Die drei schönsten Arien aus «Faust»

Ein surrendes Spinnrad, eine Hymne auf das goldene Kalb und ein hohes C, das nicht heldenhaft laut, sondern leise klingt. Diese Arien aus Charles Gounods «Faust» sind eindringlich und schaffen mit kleinen Tönen ergreifende Effekte.

    • 1.
      Marguerite: «Il ne revient pas.»

      Alleine sitzt die junge Marguerite in ihrem Zimmer am Spinnrad. Sie wünscht sich ihren geliebten Faust zurück, von dem sie ein Kind erwartet. Sie hat Angst und schaudert, weil sie schon ahnt: Der kommt nicht wieder.

      Sie bedient das Spinnrad während sie singt. Das Surren des Rads ist stilisiert in den hohen Streichern zu hören. Die rhythmischen Tret-Impulse, mit welchen Marguerite das Rad in Schwung hält, werden von zupfenden Bässen intoniert. Als sie ins Schwärmen kommt, vergisst sie alles um sich herum. Auch das Spinnrad. Das Surren ist weg, die Begleitung verändert sich.

      Es ist eine ergreifende Szene mit bezauberndem Klang, doch die Idee ist nicht ganz neu. Schon Franz Schubert komponierte fast 50 Jahre vor Gounod ein «Gretchen am Spinnrade» für Stimme und Klavier mit ganz ähnlichem Satz und ähnlicher Dramaturgie.

    • 2.
      Faust: «Salut! Demeure chaste et pure.»

      Faust ist ergriffen von der Güte und der Unschuld Marguerites. Er spürt, dass er sie liebt. Das Hauptthema seiner Kavatine ist eine schlichte Melodie, die durch ihre Wendung nach Moll schon zu Beginn viel Gefühl verströmt.

      Fausts Gesang wird von der Solo-Violine zart umspielt. Später steigert sich die Musik zu einem hochromantischen Höhepunkt mit einem hohen C als Spitzenton für den Tenor.

      Dieser Höhepunkt ist allerdings nicht auftrumpfend laut, sondern von Gounod nur wenig lauter als Piano vorgeschrieben. Für einmal also kein heldenhaftes Showstück für Tenöre.

    • 3.
      Mephisto: «Le veau d’or est toujours debout!»

      Der Teufel präsentiert sich weltgewandt und ritterlich. Er gibt eine Art Tarantella zum Besten. Es ist ein Rondo über das goldene Kalb. Dessen Wirkung triumphiert gemäss Mephisto immer über den Glauben oder höhere Ideale. Die Menschheit lässt sich immer von ihm blenden.

      Das goldene Kalb, das alle anbeten, ist eine Metapher für falsche Götzen wie etwa Besitz, Ruhm oder den schönen Schein. Bedrohlich verharrt Mephisto auf lauten, hohen Tönen. Sein Auftritt wirkt auf diese Weise umso eindringlicher. Das Orchester heizt die Musik mit wirbelnden Figuren und klingelndem Schlagwerk an. Schliesslich stimmt auch der Chor in diese Hymne ein.

«Faust» von Charles Gounod kurz erklärt

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«Faust» von Charles Gounod: Der Teufel und die Liebe

6:01 min, vom 22.8.2016