

Bildlegende: Auf der Bühne werden die grossen Emotionen geliefert: die Boygroup One Direction. Disney

Zwischen den Konzertaufnahmen gibt’s oberflächliche Interviews. Es ist schwer berühmt zu sein, erklärt «One Direction»-Mitglied Harry Styles. Da hätte er es mit der Musik und der Castingshow sein lassen können und einen Kiosk eröffnen, denkt man sich.

Auch die Eltern der Musiker haben es schwer. Die haben ihre Sprösslinge seit drei Jahren so gut wie gar nicht mehr gesehen und stellen deshalb gruslige One-Direction-Pappfiguren ins Zimmer. Die singen immerhin nicht.

Scorsese weckt Zweifel

Aber es gibt da diesen einen Moment, in dem man sich fragt, ob man einfach zu alt ist für den Film oder ob man nicht genug von Musik versteht. Da taucht Regie-Legende Martin Scorsese Backstage auf und schüttelt den Jungs die Hände.

Der Mann hat ja nicht nur Kinoklassiker wie «Taxi Driver» gedreht, sondern auch Musikvideos und -filme. Ex-Beatle George Harrison, Bob Dylan, The Band und die Rolling Stones standen vor seiner Kamera. Michael Jacksons legendäres Video zu seinem Hit «Bad» stammt von Scorsese. Bei so einer Liste denkt man sich: Der über 70-Jährige versteht was von Musik. Und dieser Mann sagt in die Kamera, er sei ein Fan der Boygroup. Irritierend.

Nur eine Richtung

«One Direction: This is us.» ist glattgebügelte PR. Die fünf Jungs werden als tätowierte Engel präsentiert, die nie trinken, nie rauchen und nie Party machen. Die Freundinnen der Musiker werden nicht erwähnt – das könnte die überwiegend weiblichen Fans desillusionieren. 92 Minuten dauert die Dokumentation. Wer kein «Directioner» ist, wie die Fans der Gruppe genannt werden, empfindet das als Ewigkeit. Als endlich der Abspann erscheint, gibt’s nur noch «One Direction», und zwar die Richtung Ausgang. Man ist eben nicht Martin Scorsese.