Turandot – eine mitreissende Oper um eine eiskalte Prinzessin

Es ist diese Musik kombiniert mit dieser Geschichte, die uns bei «Turandot» packt, der letzten Oper von Giacomo Puccini mit ihren weltberühmten Arien. Die Geschichte der herzlosen Prinzessin zieht die Zuschauer in ihren Bann – und das bis heute.

Die Zeichnung zeigt Turandot mit drei Rätselkarten.

Bildlegende: Drei Rätsel stellt Turandot ihren Verehrern. Wer sie nicht löst, wird geköpft. Das funktioniert, bis Prinz Calaf kommt. SRF

«Turandot», Puccinis letzte, unvollendete Oper handelt von der Prinzessin Turandot. Diese lässt alle Männer ermorden, die um ihre Hand anhalten, wenn sie ihre drei Rätsel nicht lösen können. Nach einigen Umwegen findet sie aber schliesslich doch zur Liebe. Es ist ein Kuss, der die eiskalte Prinzessin umstimmt und dann mit viel Pomp doch noch heiraten lässt.

Dieses fulminante Ende mit Hochzeit und Chor wurde allerdings nicht von Puccini, sondern von Franco Alfano komponiert. Das ganze Tamtam soll wohl darüber hinwegtäuschen, dass es eigentlich kein Happyend ist, denn diese Liebe ging über Leichen.

Puccini selbst konnte die Oper nicht fertig schreiben. Er starb nach einer Operation wegen Kehlkopfkrebs. Es ist wahrscheinlich, dass der Maestro einen anderen Schluss anstrebte, einen ohne Pomp.

Stoff, der schon Schiller begeisterte

Als Giacomo Puccini 1920 mit «Turandot» begann, existierten bereits verschiedene Varianten der ursprünglich persischen Erzählung. Der Venezianer Carlo Gozzi hatte fast 100 Jahre vor Puccinis Geburt ein Theaterstück geschrieben. Auch Friedrich Schiller hatte sich des Stoffes um die männermordende Prinzessin in seinem Stück «Turandot, Prinzessin von China» angenommen.

Die lange, erfolglose Suche

Puccini selbst schrieb vier Jahre an «Turandot». Er erfand eine neue Figur, stellte der eiskalten Prinzessin die gefühlvolle Sklavin Liù gegenüber. Liù ist es denn auch, die durch ihr Opfer die Verwandlung der bösen Prinzessin initiiert, lange bevor der Kuss des Prinzen das Eis um Turandots Herz endgültig zum Schmelzen bringt.

Den richtigen, musikalischen Schluss zu finden, soll Puccini als Tortur erlebt haben. Eine endlose Suche, die sogar einen Streit mit den Librettisten, Giuseppe Adami und Renato Simoni, zur Folge hatte. Für den Schluss suchte der Komponist nach einer «ungewöhnlichen, markanten Melodie». Er notierte: «tipica, vaga, insolita». Puccini konnte sich aber auf keine festlegen, obwohl er wusste, dass er schwer krank war. So endete Puccinis Werk mit dem Tod von Liù – und seinem eigenen.

Puccini mit Mantel, Hut und Zigarette.

Bildlegende: Giacomo Puccini auf einer Aufnahme von 1908. Wikimedia/A. Dupont

Leben und Sterben für die Oper

Puccini, 1858 geboren, wuchs in einer Musikerfamilie in der toskanischen Stadt Lucca auf. Ganz selbstverständlich erhielt er eine gute, musikalische Ausbildung im Konservatorium und begann früh zu komponieren. Mit erst 26 zeigte er seine erste Oper «Le Villi» (1884) mit guter Resonanz, und später «Edgar» (1889), ein Flop.

Das hielt seinen Verleger nicht davon ab, weiterhin an ihn zu glauben. Puccini überwand die frustrierende Kritik und sein Verleger sollte Recht behalten: Mit «Manon Lescaut» (1893) kam der Durchbruch. Bis zu seinem Tod mit 66 Jahren verschrieb sich Puccini ausschliesslich der Oper. Viele bekannte Opern wie «La Bohème», «Madame Butterfly» und «Tosca» stammen aus seiner Feder. Puccini und die Oper, das war eine 40 Jahre lang andauernde, grosse Leidenschaft.

Der Opernführer

Porträt von August Schram, die Hände angehoben, mit den Handflächen gegen oben.

August Schram. SRF

Vorhang auf für Liebe, Sex und Crime. Es wird geliebt und gehasst, gefleht und verlassen, gemordet und gestorben. Das ist Oper – und das ist zeitlos. August Schram stellt Opern vor und zeigt, wie leicht man in diese magische Welt eintauchen kann.

Über Giacomo Puccini