«La Bohème»: ein musikalisches Hoch auf das Pariser Leben

Puccini las vom Leben der Pariser Bohemiens und war sofort begeistert und inspiriert. Er ist nicht der einzige. Von Leoncavallo bis Kaurismäki haben sich Künstler in unterschiedlichen Epochen an dem Stoff versucht. Nur Puccinis Oper wird aber bis heute noch weltweit gespielt.

Zeichnung von Puccini, der einen Text in den Händen hält, darauf zu lesen: Henry Murgers Bohème.

Bildlegende: Die Inspiration für die Geschichte von «La Bohème» fand Puccini in einem Roman des Franzosen Henri Murger. SRF/Patrice Gerber

Puccinis «La Bohème» ist bis heute eine der meistgespielten Opern überhaupt. Sie spielt im Paris der 1830er-Jahre. Es ist Heiligabend. Rodolfo und Marcello, beide Künstler, frieren in ihrer eiskalten Mansarde. Zwei Freunde, Colline und Schaunard, stossen dazu. Sie beschliessen trotz chronischer Armut, im Quartier Latin feiern zu gehen. Nur Rodolfo bleibt noch kurz zurück, weil er einen Artikel fertig schreiben muss.

Kaum sind die anderen losgezogen, klopft Mimi an seine Tür, weil ihre Kerze ausgegangen ist. Die beiden verlieben sich auf der Stelle und ziehen gemeinsam zu den anderen ins Café Momus. Auch Marcello findet wieder mit seiner Ex-Freundin Musetta zusammen. Die unbeschwerte Leichtigkeit des Seins und die bedrohliche Endlichkeit allen Glücks begleiten die Freunde einen Winter lang. Mimi mit ihrer Tuberkuloseerkrankung ist dabei das Memento Mori der ganzen Bande. Schliesslich stirbt sie in den Armen des Geliebten.

Ein Wettlauf um die bessere Oper

«La Bohème» war Puccinis vierte Opernkomposition. Als Grundlage diente ihm der autobiografische Roman von Henri Murger. Puccini soll sofort begeistert gewesen sein vom Buch des französischen Autors, der einer Gruppe von Bohemiens angehörte.

Wahrscheinlich erinnerte ihn das Leben der Bohemiens in Paris an seine eigenen Mailänder Bohème-Jahre. Gleichzeitig machte sich aber ein weiterer Komponist, Ruggero Leoncavallo, an denselben Stoff. Das war im März des Jahres 1893. Zwischen den beiden begann ein Wettlauf, den Puccini zeitlich wie inhaltlich gewann.

Perfekt war dem Maestro nur gut genug

Man schrieb das Jahr 1895, als sowohl das Libretto und die Musik fertiggestellt waren. Puccini soll selbst geweint haben, als er seine Mimi am Ende der Oper sterben liess. Giuseppe Giacosa und Luigi Illica, die beiden Librettisten, hatten bis zu diesem Zeitpunkt viele hitzige Diskussionen mit dem Maestro geführt, der bis zum Schluss immer wieder Änderungen wollte.

Am 1. Februar 1896 fand die Premiere im Teatro Reggio in Turin statt. Puccini soll damit nicht sehr glücklich gewesen sein. Er hielt die Akustik des Hauses für ungenügend. Zudem galt der junge Dirigent des Hauses als schwierig: Es war der 29-jährige Arturo Toscanini.

Laue Premiere, Triumph in Palermo

«La Bohème», die bis heute beliebteste Oper von Puccini, wurde bei ihrer Uraufführung vom Publikum nett, aber ohne Begeisterung aufgenommen. Die Kritiker waren noch strenger, viele äusserten sich negativ.

Nur ein Jahr später erlebte dieselbe Oper bei einer Aufführung in Palermo einen eigentlichen Triumph. Das Publikum tobte vor Begeisterung. So sehr, dass sich der Dirigent gezwungen sah, die Sänger aus ihren Garderoben noch einmal auf die Bühne zu holen. Sie wiederholten die letzte Szene, obwohl alle schon abgeschminkt waren. Seit dieser Aufführung gilt «La Bohème» als Puccinis bestes Werk.